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Rating von Franke und Bornberg
Krankenzusatzversicherungen: Nur ein Fünftel der Tarife überzeugt restlos
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Rating von Franke und Bornberg Krankenzusatzversicherungen: Nur ein Fünftel der Tarife überzeugt restlos

Arzt und Krankenschwester in Gespräch
Leistungen, wie die sogenannte Chefarztbehandlung, gehören zu den wichtigsten Merkmalen von stationären Tarifen in Krankenhauszusatzversicherungen. | Foto: Imnago images / Westend61

Die Ratingagentur Franke und Bornberg (F&B) hat auch dieses Jahr das Angebot an Krankenzusatzversicherungen untersucht. Das Angebot ist riesig: 660 Tarife von 40 Versicherern haben die Analysten bewertet.

Krankenversicherung nach dem Baukastenprinzip

Die Krankenzusatzversicherung ist ein wichtiges Geschäftsfeld der Privaten Krankenversicherung (PKV), mit einem Umsatz von zuletzt rund zehn Milliarden Euro. Es bietet Versicherungsschutz mit verschiedenen Schwerpunkten nach dem Baukastenprinzip, wie F&B. erklärt. Besonders gefragt seien dabei aufgrund der hohen Eigenbeteiligungen die Zahnzusatzversicherungen. An Bedeutung gewinnen würden im Zuge der Diskussion über die Behandlungsqualität und den Mangel an Ärzten und Pflegepersonal auch Zusatzversicherungen fürs Krankenhaus.

Unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit gewinnen laut der Studienautoren wiederum ambulante Zusatzversicherungen an Bedeutung. Hier liege der Fokus einerseits auf Vorsorgeuntersuchungen, die helfen können, Krankheiten frühzeitig zu erkennen. Andererseits sicherten sie einen gleichberechtigten Zugang zu alternativer Medizin, indem sie die Kosten für Heilpraktikerbehandlungen und Naturheilverfahren durch Ärzte abdecken.

F&B-Chef sieht betriebliche Krankenversicherung im Aufwind

Die Entwicklung der vergangenen Jahre bewertet Michael Franke, Gesellschafter-Geschäftsführer von Franke und Bornberg, so: „Der wichtigste Leistungsbereich für die Kunden ist die zahnärztliche Versorgung. Hier zeigen sich die Versicherer am innovativsten, was die Produktentwicklung angeht. Leitungszusagen wurden auf breiter Front erhöht, ohne Angebot einer 90- oder sogar 100-prozentigen Absicherung für Zahnersatz ist man als Produktgeber längst nicht mehr wettbewerbsfähig.“ Daneben sieht Franke die betriebliche Krankenversicherung nach langer Anlaufphase im Aufwind – Budgettarife mit einem einfachen Leistungsversprechen für Arbeitgeber und Mitarbeiter hätten hier den Durchbruch gebracht.

Die Untersuchungsmethodik

Angesichts der vielfältigen Kombinationsmöglichkeiten hat sich F&B entschieden, sein Produktrating in sechs Teilratings für die einzelnen Absicherungsbereiche zu unterteilen. Für jedes Teilrating gelten eigene Leistungskriterien. Verglichen wurden jeweils 367 Lösungen in den Segmenten Zahnersatz und Zahnbehandlung, 123 Angebote für den stationären Krankenhausaufenthalt sowie jeweils 170 Offerten in den Bereichen Sehhilfen, Naturheilverfahren und Vorsorge.

Als Quellen für das Rating werden nach F&B-Angaben ausschließlich die Versicherungsbedingungen sowie gegebenenfalls verbindliche Verbraucherinformationen, Antragsformulare, Versicherungsscheine, Geschäftsberichte und per Stichprobe verifizierte Daten genutzt. Die Testkandidaten wurden zunächst dahingehend überprüft, in welchen Ausprägungen beziehungsweise Varianten welche Detailleistungen und Einzelregelungen angeboten werden. Die Qualität der jeweiligen Regelungen wurde in einem nächsten Schritt auf einer Skala von null für die schlechteste Ausprägung bis 100 für die beste Ausprägung eingeordnet. Danach wurden die einzelnen Leistungskriterien entsprechend ihrer Wichtigkeit aus Kundensicht gewichtet.

 

Die Ratingsystematik wurde dabei gegenüber den Vorjahren nicht verändert. Um die Gesamtqualität der Tarife zu messen, greift das Analysehaus auf sein siebenstufiges Bewertungsschema von FFF+ („hervorragend“) bis F- („ungenügend“) zurück. Für die Bestnote muss ein Tarif allerdings weiterhin nur mindestens 85 Prozent der maximal möglichen Punkte erreichen. Unabhängig von der erreichten Gesamtpunktzahl wird ein Produkt stets dann eine Ratingklasse niedriger eingestuft, wenn der Mindeststandard der jeweils höheren Klasse nicht erreicht wird, so die Analysten.

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Franke und Bornberg nutzt Simulationsmodell

Als Besonderheit in Krankenzusatz wird hervorgehoben, dass der Erstattungsanspruch des Versicherten häufig als prozentualer Anteil vom Rechnungsbetrag festgelegt und zusätzlich durch jährliche Höchstbeträge begrenzt sei. Marktweit gebe es dabei verschiedenste Konstellationen aus Erstattungssätzen und Höchstbeträgen. Um das Leistungsversprechen möglichst unabhängig von speziellen Rechnungsbeträgen bewerten zu können, nutzt F&B für das Rating daher nach eigenen Angaben in der Regel ein Simulationsmodell. Es ermittelt je Detailkriterium die Erstattung für verschiedene Rechnungsbeträge und bildet daraus einen Durchschnitt.

Weitere Informationen zu den Bewertungsgrundlagen gibt es hier.

SDK holt in allen Absicherungsbereichen die Top-Note

Von den insgesamt 40 untersuchten Gesellschaften haben 36 in mindestens einer Kategorie die höchste Bewertung FFF+ erhalten. Allrounder und damit Spitzenreiter ist wie im vergangenen Jahr die Süddeutsche Krankenversicherung (SDK). Sie bietet in jeder Kategorie mindestens einen Tarif mit der Höchstnote „hervorragend“ (FFF+). Sie ist damit aber auch der einzige Produktgeber, dem dies gelingt, obwohl laut der Analysten fast alle Anbieter auch alle Marktsegmente abdecken. Für fünf Top-Auszeichnungen reichte es bei dem PKV-Spezialisten Barmenia und dem Münchener Verein.

Das Gesamturteil fällt differenziert aus. Aktuell bewegen sich die Tarife laut F&B auf einem soliden Niveau. Im Durchschnitt über alle Bereiche erzielt nur knapp jeder fünfte Vertrag die höchste Bewertung. Weitere 15 Prozent erzielen ein „Sehr gut“. Das Mittelfeld ist mit 27 Prozent guten Bewertungen breit vertreten.

Empfehlung: Gezielt Höchstleistung absichern anstatt alle Bereiche

Ein Grund ist aus Sicht der Ratingagentur, dass es einerseits sehr teuer und andererseits auch nur bei den wenigsten Anbietern möglich ist, alle Leistungsbereiche auf Top-Niveau abzudecken. Christian Monke, Leiter Ratings Gesundheit und Private Risiken bei F&B empfiehlt Kunden, besser ein oder zwei Schwerpunkte zu setzen: „Durchgängig eine mittelmäßige Qualität abzusichern, macht in meinen Augen wenig Sinn, weil dann im Einzelfall immer noch große Lücken und hohe Eigenbeteiligungen verbleiben können. Lieber gezielt Hochleistung versichern, zum Beispiel in den wichtigen Bereichen Krankenhaus und Zahnersatz.“ 

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