Zum zehnten Mal hat Franke und Bornberg (F&B) ein Rating in der Kraftfahrzeugversicherung vorgelegt. Das Analysehaus spart dabei nicht mit Selbstlob: „Unsere Ratings haben zu einer Qualitätssteigerung vor allem in Kernleistungen geführt. Das Leistungsniveau ist in diesen zehn Jahren spürbar gestiegen“, sagt Michael Franke, Gründer und Geschäftsführer von Franke und Bornberg. Dennoch hätten Tariflinien mit unterschiedlichen Qualitätslevels weiterhin ihre Berechtigung. 

Was die Entwicklung in der Sparte angeht, verzeichnen die Kfz-Versicherer laut der Autoren nach deutlichen Preissteigerungen wieder Gewinne. Dennoch seien auch 2026 besonders bei Vollkasko-Tarifen Prämiensteigerungen zu erwarten. „Auch wenn der Preisanstieg beim nächsten Jahreswechsel moderater ausfällt, rechnen wir erneut mit einer lebhaften Wechselsaison“, sagt Franke.

Neues in der Kfz-Versicherung

Produktseitig blieben die Neuerungen derzeit überschaubar. Viele Versicherer konzentrierten sich dabei auf Elektrofahrzeuge. „In Top-Tarifen wird der Abzug neu für alt bei Akkus oft zeitlich nach hinten verlagert oder sogar ganz gestrichen“, so Franke. Für Zustandsdiagnostik von Akkus und das Lagern im Wassercontainer nach einem Unfall zahlten starke Tarife mittlerweile ebenfalls. Auf der negativen Seiten sei zu verbuchen, dass einige Versicherer derzeit den Abzug bei Verstoß gegen die vertragliche Werkstattbindung von 15 auf 20 Prozent erhöhten.

So funktioniert die Methodik

Als Quellen für das Rating werden ausschließlich die Versicherungsbedingungen sowie gegebenenfalls verbindliche Verbraucherinformationen, Antragsformulare, Versicherungsscheine, Geschäftsberichte und per Stichprobe verifizierte Daten genutzt. 

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Die Testkandidaten werden zunächst dahingehend überprüft, in welchen Ausprägungen beziehungsweise Varianten welche Detailleistungen und Einzelregelungen angeboten werden. Die Qualität der jeweiligen Regelungen wird in einem nächsten Schritt auf einer Skala von null (für die schlechteste) bis 100 (für die beste Ausprägung) eingeordnet. Danach werden die einzelnen Leistungskriterien entsprechend ihrer Wichtigkeit aus Kundensicht gewichtet, so die Analysten.

Um die Gesamtqualität der Tarife zu messen, greift F&B auf ein siebenstufiges Bewertungsschema von „FFF+“ (hervorragend) über „FFF“ (sehr gut), „FF+“ (gut), „FF“ (befriedigend), „F+“ (ausreichend) und „F“ (mangelhaft) bis „F-“ (ungenügend) zurück. Die Klassen sind laut der Autoren so bemessen, dass geringfügige, für die Praxis unerhebliche Punktunterschiede nicht zur Einstufung in eine andere Klasse führen.  Innerhalb der Ratingklassen sorgten zusätzliche Schulnoten für weitere Differenzierung.

Punkte und Mindeststandards 

Untersuchungsgegenstand ist eine Kombination von Haftpflicht, Voll- und Teilkasko sowie Zusatzbausteinen. Insgesamt gehen in die Bewertung 73 Prüfkriterien ein. Für die Bestnote reichen bereits 85 Prozent der Maximalpunktzahl von 6.575 aus. Gleichzeitig müssen aber zusätzliche Mindeststandards erfüllt werden. Hierzu gehören unter anderem mindestens 15 Millionen Euro Deckungssumme bei Personenschäden, eine Kauf- und Neupreisentschädigung von mindestens 24 Monaten sowie kein Abzug „neu für alt“.

Weitere Details zur Methodik können in den Bewertungsgrundlagen nachgelesen werden.

Anbieterfreundliche Benotung 

Aufgrund der zur bekannten Noten-Skala hinzugefügten „Hervorragend“-Bewertung muss das verwendete Schema allerdings auch als anbieterfreundlich bezeichnet werden. Das ist offensichtlich dem Geschäftsmodell von F&B geschuldet. Ausgezeichnete Unternehmen können kostenpflichtige Siegel zu Vertriebs- und Marketingzwecken erwerben. 

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Die Ergebnisse im Rating für Kfz-Versicherungen

Die Analysten haben in diesem Jahr nur 324 (Vorjahr: 367) Tarife von 76 (79) Gesellschaften unter die Lupe genommen. Die Autoren sprechen indes von einem wachsenden Angebot und beziehen sich auf das Jahr 2016, als nur 134 Tarife berücksichtigt wurden. 

Zu den Ergebnissen merkt F&B an, dass die Tendenz zu besserer Qualität erneut durch einen kräftigen Preisanstieg überschattet werde. Tatsächlich ist eine Ergebnisverbesserung klar erkennbar. So vergibt die Ratingagentur 2025 an 27,5 Prozent der Offerten die Topnote – verteilt auf fast zwei Drittel der Produktgeber, ein deutlicher Zuwachs im Vergleich zum Vorjahr. Die Gruppe der sehr guten Tarife („FFF“) schrumpft dagegen leicht auf 23,5 Prozent. Das Mittelfeld bleibt konstant, während schwächere Angebote in den beiden untersten Wertungsklassen praktisch nicht existent sind. 

Insgesamt 49 Gesellschaften verbuchen einen top bewerten Tarif in ihrem Angebot, Neu in diese Gruppe vorgestoßen sind im Vergleich zum Vorjahr die PVAG, Signal Iduna und Vödag. Die vollständige Rangliste kann hier eingesehen werden.

Was eine sehr gute Kfz-Versicherung kostet

Top-Schutz gebe es häufig zu fairen Preisen, allerdings nicht immer für Bestandskunden. „Versicherer sollten mit ihren derzeitigen Gewinnen den Preiswettbewerb nicht wieder befeuern, sondern solide kalkulierte Prämien im Bestand ebenso wie im Neugeschäft bieten“, sagt Franke.  

Grundsätzlich sei der teuerste Tarif nicht immer auch der beste. So zahlt eine Musterfamilie laut der Autoren für einen top bewerten Tarif mit einem privat genutzten „VW Golf VIII Variant“ bei 15.000 Kilometer Fahrleistung von 400 bis 1.136 Euro jährlich. In der im Rating quasi schlechtesten Kategorie („F+“) liegen die Beiträge zwischen 367 und 950 Euro. 

Der November ist traditionell der Monat der Autoversicherung. Einen Leistungstest beziehungsweise ein Rating genau jetzt zu veröffentlichen, ist konsequent und richtig.
Aber erfüllt es seinen Zweck, wenn knapp ein Viertel aller Tarife mit der Bestnote bewertet werden?

Ein Rating sollte bestenfalls drei Punkte erfüllen: die Leistungspunkte einordnen, die Transparenz herstellen und Orientierung bieten. Verbraucher und Vermittler sollten bei der Auswahl des passenden Schutzes unterstützt werden. Dann ist es auch in Ordnung, wenn wie hier der Preis keine Rolle in der Bewertung spielt, obwohl Kunden in kaum einer anderen Sparte so preissensitiv sind.

Wenn aber die Bewertungen nicht vergleichbar sind, schlägt die vermeintliche Orientierung ins Gegenteil um. So bekommen einige Versicherer die Bestnote „FFF+“ gleich für mehrere Tarife, beispielsweise Dialog, Verti und Württembergische jeweils für ihren Premium-Tarif, sowohl mit als auch ohne Kasko-Plus-Variante. Das bedeutet, dass die darin enthaltenen nicht unerheblichen Zusatzleistungen offenbar keinen Einfluss auf die Bewertung hatten.

Ein starkes Tool, oder nur starkes Marketing? 

Unterschiedliche Tarife eines Anbieters dürfen bei erkennbaren Leistungsunterschieden niemals die gleiche Endnote erhalten. Die Krönung des Ganzen: die ADAC-Autoversicherung erhält für unterschiedliche Tarife gleich achtmal die Bestnote. Es wirkt, als wäre das Rating bewusst nach oben hin geglättet worden, um möglichst viele Top-Bewertungen zu erzeugen.

Durch die Schwemme an zu guten Noten und die fehlende Differenzierung relevanter Leistungsunterschiede bleibt das Rating am Ende ein nur bedingt nutzbares, reines Marketinginstrument. Eine gute Intention, mit deutlich zu wenig Trennschärfe.