Oliver Zastrow (Gastautor)Lesedauer: 3 Minuten

Vermögensprofi beobachtet Raumfahrt entwickelt sich zum Megatrend

VSS Imagine, Raumschiff aus dem Haus Virgin Galactic
VSS Imagine, Raumschiff aus dem Haus Virgin Galactic: Das Interessse an Weltraum-Tourismus steigt. | Foto: imago images / Andia
Oliver Zastrow, Foto: Albrecht, Kitta & Co.

Diese Nachricht sollte Investoren aufhorchen lassen. Ende März hat Cathie Wood den ARK Space Exploration & Innovation ETF lanciert. Der Indexfonds investiert mindestens 80 Prozent seiner Mittel in Aktiengesellschaften, die sich bei der Erforschung des Weltalls und bei Innovationen engagieren. Das Portfolio umfasst normalerweise 40 bis 55 Titel. Wood, die die Investmentgesellschaft ARK Invest gegründet hat, gilt laut Medienberichten als „beste Investorin der Welt“.

Und noch eine weitere Nachricht ist aus Anlegersicht hochinteressant: Am 20 Juli will Jeff Bezos mit einer Raumkapsel seiner Firma Blue Origin in den Orbit abheben. Mit dem Flug des Amazon-Gründers gewinnt die private Raumfahrt an Tempo. Denn die drei Milliardäre Bezos, Elon Musk und Richard Branson wetteifern darum, als erste private Firma regelmäßig Touristen in den Orbit zu befördern. Allerdings gab es schon in den vergangenen Jahren verschiedene private Tripps zur Raumfahrstation ISS. Hierfür wurden allerdings die staatlichen Sojus-Kapseln genutzt.

Zwei Trends treiben im Wesentlichen das Geschäft mit der Raumfahrt: der private Weltall-Tourismus und Satelliten. Offenbar gibt es nicht nur die drei genannten Milliardäre, die ins Weltall streben, sondern Hunderte vermögende Menschen, die gerne einmal die Erde von oben betrachten möchten und dafür auch das nötige Kleingeld zur Verfügung haben. Bei Virgin Galactic, der Firma des britischen Multi-Unternehmers Richard Branson, können Kunden schon heute für angeblich 250.000 Dollar Flüge in die Schwerelosigkeit buchen. Obwohl Virgin Galactic bislang noch keinen Menschen ins Weltall geschossen hat, liegen offenbar bereits massenweise Reservierungen vor. Die UBS erwartet, dass der Weltraum-Tourismus schon in wenigen Jahren auf einen jährlichen Umsatz von drei Milliarden Dollar kommt.

 

Der zweite große Wachstumstreiber ist das Geschäft mit den Satelliten. Diese werden immer kleiner. Gleichzeitig haben sich die Kosten für den Transport ins Weltall dramatisch verbilligt. Das hängt unter anderem damit zusammen, dass die Raketen wie die von Space X sich mehrfach verwenden lassen. Gleichzeitig ist die Nutzlast immer weiter gestiegen. Dadurch ist es heute sehr viel preiswerter als noch vor wenigen Jahren, Satelliten-Netze zu installieren. Schon heute sorgen diese für einen großen Teil der Kommunikation auf der Erde.

Allein im vergangenen Jahr erfolgten rund 1.000 Starts, um Satelliten ins Weltall zu schießen, Tendenz stark steigend. Denn die Einsatzbereiche sind gewissermaßen unendlich. Navigation, Landwirtschaft, Flugzeuge oder das Internet – das sind nur einige Bereich, die heute ohne die Daten aus dem All nicht mehr auskämen. Immer mehr Länder und Unternehmen nutzen Satelliten. Wie viele von ihnen für ein die Welt umspannendes Netz benötigt werden, hängt von der Höhe ab. Je dichter sie um die Erde kreisen, desto mehr Satelliten braucht es, für ein lückenloses Netz.

Die Krux mit den Investments

Allerdings ist es nicht ganz trivial, in den Megatrend zu investieren. Von den Companies der Milliardäre Musk (Space X), Bezos (Blue Origin) und Branson (Virgin Galactic notiert nur die letztgenannte an der Börse. Und die Aktie ist ausgesprochen volatil. In den zurückliegenden zwei Jahren bewegte sie sich in einer Bandbreite von 6,90 bis 62,80 Euro.

Bei anderen börsennotierten Aktiengesellschaften, die in der Raumfahrt tätig sind, ist der Bereich nur einer von mehreren. Das gilt zum Beispiel für Boeing, Lockheed Martin oder Airbus. Andere Geschäftsaktivitäten spielen hier (noch) eine deutlich größere Rolle. Gleichzeitig gibt es eine Reihe aussichtsreicher Start-ups wie die deutsche Isar Aerospace, die innovative Raketen oder Satelliten entwickeln, die aber bislang nicht börsennotiert sind. Es bleibt also vor allem der Bereich zwischen den großen Luftfahrt-Konzernen und den Start-ups. In Deutschland zählen dazu OHB und Mynaric.

Um eine Idee dafür zu bekommen, welche mittelgroßen Unternehmen sich im Megatrend Raumfahrt tummeln, lohnt sich ein Blick in den neuen ETF von Star-Investorin Wood. Unter den Top-Ten-Holdings befinden sich bekannte Konzerne wie Lockheed Martin, aber auch hierzulande eher unbekannte Werte wie das amerikanische Hard- und Software- beziehungsweise Serviceunternehmen Trimble oder der Anbieter von Kommunikationsdiensten Iridium, der ebenfalls aus den USA kommt.


Über den Autor:
Oliver Zastrow arbeitet als Direktor beim unabhängigen Vermögensverwalter Albrecht, Kitta & Co. in Hamburg.

Mehr zum Thema