Reaktionen auf den Dax-Absturz

So geht es an den Aktienmärkten weiter

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Nach der Eskalation der Griechenland-Krise sackte der deutsche Leitindex Dax heute zu Handelsbeginn um mehr als 500 Punkte oder rund 4,3 Prozent auf zirka 11.000 Punkte ab und büßte damit innerhalb von Sekunden den gesamten Gewinn der vergangenen Woche ein. An den anderen europäischen Börsen sieht es ähnlich aus. Die Börse in Athen dient hingegen vorerst nicht mehr als Krisenbarometer, sie bleibt bis 7. Juli geschlossen.

Erste Experten melden sich zu Wort und geben sich erstaunlich entspannt:

„Es wird Kursverluste geben, aber keinen Crash“, sagte Robert Halver von der Baader Bank nach den gestoppten Verhandlungen am Sonntag im Gespräch mit der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX voraus. Langfristig werde man zur Tagesordnung zurückkehren und sich wieder mehr um niedrige Zinsen sorgen als um das „rein europapolitische Thema“ Griechenland.

„Der Aktienmarkt verbrieft das private Kapital von Unternehmen und Investoren und sollte einen möglichen Austritt Griechenlands relativ zügig verdauen können“, argumentieren die Analysten der DZ Bank recht unaufgeregt in ihrem Wochenausblick.

„Weiterhin gehe ich von einer schnellen Erholung aus, da endlich ein Schlussstrich unter die endlosen Verhandlungen gezogen wurde. Damit ist der ewige Unsicherheitsfaktor Griechenland bald Geschichte. Dies sorgt auf Dauer für Sicherheit“, wird Uwe Eilers von der Geneon Vermögensmanagement AG von der FAZ zitiert.

Auch Daniel Saurenz von Feingold Research rechnet nicht mit einem Crash am Aktienmarkt. Die Fakten seien schon länger bekannt, sagt der Marktexperte. „Griechenland bleibt pleite und es geht nun darum, ob das Ende mit Schrecken kommt.“

„Bis auf 10.500 Zähler könnte es runtergehen“, zitiert die Welt Joachim Goldberg, Chef der Firma Goldberg + Goldberg und Experte für Behavioral Finance. „Der Optimismus der vergangenen Woche war verfehlt“, wunderte sich Goldberg schon in den vergangenen Tagen über die Gelassenheit der Börsianer, denn ein Scheitern der Verhandlungen stets eine mögliche Option gewesen. Auf der anderen Seite relativiert er: „Warum müssen wir jetzt alle deutsche Aktien verkaufen? Griechenland macht weniger als zwei Prozent des BIP in der Euro-Zone aus.“

„Diejenigen, die den Grexit für wahrscheinlich halten, erwarten keine Wendung mehr in letzter Sekunde“, berichtet Sentix-Geschäftsführer Manfred Hübner von einer Befragung unter mehr als 600 professionelle Anlegern vom Sonntag . Für diese Anleger sei der Pfad zum Grexit unausweichlich. Dagegen rechneten die anderen Investoren zu drei Vierteln immer noch mit einer solchen „Wendung in letzter Sekunde“, sagt Hübner gegenüber dem Handelsblatt.

Entwarnung vom Grexit-Erfinder: Werden sich Europa und Griechenland in den kommenden Tagen doch noch einig? Der Schöpfer des Schlagworts „Grexit“ geht weiterhin fest davon aus. In diesem Jahr sei nicht mit einem Ausstieg Griechenlands aus der Währungszone zu rechnen, schreibt der Volkswirt Ebrahim Rahbari von der US-Bank Citigroup in einer Studie am Montag. Rahbari, der das Wort „Grexit“ beim Hochkochen der Griechenland-Krise 2011 und 2012 geprägt hatte, rechnet bei der geplanten Volksabstimmung in Griechenland mit einer „komfortablen Mehrheit“ für die geforderten Reformen und damit einen Verbleib im Euro.

Auch für Bayern-LB-Volkswirt Johannes Mayr ist weder ein Grexit noch die Staatspleite Griechenlands ausgemachte Sache. „Es hängt sehr davon ab, wie das Referendum ausgeht. Wenn es zu einer Ablehnung kommt, wäre Griechenland auf schiefer Ebene unterwegs in Richtung Euro-Abschied. Wir rechnen aber mit einer knappen Zustimmung und einem zügigen neuen Hilfsprogramm“, so Mayr gegenüber Reuters. „Die direkten Folgen für die Wirtschaft in der Euro-Zone und Deutschland dürften begrenzt sein - Griechenland ist zu klein, die Handelsverflechtungen zu gering. Man muss aber abwarten, wie stark die Marktturbulenzen sein werden. Denn die könnten auf die Realwirtschaft durchschlagen.“

Lena Komileva, Gründerin und Chefvolkswirtin des in London ansässigen Researchhauses G Plus Economics, gibt sich weitaus besorgter: „Die Märkte müssen sich auf die wachsende Gefahr vorbereiten, dass der Konflikt außer Kontrolle gerät und der Euro als Ganzes Schaden nimmt. Auf dieses Risiko sind die Marktteilnehmer bei Weitem nicht ausreichend vorbereitet.“

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