Quant-Experten von Robeco Nachhaltigkeit und passives Investieren sind unvereinbar

Robeco-Experten David Blitz und Wilma de Groot: „Anlegern kann der eine oder der andere Wunsch erfüllt werden, aber nicht beide gleichzeitig.“ | © Robeco

Robeco-Experten David Blitz und Wilma de Groot: „Anlegern kann der eine oder der andere Wunsch erfüllt werden, aber nicht beide gleichzeitig.“ Foto: Robeco

ARTIKEL-INHALT 

Einer der größten Anlagetrends der letzten Jahrzehnte war die Verlagerung vom aktiven zum passiven Investieren. Hinter dem letztgenannten Ansatz steht der Gedanke: Aktives Management ist ein Nullsummenspiel vor Kosten. Folglich müsste das passive Abbilden von Marktindizes bei minimalen Kosten zu einer überdurchschnittlichen Wertentwicklung führen.

Ein weiterer sehr beliebter Trend bei Anlegern ist es, Nachhaltigkeitsaspekte wie Umwelt-, Sozial- und Governance-Kriterien (ESG) in den Anlageprozess zu integrieren. Diese beiden Wünsche stehen jedoch im Widerspruch zueinander: Anlegern kann der eine oder der andere Wunsch erfüllt werden, aber nicht beide gleichzeitig.

Nur aktives Management ermöglicht die Integration von Nachhaltigkeit

Auf den ersten Blick mag es plausibel erscheinen, dass sich Nachhaltigkeitsaspekte effektiv auch in einen passiven Investmentansatz integrieren lassen. Insbesondere können passive Investoren aktiv auf Hauptversammlungen abstimmen und sich engagieren. Sie können ebenfalls Aktien ausschließen, die unter dem Aspekt Nachhaltigkeit am problematischsten sind, oder sich passiv für einen ESG-Index entscheiden.

Eine umfassende Integration von Nachhaltigkeit bringt jedoch viele aktive Entscheidungen mit sich. Deshalb erfordert sie ein aktives Portfolio- und Risikomanagement sowie Techniken zur aktiven Performance-Bewertung. Infolgedessen bewegen sich die Anleger – gewollt oder ungewollt – auf dem Gebiet des aktiven Managements. Passives Investieren und Nachhaltigkeitsintegration sind sehr unterschiedliche Anlagephilosophien – und deshalb nicht miteinander vereinbar.

Für passive Anlageverwalter spielt Nachhaltigkeit keine Rolle

Abstimmen ist für passive Aktienbesitzer zwar möglich. Eine Studie belegt jedoch, dass sie sich in mehr als 90 Prozent der Fälle auf die Seite der Unternehmensleitung stellen.*  Das Geschäftsmodell passiver Anlageverwalter bildet den Marktindex so nah wie möglich ab. Keine Rolle spielt es dagegen, ob die Kapitalmanager abstimmen oder sich engagieren. Im Unterschied dazu besteht bei aktiven Managern die Hauptaufgabe darin, durch eigene Tätigkeiten Mehrwert zu schaffen. Aktives Verhalten in Abstimmungen und Engagement können wirksame Instrumente dafür sein.

Die Autoren der Studie führen weiter aus, dass passive Manager – abgesehen davon, Unternehmen mit schlechter Publicity zu drohen – in Wahrheit nur sehr wenig tun können, wenn Zielgesellschaften ihr Engagement nicht ernst nehmen. Ihre Positionen in Unternehmen, die zu ESG-Themen nur Lippenbekenntnisse abgeben, können sie nicht wirklich verkaufen, denn sie sind gegenüber ihren Anlegern ja gerade dazu verpflichtet, das gesamte Marktportfolio zu replizieren.

* Fichtner, J., Heemskerk, E.M. und J. Garcia-Bernardo, 2017. „Hidden power of the Big Three? Passive index funds, re-concentration of corporate ownership, and new financial risk.“ Business and Politics, Vol. 19 (2), S. 298-326.