Aktualisiert am 22.07.2008 - 17:04 UhrLesedauer: 5 Minuten

Quanto-Zertifikate - Die Bank zahlt

 Quanto-Zertifikate - Die Bank zahlt
Schutz vor dem Dollar und sogar Extragewinne – derzeit sind währungsgesicherte Zertifikate besonders interessant. Doch längst nicht alle Emittenten geben Einsparungen auch an die Anleger weiter

Einen Gewinn von über 10 Prozent konnten Käufer des Rici Enhanced Agriculture Indexzertifikats (WKN: AA0 QL5) seit Emission im Dezember 2007 für sich verbuchen. Mit dieser Entwicklung stellt das Rohstoffzertifikat von ABN Amro nahezu jeden etablierten Aktienmarkt in den Schatten. Noch besser allerdings lief es für Anleger, die dem Agrar-Boom trauten, dem Dollar, der Handelswährung für Rohstoffe, jedoch nicht: Gleicher Index, gleicher Inhalt, nur kein Dollar, und das Rici-Agriculture-Zertifikat mit dem Namenszusatz Quanto (WKN: AA0 QL9) lieferte im gleichen Zeitraum einen Ertrag von 17,1 Prozent.

Quanto-Zertifikate: Der Dollar muss draußen bleiben

Quanto ist die Kurzform für „Quantity adjusted option“. Zertifikate, die dieses Kürzel im Namen tragen, schalten mittels Optionen und Zinspapieren das Währungsrisiko aus. Dazu ein Beispiel: Kauft ein Anleger ein normales Zertifikat in seiner Heimatwährung, etwa auf den Dax, und der Index steigt um 5 Prozent, so liegt der Gewinn auch bei 5 Prozent. Kauft der Anleger dagegen ein Zertifikat auf einen Index, der in einer Fremdwährung notiert, etwa den S&P-500 in US-Dollar, ist es nicht mehr so einfach. Steigt der Index um 5 Prozent, kann damit noch nichts gewonnen sein: Wenn der Dollar gleichzeitig um 7,5 Prozent fällt, bleibt unterm Strich ein Minus von 2,5 Prozent. Diesen Einfluss der Fremdwährung neutralisieren Quanto- Zertifikate, sodass nur die Entwicklung des Basiswerts zählt. Im Beispielfall hätte ein Dollarraum-Investment somit ebenfalls 5 Prozent gebracht.
„Ich rate jedem Privatanleger zu überprüfen, welches direkte Dollar-Risiko er im Depot hat“, sagt Christian Kratz. „Viele gehen da sehr blauäugig heran“, so der Vorstand des Vermögensverwalters Rhein Asset Management aus Düsseldorf. Zumal eine Versicherung gegen einen schwächelnden Dollar aktuell weit weniger kostet als noch vor einem Jahr. In Einzelfällen bekommen Anleger sogar eine kleine Auszahlung, wenn sie sich für die Absicherung und gegen den Dollar entscheiden: 0,5 Prozent im Jahr zahlt ABN Amro derzeit an Anleger des Rici Enhanced Agriculture Indexzertifikats in der Quanto-Version.
Wer sich für die Dollar-raus-Variante des Dow-Jones-Indexzertifikats (WKN: ABN 19N) entscheidet, bekommt von der Währungsentwicklung nichts mit, aber 0,7 Prozent jährlich ausgezahlt.

Auszahlungen bei Versicherungen

Eine Versicherung, die auszahlt statt kostet – vor zwei Jahren sah das noch ganz anders aus: Damals betrugen die Kosten für die Absicherung des Dow- Jones-Zertifikats 3,2 Prozent jährlich. Auch andere Emittenten haben die Quanto-Gebühren teilweise drastisch gesenkt: Für eine Absicherung eines Palladium- Zertifikats (WKN: GS7 2X2) verlangte Goldman Sachs Ende Februar noch 3 Prozent, derzeit sind nur noch 0,2 Prozent fällig. Die Währungsabsicherung von Agrar- und Rohöl-Zertifikaten ist gegenwärtig nahezu überall zum Nulltarif zu bekommen.
Der Grund für die Gebührensenkungen liegt in der Entwicklung der Leitzinsen in den USA und im Euroraum. Noch im Januar 2007 betrug der US-Zinssatz 5,25 Prozent, der der Europäischen Zentralbank lag bei 3,5 Prozent. „Ist das Zinsniveau im Ausland höher als im Inland, kostet die Absicherung Geld“, sagt Funda Tarhan. „Denn“, so die ABN-Amro- Expertin, „je höher der Zins ist, umso stärker gehen Marktteilnehmer da- von aus, dass diese Währung an Wert verlieren wird. Entsprechend teurer ist eine Absicherung, denn sie schützt vor einem wahrscheinlich eintretenden Ereignis.“ In der Tat gab der Dollar von Anfang Januar 2007 bis Ende Mai dieses Jahres um 15,1 Prozent nach. Im Zuge der internationalen Finanzkrise haben sich jedoch die Gewichte an den Geldmärkten verschoben: Die Leitzinsen in den USA liegen derzeit nur noch bei 2 Prozent. In der Eurozone sind es dagegen 4 Prozent. Tarhan: „Ist das Zinsniveau im Ausland niedriger als im Inland, kann es die Absicherung umsonst oder sogar mit einem kleinen Ertrag geben.“

Mangelhafte Informationen

Die Zinsdifferenz ist jedoch nur eine – wenngleich die wichtigste – Komponente der Absicherungsstrategie. Ausschlaggebend ist auch die Korrelation zwischen Basiswert und Fremdwährung. Bewegt sich der Basiswert annährend parallel zur Währung, ist eine Quanto-Konstruktion preiswerter zu haben. Je deutlicher Fremdwährung und Basiswert gegeneinander laufen, desto teurer wird es. Deshalb ist eine Absicherung von Edelmetallen – sie gelten als Fluchtwährung, wenn der Dollar unter Druck gerät – in der Regel teurer als die eines Aktienindex. Auch die Volatilität, die Schwankungsbreite des Basiswerts, hat Auswirkungen auf die Kosten des Währungsschutzes. Je stärker und hektischer sich eine Aktie, ein Index oder ein Rohstoff hin und her bewegt, umso höher sind die Preise für die Optionen, die den Währungsschutz liefern. So kostet die Absicherung des Gold- Quanto-Zertifikats (WKN: A0A B84) ohne Laufzeitbegrenzung bei ABN Amro aktuell 0,7 Prozent, während der Schutz des Amex-Gold-Bugs-Zertifikats (WKN: A0A B83), das auf Goldminenaktien setzt, 2,8 Prozent kostet. Verantwortlich für diese Kostenstruktur ist die Volatilität: Der Goldpreis schwankte in der Vergangenheit um durchschnittlich 23 Prozent, die Schwankungsbreite der Goldaktien lag zeitweise bei über 60 Prozent und hat sich aktuell bei 35 Prozent eingependelt.
Für Anleger sind die Gebührenstrukturen undurchschaubar, auf den ersten Blick wirken sie sogar willkürlich. Das sind sie in manchen Fällen auch: So verlangt die Commerzbank für ihr währungsgesichertes Indexzertifikat auf den Dow Jones (WKN: CZ3 231) keine Gebühren, schüttet aber anders als Wettbewerber ABN Amro auch keine Zahlungen aus. „Positive Gebührenstrukturen sind sicher nicht undenkbar, aber nicht geplant“, sagt Ralph Stemper von der Commerzbank. Zugute halten muss man der Bank den Nutzwert ihrer Homepage. Sie teilt ihr Zertifikate-Universum in Quanto und Nicht-Quanto ein und veröffentlicht die aktuellen Gebühren. Davon ist das X-Markets-Team der Deutschen Bank weit entfernt: Die Kosten zur Währungsabsicherung werden nicht veröffentlicht, und auch der Namenszusatz „Quanto“ fehlt bei einem Großteil der Zertifikate. Das macht eine erfolgreiche Suche nach währungsgesicherten Zertifikaten unmöglich. „Das ist ungünstig und wird behoben“, erklärt Mathias Schölzel von X-Markets. Die Gebühren seien bisher nicht veröffentlicht worden, da es seitens der Anleger keine Nachfrage gebe.
Ohne Namen und Gebühren geht es auch bei der Landesbank Berlin (LBB) zu: Die Absicherung kostet nüscht, dafür behält die LBB aber auch Einsparungen für sich und nennt das Ganze „Berliner Mischkalkulation“. Vorbildlich präsentieren sich die Online-Formate von ABN Amro, Goldman Sachs und Société Génerale. Die Gesellschaften veröffentlichen die Gebühren: Wo Quanto drin ist, steht in der Regel auch Quanto drauf, und mitunter informieren die Gesellschaften in ihren Hausmagazinen auch über Veränderungen der Gebührenstruktur.