Rating von Lebens- und Rentenversicherungen Wie stabil ist die Vorsorge der Deutschen?

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Eine Trendwende in Sicht?

Doch am Horizont könnte sich ein Silberstreif auftun, der die verzwickte Lage entspannt. Die USA haben im Dezember 2016 ihren Leitzins leicht angehoben, die amerikanische Notenbankchefin Janet Yellen hat jetzt weitere Erhöhungen signalisiert. Die Deutsche Bank geht davon aus, dass die Renditen für Staatsanleihen aus der Eurozone leicht anziehen.

Der Chefanlagestratege der Deutschen Asset Management Stefan Kreuzkamp sagt: „Die Renditen dürften hier steigen, wenn auch nicht steil. Die Europäische Zentralbank kauft ja weiterhin massiv Anleihen.“ Gleichzeitig steigen die Verbraucherpreise, zuletzt lag die Inflationsquote bei 1,9 Prozent. Kreuzkamp: „Wir rechnen 2017 mit einem Anstieg der Inflation.“

Mehr Risiko wagen?

Die Lebensversicherer bleiben vorsichtig. Noch immer legen sie über 90 Prozent ihrer Gelder in festverzinslichen Anlagen an

Noch aber sind die Zinsen niedrig, und der erste Solvency-II-Stresstest der Europäischen Aufsicht (Eiopa) gibt keinen Grund zur Entwarnung. Für die im Dezember 2016 veröffentlichten Ergebnisse wurden zwei Szenarien von Extremsituationen durchgespielt: Zum einen eine lange anhaltende Niedrigzinsphase, zum anderen den Doppelpack von Niedrigzins plus Preisverfall bei Aktien, Währungen und Immobilien. „Das derzeit herausfordernde wirtschaftliche Umfeld muss sich in einem solchen Stresstest wiederfinden“, so Eiopa-Chef Gabriel Bernardino. Nur auf diese Weise lasse sich zeigen, wo die Branche am verwundbarsten ist.

Kritisch unter Stress

Im Einzelnen zeigen die Ergebnisse der getesteten 236 Versicherer aus insgesamt 30 europäischen Ländern, dass die überwiegende Mehrheit der Versicherer solide dasteht. Das sogenannte Solvency Capital Requirement (SCR), also das Kapital, das die Versicherer in der Kasse haben müssen, um ihren Verpflichtungen für ein Jahr nachkommen zu können, liegt im Schnitt sogar bei 196 Prozent, berechneten die Experten. Es ist fast doppelt so hoch wie verlangt. 70 Prozent der untersuchten Versicherer schafften eine Quote von 160 Prozent, nur zwei Unternehmen liegen unter den verlangten 100 Prozent.

Anders sieht es aus, werden die beiden Szenarien durchgespielt: Beim Niedrigzins-Szenario schrumpft der Wert der Anlagen im Vergleich zu den Verpflichtungen um 100 Milliarden Euro. 16 Prozent der getesteten Versicherer würden sogar mehr als ein Drittel ihrer Kundengelder verlieren.

Noch schlimmer wirkt sich der Doppelschlag aus: 40 Prozent der getesteten Versicherer verlören ein Drittel ihrer Anlagen in Relation zu ihren Verpflichtungen. Düstere Aussichten. Die BaFin räumte zwar Übergangszeiten ein, damit die Versicherer sich besser auf die Stresstests einrichten können. Doch ab Mai dieses Jahres sind die Unternehmen erstmalig dazu verpflichtet, ihre Ergebnisse offenzulegen.

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