Raiffeisen Osteuropa Aktien

//
Die jüngste Börsenkrise traf den deutschen Aktienmarkt hart: Seit Jahresanfang gab der deutsche Leitindex Dax um 13,7 Prozent mach. Noch schlechter lief es bei den östlichen Nachbarn: So verbilligten sich Aktienfonds, die in Osteuropa investieren, nach Angaben der Rating-Agentur Morningstar um derzeit rund 15 Prozent.

Etwas mehr verlor der Osteuropa Aktien (WKN: 986634) der österreichischen Fondsgesellschaft Raiffeisen Capital Management (RCM).Der Fonds liegt derzeit rund 16 Prozent im Minus. An seiner Qualität hat der Fonds indes nur bedingt verloren: Das vergangene Jahr schloss er mit einer Rendite von 23,1 Prozent ab. Mit diesem Ergebnis übertrumpfte der Fonds den MSCI Emerging Markets Eastern Europe um knapp 10 Prozentpunkte.

Auch im Vergleich mit den Konkurrenzprodukten schneidet der RCM-Fonds gut ab: Auf Sicht von 10 Jahren liegt der 1994 aufgelegte Fonds auf Platz drei von 26 Fonds mit vergleichbarer Historie. Seit Anfang 1998 hat sich der Fondswert mehr als vervierfacht. Der Durchschnitt aller Produkte in der Morningstar-Kategorie Aktien Osteuropa kommt nur auf das Zweieinhalbfache.

Das durchschnittliche Abschneiden des Fonds liegt unter anderem daran, dass Fondsmanagerin Angelika Millendorfer die Ländergewichtung recht frei gewählt hat: Ihre größte Position in der Ländergewichtung ist Russland (55,3 Prozent). Auf Platz zwei folgt die Türkei (15 Prozent). Damit hat Millendorfer das Land am Bosporus gegenüber ihrem Vergleichsindex übergewichtet. Russland hingegen ist beim MSCI-Index für Osteuropa noch stärker vertreten. Diese Untergewichtung schadete der Fondsrendite in der jüngsten Zeit im Vergleich zu dem Index.

Optimistisch ist die Österreicherin trotzdem für die große Volkswirtschaft: „Russische Aktien profitierten vom Ausgang der Duma-Wahlen“, erklärt Millendorfer. „Außerdem unterstützte Putins Entscheidung für Dimitry Medvedev als favorisierten Nachfolger im Amt des Präsidenten die Aktienmärkte.“ Für die Zukunft ist sie vor allem für die Sektoren Öl und Gas optimistisch: „Russland gehört zu den Gewinnern der international hohen Energienachfrage“, so Millendorfer. Kein Wunder also, dass die russischen Energieriesen Gazprom und Lukoil derzeit die größten Einzeltitel des Fonds sind.

Energietitel machen derzeit rund ein Viertel des Fondsvermögens aus. Knapp ein Drittel der knapp 1,3 Milliarden Euro ist im Finanzsektor investiert. Die russische Sberbank belegt Platz 5 unter den rund 70 Titeln des Portfolios. „Der russische Bankensektor ist nicht so stark von der Subprime-Krise betroffen wie beispielsweise der westeuropäische“, erklärt Millendorfer. „Er weist deshalb auch eine bessere Wertentwicklung auf.“

„Einbußen erlitten am Jahresende hingegen polnische Aktien“, so die Fondsmanagerin weiter. „Das war vor allem auf die bereits hohe Bewertung der Aktien und die hohen Abflüsse aus polnischen Aktienfonds zurückzuführen.“ Doch diese Entwicklung stärkte Millendorfers Fonds im Vergleich zum Index. Denn im RCM-Fonds sind polnische Aktien mit 11,3 Prozent des Portfolios vergleichsweise schlecht repräsentiert.

Diese Länder- und Branchenanteile stehen bei Millendorfers Anlageprozess aber nicht im Vordergrund. Stattdessen sind sie das Nebenprodukt ihrer Auswahl von Einzeltiteln. Denn die gesamtwirtschaftlichen Rahmendaten der osteuropäischen Länder spielen für sie nur eine untergeordnete Rolle. Dennoch profitiert der Fonds von den guten Aussichten der aufstrebenden Volkswirtschaften.

„Wir erwarten in den osteuropäischen Staaten weiterhin ein höheres Wachstum als in Westeuropa“, so Millendorfer. Mit jeweils 5,5 Prozent wachse das Bruttoinlandsprodukt Russlands und der Türkei besonders stark. Viele der anderen Länder der Region profitierten dagegen sehr von der Mitgliedschaft in der EU.

Im Vordergrund stehen bei Millendorfers Investitionsentscheidungen vor allem die Unternehmensdaten. Dabei interessieren sie quantitative Kriterien wie Bewertung, Gewinnwachstum und Erträge der Firmen. Außerdem achtet die Fondsmanagerin auf qualitative Faktoren wie Transparenz und gutes Management. Bei regelmäßigen Besuchen der Unternehmen vor Ort versucht Millendorfer, sich ein umfassendes Bild von den Firmen zu machen.

Der Ausgabeaufschlag des Fonds beträgt 5 Prozent. Die jährliche Verwaltungsgebühr liegt bei 2 Prozent.

Mehr zum Thema