Barbara Bocks

Steuertipp für ETFs ETF-Gewinne: So kannst du ganz einfach Erträge stunden und Steuern sparen

Collage mit Frau und Geldscheinen
Collage mit Frau und Geldscheinen: Wer regelmäßig über mehrere Jahrzehnte seine besparten ETFs wechselt, kann im Alter dadurch Steuern stunden und so die Rendite verbessern, erklärt das Team von Finanztip.
© Barbara Bocks, Collage mit Canva

Wer für das Jahr 2022 noch seine Steuererklärung abgeben muss, für den tickt die Uhr. Am 2. Oktober ist Stichtag für die Abgabe.

Eine wichtige Anlage in der Steuererklärung ist die Anlage KAP. Hier werden die Kapitalerträge eingetragen.

Die gute Nachricht: Erträge aus Investments sind so genannte Quellensteuern. Das heißt, dass dein Broker deine Kapitalerträge jedes Jahr berechnet und direkt an das Finanzamt überweist. 

Du musst sie lediglich in deiner Steuererklärung eintragen.

Für alle Kapitalerträge gilt: In dem Jahr, in dem du ETF-Anteile oder andere Finanzprodukte verkaufst, also deine Gewinne realisierst, fallen Steuern an.

Für Kapitalerträge nutzt das Finanzamt das Fifo-Prinzip

Generell gibt es zwei Prinzipien, wie Steuern auf Finanzprodukte berechnet werden:

  • First in, first out-Verfahren, Fifo, die zuerst angeschafften ETF-Anteile werden zuerst verkauft.
  • Last in, first out-Verfahren, Lifo, die zuletzt angeschafften ETF-Anteile werden zuerst verkauft.

Das Finanzamt nutzt bei ETFs das Fifo-Prinzip.

 

„Steuerlich wäre das Gegenteil besser, ein ‚Last in-First Out‘-Verkauf (Lifo)“, erklärt Saidi Sulilatu, Geschäftsleiter von Finanztip.

Denn die zuletzt gekauften ETF-Anteile verzeichnen erfahrungsgemäß die geringsten Kursgewinne, einfach weil die Haltedauer niedriger ist. Und niedrigere Gewinnen führen zu einer niedrigeren Steuerlast.

Saidi Sulilatu von Finanztip hat aber einen einfachen Trick parat, wie Verbraucher:innen Steuern stunden können.

„Anleger:innen investieren weiterhin in ihren favorisierten Aktienindex, aber besparen zum Beispiel alle zehn Jahren einen anderen ETF“.

Die Begründung: Wenn du beispielsweise alle zehn Jahre den ETF wechselst, kannst du Anteile aus dem zuletzt gekauften ETF zuerst verkaufen, wenn es nötig wird oder du in den Ruhestand gehst.

Das geht steuerlich, weil dieser ETF durch die Kaufstrategie in Tranchen eine eigenständige Position im Depot ist.

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„Wer mit Lifo verkauft, spart streng genommen keine Steuern, sondern stundet sie“, erklärt Sulilatu. Das Gute daran: Du hälst dadurch mehr Geld im Depot und die gestundeten Steuern können zusätzliche Rendite erwirtschaften.

Du könntest sogar noch mehr herausholen und vier oder fünf verschiedene ETF-Tranchen bilden, das Prinzip bleibt immer das gleiche.

Eine Steuerersparnis bei ETFs von 28.000 Euro ist drin

In einer Modellrechnung hat das Team von Finanztip beide Anlageszenarien für einen Zeitraum von 50 Jahren gegenübergestellt. Das Ergebnis: Der gestückelte Verkauf mit Lifo statt Fifo brachte dabei einen Steuervorteil von 28.000 Euro.

  • In zwei Musterfällen hat eine Person ab dem 37. Lebensjahr für 30 Jahre in den Aktienindex MSCI World investiert, einerseits durchgehend in einen ETF und andererseits jeweils für zehn Jahre in drei ETFs.
  • Bei sieben Prozent Rendite pro Jahr hat die Person in beiden Fällen 578.000 Euro (brutto) angespart.
  • Die Person verkauft die ETF-Anteile in drei Schritten: mit 67, 77 oder 87 Jahren.

Der Unterschied zwischen den Verkäufen von einem ETF und drei ETFs:

  • Die Person, die nur einen ETF im Depot hält, muss die ältesten Anteile nach dem Fifo-Prinzip zuerst verkaufen.
  • Die Person mit den drei verschiedenen ETFs kann nach dem Lifo-Prinzip zunächst den zuletzt besparten ETF veräußern.

Bei der letzten Entnahme nach 50 Jahren macht sich der Unterschied bemerkbar: Bei der Fifo-Variante sind am Ende nur noch 165.000 Euro netto übrig, bei der Lifo-Variante 193.000 Euro – also 28.000 Euro mehr.

Für die Modellrechnungen hat das Team von Finanztip die aktuell gültigen Steuergesetze genutzt, die sich ändern können. Durch das beschriebene Vorgehen entstehen aber laut den Expert:innen keine Nachteile für Anleger:innen.

Mehr Informationen zu den Berechnungen findest du hier.

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