Standard & Poors's Zentrale in New York City. Foto: Getty Images/AFP

Standard & Poors's Zentrale in New York City. Foto: Getty Images/AFP

Rating für Gewerbe-Hypotheken-Bonds

S&P droht Ausschluss

//
Der mögliche zeitweilige Ausschluss von Standard & Poor’s (S&P) bei Ratings für Gewerbe-Hypotheken-Bonds (CMBS) durch die U.S. Securities and Exchange Commission würde eine Praxis bedrohen, die den Aufsehern zufolge die Finanzkrise von 2008 mitangefacht hatte.

Die SEC untersucht, ob S&P im Jahr 2011 möglicherweise Rating-Kriterien aufgeweicht hatte, um sich Aufträge für Benotungen zu sichern. Das erfuhr Bloomberg News von einer Person, die mit den Vorgängen vertraut ist.

Es geht um die Praxis des so genannten Rating-Shoppings beim Schnüren von Wertpapieren, die mit allem Möglichen von Autokrediten bis hin zu Hypotheken besichert sind. Banken holen Bewertungen von verschiedenen Rating-Agenturen ein und wählen oft jene aus, die die besten Noten versprechen.

„Selbst wenn S&P nur zeitweise ein Teil des Geschäfts weggenommen wird, würde dies ein deutliches Signal an den Rest des Marktes senden - und zwar, dass es die SEC mit ihrem Versuch ernst meint, das Thema des Rating-Shoppings anzugehen”, sagt Jeffrey Manns, ein Associate Professor für Rechtswissenschaften an der George Washington University.

Eine Suspendierung von den Ratings für S&P wäre die strengste Bestrafung, die die SEC jemals gegen eine der drei großen Ratingagenturen verhängt hat. Ihnen wird eine Mitschuld an der Kreditkrise gegeben, weil sie zu gute Noten für Papiere vergeben hätten, die später in die Schieflage geraten seien.

Der S&P-Mutterkonzern McGraw Hill Financial hatte im Juli bekanntgegeben, dass die SEC Maßnahmen im Zusammenhang mit CMBS-Deals anstrengt, die die Agentur 2011 bewertet hatte. Sprecher von McGraw Hill und SEC wollten auf Nachfrage von Bloomberg News keinen Kommentar zu den jüngsten Informationen abgeben.

Die in der Kritik stehende Transaktion war von Anfang an umstritten. S&P hatte für eine Teil-Tranche die Top-Note „AAA” vergeben. Der Deal bot Investoren aber weniger Absicherung gegen mögliche Verluste, als S&P dies zuvor bei ähnlichen Transaktionen erlaubt hatte.

Das befeuerte Sorgen, S&P sei gegenüber den Emittenten nachgiebig, um Geschäfte zu gewinnen. Später zog die Ratingagentur die zuvor vergebene Note wieder zurück und begründete dies mit einer Diskrepanz in ihren Bewertungsmodellen.

Seit dem Vorfall hat S&P vor allem für Transaktionen, bei denen es nur einen Kreditnehmer gibt, Ratings vergeben. Das Modell von S&P erlaubt eine optimistischere Beurteilung des künftigen Wertes eines Hauses als etwa das von Moody’s Investors Service, berichten CMBS-Bänker. Damit können Banken geringere Sicherheitspuffer für Investoren vorsehen und ihre Gewinne steigern.

Ohne S&P, das 2014 etwa 75 Prozent aller Einzel-Kreditnehmer-Deals bewertete, könnten die Emissionen solcher Papiere im kommenden Jahr schrumpfen, weil Moody’s und Fitch Ratings strengere Kredit-Kriterien anlegen. Das geht aus einem Bericht von Nomura Holdings hervor, der am 9. Dezember veröffentlicht wurde.

Auch Credit Suisse Group äußert sich vorsichtig. S&P sei ein derart integraler Bestandteil bei dieser Art von CMBS-Deals, dass die Finanzierungskosten für Emittenten ohne die Ratingagentur „signifikant” steigen würden.

Der Schweizer Bank zufolge hat das Rating-Shopping 2014 im Finanzsystem zugenommen. Die Kriterien bei der Kreditvergabe würden weiter gelockert, was das Ausfallrisiko für Investoren letztlich erhöhe und Angebote sicherer aussehen lasse, als sie es tatsächlich seien.

Während der Blase am Häusermarkt, die 2006 zu platzen begann, hatte das Rating-Shopping eine Abwärtsspirale unter den beteiligten Ratingagenturen in Gang gesetzt, die einen Verlust von Marktanteilen verhindern wollten. Das geht aus einem Bericht des US-Senats aus dem Jahr 2011 hervor.

Mehr zum Thema
S&P 500Kursgewinne erreichen Rekordhoch Grafik des TagesWas hat die Zeit nur mit S&P-500-Riesen gemacht Düstere Vorahnung eines StrategenS&P 500 steigt auf 2.250 Punkte, dann platzt die Blase