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M&M-Analyse Qualitätseinbruch bei Pflegetagegeldpolicen - Pflegerente hat ausgedient

Pflege in einem Seniorenheim
Pflege in einem Seniorenheim | Foto: Matthias Zomer / Pexels

Ratings bei Versicherungstarifen haben die Eigenschaft zumeist überdurchschnittlich gut beziehungsweise im Zeitverlauf kontinuierlich besser auszufallen. Die diesjährige Auflage des Analysehauses Morgen & Morgen für die Ratings Pflegetagegeld und Pflegerente bietet so gesehen eine große Ausnahme. Während die Pflegetagegeld-Produkte einen Leistungseinbruch verzeichnen, herrscht bei der Pflegerente ein Stillstand, der den Fortbestand der Produktart massiv in Frage stellt.

Doch der Reihe nach: Wie immer hat Morgen & Morgen in einem „Marktblick“ die Rahmenbedingungen analysiert, hier also im Bereich der Pflegeversicherung. Die Experten stellen fest, dass trotz der jüngsten Verbesserungen im Pflegeunterstützungs- und -entlastungsgesetz (PUEG) die Notwendigkeit einer privaten Vorsorge „größer denn je“ sei. Begründet sei dies, neben der allgemeinen Inflation, auch in den Preissteigerungen von Pflegeheimen oder einer ambulanten Pflege.

Pflegetagegeld gewinnt immer mehr an Bedeutung

Dabei zeigt sich laut der Ratingagentur ein breit gestreuter Markt, der sich jedoch zunehmend in Richtung des Pflegetagegelds wendet. Das zeige sich auch in der Beratung. „Die Pflegerente ist nun endgültig ins Hintertreffen geraten und wird von der Pflegetagegeldversicherung abgelöst. Wir erwarten, dass sich dieser Trend in den kommenden Jahren fortsetzen wird. Zumal uns im Pflegetagegeld weiterhin neue Tarife erwarten“, sagt Thorsten Bohrmann, Senior Versicherungsanalyst bei Morgen & Morgen. Diese Diskrepanz liege insbesondere an den im Verhältnis deutlich teureren Beiträgen der Pflegerente bei ähnlichem Leistungsumfang.

 

Schon jetzt macht die Pflegerente im Vergleich nur noch einen Bruchteil unter den privaten Krankenzusatzversicherungen aus. Dagegen wächst das Interesse am Pflegetagegeld. Interne Daten zeigten, dass sie 2022 etwa doppelt so häufig angefragt wurde wie im Vorjahr. Im Feld der privaten Krankenzusatzversicherungen ist das Pflegetagegeld damit nach der Zahnzusatz- und Krankenhauszusatzversicherung die dritthäufigste angefragte Absicherung gewesen, so Morgen & Morgen.

Rating Pflegetagegeld zeigt deutliche Qualitätseinbußen bei Tarifen

Das „M&M Rating Pflegetagegeld“ beinhaltet die Bedingungsanalyse auf Basis der einzelnen Tarife bzw. Tarifkombinationen. Bewertet wird die Tarifkombination anhand von 37 Leistungsfragen. Die angesetzten Mindestkriterien sollen unter anderem sicherstellen, dass die top bewerteten Tarife bei Vorliegen eines Pflegegrades leisten, die Beiträge bei Eintritt eines Pflegegrades freistellen, dass bei einer verspäteten Meldung rückwirkend geleistet wird, der Versicherungsschutz bei Umzug ins Ausland weiterbesteht und dass die Versicherung weiterbestehen kann, auch die Mitgliedschaft in der Privaten oder Sozialen Pflegeversicherung endet. Die verschiedenen Merkmale und deren Gewichtung sind in der Ratingdokumentation aufgeführt.

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Die Ergebnisse lassen aufhorchen. Auch wenn von 229 analysierten Tarifen noch 113 Top-Bewertungen von vier und fünf Sternen erhielten, ist ein deutlicher Abwärtstrend in der Sterneverteilung zum Vorjahr festzustellen. Dort gab es noch 138 Offerten in den beiden Spitzenkategorien. Noch drastischer ist die Veränderung bei den schwachen Tarifen mit zwei Sternen. Ihre Anzahl stieg von 41 auf 71. Grund laut der Analysten ist keine Verschärfung der Ratingfragen, sondern vielmehr die teilweise deutlichen Einschränkungen der Leistungsbedingungen zum Nachteil der Versicherungsnehmer.

Bohrmann relativiert die Ergebnisse: „Trotz Leistungsabfalls bei verschiedenen Tarifkombinationen schneiden noch immer fast die Hälfte der analysierten Pflegetagegeldversicherungen mit vier oder fünf Sternen ab. Damit erweist der Markt sich immer noch als leistungsstark. Trotz einer deutlichen Zunahme der Zwei-Sterne-Tarife haben Versicherungsnehmer weiterhin eine gute Auswahl.“

Stillstand in der Pflegerente auf hohem Niveau kein gutes Zeichen

In der Untersuchung zum „M&M Rating Pflegerente“ wurden Sachverhalte und Produkteigenschaften, die als wesentlich für die Bedingungsqualität eines Produkts anzusehen sind, anhand von 32 ratingrelevanten Leistungsfragen beurteilt. Dabei stehe die Kundenfreundlichkeit klar im Fokus, ebenso die Eindeutigkeit der Aussagen im Bedingungswerk. Auch wandte Morgen & Morden für die Einstufung der Produkte Mindestkriterien an.

Dass das Leistungsniveau hoch bleibt, ist nur auf den ersten Blick eine positive Nachricht, da laut der Analysten in der Pflegerente Stillstand herrscht. Es wurden in dem Untersuchungszeitraum keine neuen Tarife und auch keine ratingrelevanten Tarifveränderungen beobachtet. Tatsächlich änderte sich das Ratingsergebnis im Vorjahresvergleich überhaupt nicht. Es bleibt bei den sehr guten Ergebnissen: Von den 107 analysierten Tarifen sind 91 Tarife mit vier und fünf Sternen bewertet. Schlechter als drei Sterne schnitt kein Tarif in der Analyse ab. Das Fazit ist aus Sicht von Morgen & Morgen dennoch ausgesprochen negativ: „Die Pflegerente hat ausgedient. Der Angebotsmarkt kommt hier erstmals zum Erliegen“, beschreibt Thorsten Bohrmann die Lage.

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