Mit dem „Altersvorsorge-Rating 2025“ hat das Analysehaus Franke und Bornberg (F&B) 267 Privatrenten-Tarife gegen laufenden Beitrag aus der dritten Schicht der kapitalgedeckten Altersversorgung unter die Lupe genommen.

Jenseits der eigenen Ratingergebnisse sehen die Analysten den Markt durchaus kritisch. Michael Franke, Geschäftsführer von Franke und Bornberg, sieht die kapitalgedeckte Vorsorge auf dem Rückzug. Der Bedarf bei Rentenversicherungen liege weit über den aktuell mehr als zwei Millionen Neuabschlüssen.

Die Altersvorsorge-Regulierung sei übersteuert: „Strenge Kapitalanforderungen und ein enges Anlagekorsett haben echte Garantien faktisch ausgetrocknet, während Informations- und Governancepflichten Komplexität und Kosten erhöhen – ohne den Kundennutzen im gleichen Maß zu steigern“, schreiben die Autoren. Im Ergebnis biete der Markt heute „Garantie-light“-Produkte mit mehr Risiko bei Kunden und weniger Rendite als möglich wäre.

Nötige Flexibilität nur bei Fonds- und Hybridtarifen 

Fonds- und Hybridtarife böten derzeit die größte Flexibilität und vielfach die kundenfreundlichsten Lösungen. Gleichzeitig eröffneten sie in der Regel höhere Renditechancen. Klassiktarife hingegen gerieten zunehmend ins Abseits. Der gestiegene Höchstrechnungszins habe dem Geschäft bislang kaum neuen Schwung verliehen. Hoffnung mache die lang erwartete Reform der Riester-Rente, die derzeit nur zehn Versicherer bedienten, solange sie zu schlankeren Tarife, mehr Transparenz und weniger obligatorischen Garantien führe.

So funktioniert die Methodik

Als Quellen für das Rating werden ausschließlich die Versicherungsbedingungen sowie gegebenenfalls verbindliche Verbraucherinformationen, Antragsformulare, Versicherungsscheine, Geschäftsberichte und per Stichprobe verifizierte Daten genutzt. 

Bewertet werden Flexibilität, Transparenz sowie das Produktkonzept der Tarife nach rund fünf Dutzend Kriterien. Die Produkte werden in einem Benchmark-Verfahren zunächst dahingehend überprüft, in welcher Ausprägung oder Qualität welche Detailleistungen und Einzelregelungen angeboten werden. Die Qualität der jeweiligen Regelungen wird in einem nächsten Schritt auf einer Skala von null (für die schlechteste) bis 100 (für die beste Ausprägung) eingeordnet. Danach werden die einzelnen Leistungskriterien entsprechend ihrer Wichtigkeit aus Kundensicht gewichtet, so die Analysten.

Um die Gesamtqualität der Tarife zu messen, greift F&B auf ein siebenstufiges Bewertungsschema von „FFF+“ (hervorragend) über „FFF“ (sehr gut), „FF+“ (gut), „FF“ (befriedigend), „F+“ (ausreichend) und „F“ (mangelhaft) bis „F-“ (ungenügend) zurück. Die Klassen sind laut der Autoren so bemessen, dass geringfügige, für die Praxis unerhebliche Punktunterschiede nicht zur Einstufung in eine andere Klasse führen. Innerhalb der Ratingklassen sorgten zusätzliche Schulnoten für weitere Differenzierung.

Anbieterfreundliche Benotung 

Aufgrund der zur bekannten Noten-Skala hinzugefügten „Hervorragend“-Bewertung muss das verwendete Schema allerdings auch als anbieterfreundlich bezeichnet werden. Gleiches gilt für den Umstand, dass bereits 85 Prozent der maximal möglichen 7.200 Punkte für die Höchstnote ausreichen. Das ist offensichtlich dem Geschäftsmodell von F&B geschuldet. Ausgezeichnete Unternehmen können kostenpflichtige Siegel zu Vertriebs- und Marketingzwecken erwerben. 

Das ist neu beim AV-Rating 2025

Im diesjährigen Altersvorsorge-Rating wird laut der Autoren das Kriterium Flexibilität noch stärker gewichtet und der Rentenbezug detaillierter geprüft. Neu sind unter anderem Prüfungspunkte zur Anpassung der garantierten Rechnungsgrundlagen bei einem fondsgebundenen Rentenbezug sowie Voraussetzungen für den Wechsel in eine temporäre Rente. Standardlösungen bei Zahlungsschwierigkeiten streicht Franke und Bornberg aus dem Kriterienkatalog, da sie sich zwischen den Anbietern kaum noch unterscheiden würden.

Zudem werden die Kategorien „Klassik“ und „Neue Klassik“ in der einheitlichen Kategorie „Klassische Rentenversicherung“ zusammengeführt.

Mehr Gewicht für Nachhaltigkeit

Bislang hat das AV-Rating unter dem Aspekt Nachhaltigkeit nur die Kapitalanlagen bewertet. Jetzt prüft F&B erstmals, wie nachhaltig Versicherer ihren Geschäftsbetrieb und die Produkte ausrichten. Philipp Wedekind, Leiter Ratings Vorsorge und Nachhaltigkeit, sagt; „Wer nur auf die Klassifizierung des Sicherungsvermögens und nachhaltige Fonds schaut, entdeckt kaum Unterschiede zwischen den Gesellschaften.“

Den neuen Maßstab soll der Nachhaltigkeits-Score von F&B liefern. Dieser betrachtet sechs Fokusthemen und stützt sich auf dokumentierte Daten, etwa aus der offiziellen Nachhaltigkeitsberichterstattung, so die Autoren. Das Ergebnis fließt in die Gesamtwertung ein. Die Bewertungsgrundlagen stellt Franke und Bornberg hier zur Verfügung.

Die Rating-Ergebnisse

Untersucht werden die Kategorien Klassische Rentenversicherung, Index, Beitragsorientierte Hybride, Garantieorientierte Hybride und Fonds. Fondsrenten bilden dabei mit Abstand die stärkste Gruppe mit 115 Offerten, gefolgt von garantieorientierten hybriden Rentenversicherung (58). 

Bei der Qualität führen Index- und Fondsrenten; klassische Tarife liegen meist dahinter.  So landen über 83 Prozent aller Index- und 82 Prozent aller Fondspolicen in den ersten beiden Wertungskategorien. Bei garantieorientierten Hybridprodukten sind es auch noch über 79 Prozent, bei beitragsorientierten Hybriden über 60 Prozent. Auffällig ist das insgesamt sehr gute Ergebnisniveau. Fast drei Viertel der Tarife sind „hervorragend“ oder „sehr gut“. Die unteren Klassen sind dagegen praktisch unbesetzt. Nur die Itzehoer kassiert für ihren Klassik-Tarif als einziger Anbieter ein „Mangelhaft“.

Allianz und Ergo am besten vertreten

Insgesamt vergeben die Analysten in der dritten Schicht an 16 Produktgeber die Höchstnote. Keiner davon ist allerdings in allen fünf Rubriken „hervorragend“. Jeweils viermal schaffen dies die Allianz (nicht beitragsorientiertes Hybrid) sowie die Ergo Vorsorge (nicht Klassik). In zwei Kategorien mindestens einen „FFF+“-Tarif können Continentale, Europa, 1871 und Neue Leben vorweisen. Zehn weitere Gesellschaften bekommen von den Analysten in einer Kategorie die Top-Note.

Die Ergebnisse der Gesamtuntersuchung für 922 Tarife und Tarifkombinationen aus allen drei Schichten, können hier abgerufen werden. Mit 552 Tarifkombinationen ist das Angebot in der dritten Schicht am größten. Tarife gegen Einmalbeitrag werden dabei gesondert ausgewiesen. Die Ergebnisse bei den Angeboten gegen Einmalbeitrag sind in weiten Teilen mit denen gegen laufenden Beitrag identisch. Die Übersichten werden laut der Autoren laufend aktualisiert und um neue Produkte ergänzt.