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Fünf-Jahres-Sieger bei dunkelgrünen Rentenfonds So setzen Anleger auf nachhaltige Anleihen

Ein Plakat an der New Yorker Börse wirbt für ein Elektromodell von Ford: Der Autobauer setzt auf Green Bonds
Ein Plakat an der New Yorker Börse wirbt für ein Elektromodell von Ford: Der Autobauer setzt auf Green Bonds. | Foto: imago images/Levine-Roberts

Milliarden für nachhaltige Projekte: Jüngst haben Ford und Intel über grüne Anleihen viel Geld eingesammelt. Der US-Autobauer will die 1,75 Milliarden US-Dollar in die Entwicklung und Herstellung von Elektroautos stecken. Der von Halbleiter-Gigant Intel erzielte Erlös in Höhe von 1,25 Milliarden Dollar soll in sechs Bereiche fließen, darunter Wasseraufbereitung und erneuerbare Energie.

Die beiden US-Firmen sind keine Einzelfälle: Weltweit lag das Emissionsvolumen grüner Unternehmensanleihen Daten von Bloomberg und LBBW Research zufolge Ende August 2022 umgerechnet bei etwa 167 Milliarden Euro – ein Plus von 10 Prozent zum Vorjahreszeitraum. „Trotz des Ukraine-Kriegs, konjunktureller Risiken und gestörter Lieferketten wächst das Segment weiter dynamisch“, sagt LBBW-Analystin Bettina Deuscher. Allein im August lag das Emissionsvolumen bei etwas mehr als 14 Milliarden Euro, nach knapp 15 Milliarden Euro im Vormonat.

 

Die Non-Profit-Organisation Initiative Climate Bonds hatte für den gesamten, auch Staatsanleihen umfassenden Markt im ersten Halbjahr noch einen Rückgang vermeldet. Demnach ging das Ausgabevolumen grüner, sozialer und nachhaltiger Anleihen – englisch: Green, Social, Sustainability, kurz GSS-Bonds – im Vergleich zum Vorjahr um 27 Prozent auf knapp 418 Milliarden US-Dollar zurück. Gründe seien neben dem russischen Einmarsch in der Ukraine die Inflation und die europäische Energiekrise. Zudem führten steigende Zinsen und stark schwankende Märkte zu Zurückhaltung bei Anleihe-Emittenten, heißt es zur Erklärung.

Gemessen am Volumen liegt China bei der Ausgabe von Green Bonds vorn. Deutschland landet – mit einigem Abstand – auf Rang zwei. Platz drei belegen supranationale Emittenten wie die EU und die Weltbank, dicht gefolgt von den USA. Aus Deutschland zählten in der ersten Jahreshälfte die Bundesrepublik selbst, das Land Nordrhein-Westfalen und der Wohnungskonzern Vonovia zu den größten Begebern grüner, sozialer und nachhaltiger Anleihen.

Grüne Anleihen sind kein Nischenprodukt mehr

„GSS-Anleihen in Deutschland und Europa entwickeln sich vom Nischenprodukt zu einer führenden Asset-Klasse und tragen zunehmend zur Finanzierung einer nachhaltigen Transformation der Wirtschaft bei“, sagt Robert Bischof, Partner bei der Strategieberatung Strategy& des Beratungshauses PwC, das kürzlich eine Studie zu nachhaltigen Anleihen veröffentlicht hat. Allein in Europa dürften die Emissionen von GSS-Bonds, unter die neben Green Bonds auch soziale Anleihen fallen, bis 2026 auf 1,4 bis 1,6 Billionen Euro zulegen, so die Prognose. Das wäre nahezu die Hälfte aller Anleihe-Emissionen in Europa. Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr lag ihr Anteil noch bei knapp 14 Prozent.

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„Insbesondere für Unternehmen, die sich gerade in ihrer ESG-Transformation befinden, kann die Emission von GSS-Anleihen zur Finanzierung ihrer Neuausrichtung beitragen“, so Bischof. Mehr als verdoppeln könnten sich den Erwartungen zufolge Anleiheemissionen aus dem öffentlichen Sektor. Treiber in Europa ist das Programm „Next Generation EU“. Bis 2026 will die EU-Kommission mit Öko-Schuldscheinen insgesamt 250 Milliarden Euro für die Finanzierung nachhaltiger Projekte einsammeln.

 

Eine Hürde sehen die etwa 200 von Strategy& befragten Investoren und Emittenten von ESG-Anleihen allerdings in fehlenden Standards für Mittelverwendung und Reporting. Das erhöhe das Risiko für Greenwashing. Verbindliche Vorgaben existieren bei grünen Anleihen nicht. Staaten und Unternehmen orientieren sich an den Green-Bond-Principles des Branchenverbands International Capital Market Association (ICMA). Demnach müssen die Mittel einen Beitrag für Umwelt und Klima leisten. Die Richtlinie sieht zudem vor, dass Emittenten ihr Vorhaben von einer unabhängigen Agentur auf Nachhaltigkeit prüfen lassen. Die Experten von PwC rechnen damit, dass Regulierungsprojekte wie die EU-Offenlegungsverordnung, die EU-Taxonomie und der geplante EU Green Bond Standard, ein europäisches Regelwerk für grüne Anleihen, den Wandel des Marktes weiter beschleunigen.

Schon jetzt übersteige die Nachfrage das Angebot, heißt es von LBBW Research. Viele Emissionen seien überzeichnet. Eine Investition ist zudem oft nur professionellen Investoren möglich. Für Privatanleger eignen sich nachhaltige Anleihefonds. Wie vielfältig die Anlageklasse ist, zeigt die Analyse erfolgreicher nach Artikel 9 der EU-Offenlegungsverordnung klassifizierter Strategien (siehe Tabelle, Seite 2). Die wegen ihrer hohen Anforderungen an Nachhaltigkeitskriterien auch „dunkelgrüne Fonds“ genannten Produkte setzen auf Unternehmens- und Staatsanleihen unterschiedlichster Bonitäten und Regionen.

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