(Quelle: DAS INVESTMENT) Alexandra Hartmanns Spurwechsel ist offensichtlich gelungen. Bis sie am 1. Januar 2007 den Euro Blue Chip Fund übernahm, dirigierte sie zwei deutsche Aktienfonds und einen Fonds für Schweizer Aktien. Ein paar Jahre zuvor hatte sie mehrere Länderfonds gemanagt. Der Blue-Chip-Fonds, den sie von ihrem Vorgänger Alexander Scurlock übernahm, war ihr erster europäischer Fonds.

Bislang meistert sie ihre neue Aufgabe recht erfolgreich – von dem Einsturz an den Aktienmärkten blieb aber auch ihr Fonds natürlich nicht verschont: Seit Hartmanns Amtsantritt verlor der Aktienindex MSCI EMU, mit dem sie offiziell verglichen wird, 10,8 Prozent. Der Index bildet die Entwicklung der Aktienmärkte aus der Eurozone ab. Der Fidelity Blue Chip Fund schlug sich um 2,2 Prozentpunkte besser als der Index und verlor nur 8,6 Prozent.

Das vergangene Jahr war nicht einfach. Im Sommer brach in den USA eine Immobilienkrise aus, die sich schnell zu einer Finanzkrise ausweitete. Vor allem die Aktienkurse von Finanzunternehmen rund um den Globus brechen seitdem ein. Hartmann hatte sich rechtzeitig darauf eingestellt und in Unternehmen investiert, die einer schwächelnden Konjunktur und einem an Wert verlierenden Dollar trotzen konnten. Dabei half ihr, dass sie nicht blind auf Größe setzt. „Meine Kaufkriterien sind unter anderem ein dauerhaft erfolgreiches Geschäftsmodell, ein bewährtes Management und die Möglichkeit, aus eigener Kraft zu wachsen“, beschreibt sie ihren Ansatz. Das traute sie den Banken offensichtlich nicht mehr so richtig zu.

Zu ihren goldenen Regeln gehört außerdem ein starker freier Cash Flow, also hohe regelmäßige ungebundene Einnahmen, und Gewinnschätzungen der Fidelity-Analysten, die über den allgemeinen Erwartungen liegen. Sollten die dann richtig liegen, hätten andere Börsenteilnehmer die Aktie somit unterschätzt – das ist schon fast eine Garantie für steigende Kurse.

Im vergangenen Jahr halfen Hartmann vor allem die Aktien des Düngemittelherstellers K+S (Kali und Salz), der Deutschen Börse, Bayer, Eon und des spanischen Telekom-Konzerns Telefónica. Die letzten drei Genannten gehören noch immer zu ihren fünf größten Fondspositionen. Vor allem die deutschen Aktien Siemens, Eon und Bayer würden ihren Anforderungen an ein starkes Wachstum aus eigener Kraft derzeit gerecht, so Hartmann. Bei Siemens setzt sie zudem auf das neue Management, das den Konzern hoffentlich erfolgreich umbaut und die Kosten senkt. Bayer besteche mit einer starken Produktentwicklung im Gesundheitsgeschäft und sollte mit der Chemiesparte ebenso wie K+S vom weltweiten Boom in der Agrarwirtschaft profitieren.

Bei Finanzwerten bleibt Hartmann weiterhin vorsichtig. Sie hat zwar 19,4 Prozent des Fondsvermögens in diesem Sektor angelegt. Gegenüber ihrem Vergleichsindex sind das jedoch über 10 Prozentpunkte weniger. Das ist eine recht starke Abweichung.