Von Franke und Bornberg (F&B) gibt es auch in diesem Jahr ein Rating zur privaten Haftpflichtversicherung. Dafür haben die Analysten der Ratingagentur insgesamt 316 Tarife und Tarifvarianten für Singles und Familien von 96 Haftpflichtversicherern untersucht und bewertet. Im Vergleich zum Vorjahr sind leichte Verbesserungen zu erkennen.

Privater Haftpflichtschutz leistet in immer mehr Fällen 

Die private Haftpflichtversicherung bietet laut Franke und Bornberg inzwischen Versicherungsschutz für die unterschiedlichsten Lebensbereiche und -phasen. Allerdings sei darauf zu achten, dass die meisten Versicherer auf ein mehrstufiges Tarifsystem setzen. Leistungen, die über das Pflichtprogramm des preisgünstigen Basisschutzes hinausgehen, böten die Topvarianten. Darin sind dann beispielsweise auch Schäden durch Gefälligkeitsleistungen und deliktunfähige Kinder sowie Haftpflichtansprüche aus Betreuung und Pflege abgedeckt.

Auch wenn Top-Tarife einen breiten Haftpflichtschutz bieten, sind nicht alle Leistungen für jeden Versicherten relevant. So benötigt beispielsweise nicht jeder Versicherungsnehmer Haftpflichtschutz im Ehrenamt, als Tageseltern und Babysitter oder als Immobilienbesitzer. Hier sei es laut F&B an den Vermittlern, spezielle Bedarfe zu prüfen. Geschäftsführer Michael Franke mahnt: „Vermittler sollten immer prüfen, ob dieser Bedarf in angemessener Qualität abgedeckt wird. Trotz der hohen Marktdurchdringung ist Versicherungsschutz von der Stange bei der PHV selten eine gute Idee.“

 

So funktioniert die Methodik 

Methodisch gibt es bei der Ratingagentur ein bewährtes System: Die getesteten Tarife werden zunächst auf ihr Leistungsangebot hin überprüft. In einem zweiten Schritt wird die Qualität der jeweiligen Detailleistungen und Einzelregelungen auf einer Skala von null bis 100 (von der schlechtesten zur besten Ausprägung) eingeordnet. Anschließend werden die einzelnen Leistungskriterien entsprechend ihrer Bedeutung aus Kundensicht gewichtet.

Als Quellen für das Rating nutzt Franke und Bornberg nach eigenen Angaben ausschließlich die Versicherungsbedingungen sowie gegebenenfalls verbindliche Verbraucherinformationen, Antragsformulare, den Versicherungsschein und Geschäftsberichte. 

Um die Gesamtqualität der Tarife zu messen, greift das Analysehaus auf sein siebenstufiges Bewertungsschema von„ FFF+ “ (hervorragend) bis „F-“ (ungenügend) zurück. Für die Bestnote muss ein Tarif mindestens 85 Prozent der maximal möglichen Punkte erreichen. Unabhängig von der erreichten Gesamtpunktzahl wird ein Produkt immer eine Ratingklasse niedriger eingestuft, wenn der Mindeststandard der jeweils höheren Klasse nicht erreicht wird, so die Analysten. Weitere Informationen zur Methodik der Untersuchung sind in den Bewertungsgrundlagen nachzulesen.

Die Ergebnisse des Ratings 

Schlechte Leistungen sehen die Analysten hauptsächlich in veralteten Tarifgenerationen. Seit dem ersten Rating im Jahr 2015 „haben die Versicherer ihre Tarifwerke spürbar modernisiert“, teilt der Geschäftsführer mit. 2024 erhalten 52 von 308 Single-Tarifen (17 Prozent) die Höchstnote „hervorragend“ (FFF+). Im Vergleich zum Vorjahresranking entspricht das einer Anteilssteigerung von 3 Prozentpunkten. Das gesamte Rating der Single-Tarife finden Sie hier.  

Bewertungen der Privathaftpflichttarife für Singles 2023 und 2024
Bewertungen der Privathaftpflichttarife für Singles 2023 und 2024 im Vergleich © Franke und Bornberg

Von 316 Tarifen für Familien qualifizieren sich im diesjährigen Rating 45 (14 Prozent) für ein FFF+. Auch hier gibt es eine geringfügige Steigerung von 2 Prozentpunkten. (Hier das gesamte Rating der Familien-Tarife.) Obwohl im Ergebnis nur 16 Prozent aller Tarife mit der Bestnote ausgezeichnet wurden, spricht Franke und Bornberg somit von einem positiven Trend. Es sei aber noch Luft nach oben. Immerhin: Jeder siebte Tarif ist nur ausreichend oder schlechter.

Bewertungen der Privathaftpflichttarife für Familien 2023 und 2024
Im Vergleich zu 2023 konnten fünf PHV-Tarife für Familien mehr die Bestnote FFF+ erreichen. © Franke und Bornberg

Das Preisniveau bleibt im Vergleich zum Vorjahr konstant. Top-Tarife für Familien gibt es für 70 bis 150 Euro pro Jahr. Die Preise für Single-Tarife reichen von 50 bis 120 Euro jährlich. 

Best-Leistungsgarantie hält nicht, was sie verspricht

Ein Kritikpunkt der Analysten ist die Best-Leistungsgarantie. Was nach einem automatischen Anspruch auf Leistungen aus dem besten Tarif am Markt klingt, sei in der Praxis gar nicht so leicht, erklärt Christian Monke, Leiter Ratings Gesundheit und Private Risiken. Im Schadenfall müsse der Versicherte erst einmal wissen, dass es einen besseren Tarif gebe und dies nachweisen. 

Zudem formulierten manche Versicherer Ausnahmen von der Regel, zum Beispiel bei Auslandsschäden, Cyber-Schäden sowie bei Schäden, die über die gesetzliche Haftung hinausgehen. Oft erlösche die Garantie auch, falls der Versicherer die fragliche Leistung in einem anderen Tarif oder Zusatzbaustein selbst anbiete. Die Ratingagentur behält diese Garantie daher auch künftig im Auge.  

F&B sieht Fortschritte bei der Nachhaltigkeit

Eine weitere Beobachtung der Analysten aus dem Rating:  Das Thema Nachhaltigkeit gewinnt an Bedeutung. In der PHV betrifft das vor allem den nachhaltigen Schadenersatz. Versicherer übernehmen häufiger Mehrkosten für eine nachhaltige Beschaffung oder Reparatur. Auch würden die PHV-Tarife durch eine schlanke Schadenregulierung und effizientere Prozesse nachhaltiger, so Franke und Bornberg.