Recruiting-Methoden der Vermögensverwalter: Auf die Wechselmotive der Berater setzen

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Schindler: Nach einer Lehre zum Bankkaufmann und einem BWL-Studium – wahlweise auch zum Bankfachwirt oder Bankbetriebswirt – sollte eine klassische Kreditausbildung und erste Vertriebserfahrung im Firmenkundengeschäft mit Affinität zum Wertpapierbereich folgen. Finanzplanungserfahrung ist wünschenswert. Reine Wertpapier-Erfahrung oder Fondsvertrieb reichen nicht aus.

DAS INVESTMENT.com: Was würden Sie heute einem Abiturienten empfehlen, dessen Ziel die unabhängige Vermögensverwaltung ist?

Schindler
: Ich würde ein Studium der Betriebswirtschaftslehre mit Vertiefung Steuern oder Finanzierung, anschließend eine Trainee-Stelle in einer Bank mit zugehöriger inhouse CFP-Ausbildung und ersten Kundenkontakten empfehlen. Im Relationship-Bereich kann strikt analytische Ausrichtung kontraproduktiv sein. Die Tätigkeit für einen unabhängigen Vermögensverwalter steht oft am Ende des Berufswegs. Ein Wechsel zurück in die Strukturen einer Großbank fällt schwer.

DAS INVESTMENT.com
: Wie wichtig ist es, dem vermögenden Kunden auf Augenhöhe zu begegnen, auch was das Lebensalter angeht, und seine Interessen auch außerhalb der Finanzangelegenheiten zu teilen?

Schindler: Face-to-face ist wichtig, allerdings setzt das nicht gemeinsame Hobbyausübung voraus. Auch Altersseriosität ist wichtig. Der Jungakademiker wird speziell bei den Unternehmerkunden oft nicht akzeptiert.

DAS INVESTMENT.com: Welche Rolle spielt die Burnout-Problematik im Bereich der vielbeschäftigten, gut verdienenden und gut ausgebildeten Berater?

Schindler: Ein Burnout ist sicherlich bei den Banken mit Ihren Vertriebsvorgaben und relativ starren Hierarchiestrukturen ein größeres Problem als bei unabhängigen Verwaltern, die den „intrinsisch motivierten“ Mitarbeiter mehr Freiraum einräumen können.

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