Wenn ein Fondsmanager bei Rebekka Haller anruft und „Ich habe hier den Superfonds“ sagt, ist das Gespräch für sie fast schon gelaufen. Haller ist Fondsselektorin bei der Warburg Bank – oder, wie Co-Host Malte Dreher es nennt, die Türsteherin des Fondsvertriebs. Sie entscheidet, welche Produkte es aus einem Universum von rund 18.000 Fonds tatsächlich in die Depots der Kunden schaffen.

Der Job klingt reizvoll, ist aber vor allem ein Job des Neinsagens. Haller telefoniert täglich mit Fondsmanagern, die alle dasselbe wollen: dass ihr Produkt bei Warburg landet. Sie kauft davon fast nichts. Das Verhältnis von Kontakten zu tatsächlichen Käufen sei „ein sehr großes Ungleichgewicht“, sagt sie. Für ehrgeizige Talente im Asset Management ist das ernüchternd.

Haller geht nüchtern an die Sache. Sie hat über ein Cash- und Liability-Thema promoviert, rechnet Fonds gegen selbst gebaute Vergleichsgruppen und lässt sich von keiner Marketing-Sau beeindrucken, die durchs Dorf getrieben wird. Ihr Lieblingsbeispiel: Wer alle in Deutschland zugelassenen S&P-500-Fonds übereinanderlegt, sieht den Index fast ganz oben, kaum ein aktiver Manager schlägt ihn langfristig. Bei Emerging Markets ist es umgekehrt. Dort schlagen die meisten Fonds den Index, weil die Unternehmen schlecht analysiert sind und aktives Management echten Vorsprung liefert.

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Am meisten treibt Haller aber um, was auf die Privatanleger zurollt. Alles wandere in den ETF-Mantel, sagt sie. In ein paar Jahren werde nahezu jeder Fonds täglich börsenhandelbar sein. Klingt nach Fortschritt, ist aber eine Falle. Denn „ETF“ heißt nicht mehr, dass ein Produkt brav einen Index abbildet. Oft steckt eine aktive Strategie im Mantel oder ein Index, der eigens für genau dieses Produkt gebaut wurde. Man müsse unter die Motorhaube gucken, sonst kaufe man etwas ganz anderes als gedacht.

Noch schärfer wird sie bei den semi-liquiden Private-Markets-Produkten, den Eltifs, die Neobroker unter die Kleinanleger bringen. Suggeriert werde, man könne sie kaufen wie eine Tüte Chips im Supermarkt und morgen wieder verkaufen. Nur: Diese Investments sind langfristig und illiquide. „Man muss sich davon verabschieden, dass man da jeden Tag rein und raus kann.“ Wer das nicht versteht, kauft sich ein Problem ins Depot.

Die Frage reicht weit über Warburg hinaus: Die Fondswelt wird zugänglicher, alles handelbar, alles demokratisiert – aber wer erklärt dem Kleinanleger den Unterschied zwischen einem echten ETF und einem umetikettierten Fonds? Fliegt der neue Mantel wie einst der ETF? Oder wird er zum Rohrkrepierer? Wie eine Profi-Selektorin Fonds auseinandernimmt, welche Kennzahlen sofort zum K.o. führen und worauf Rebekka Haller jetzt setzt, darüber spricht Haller im Podcast.