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Reformen und Reflation stützen China-Rally

Fidelity-Manager Raymond Ma
Fidelity-Manager Raymond Ma
Raymond Ma ist Fondsmanager des Fidelity China Consumer Fund (WKN: A1JH3G).

Vor allem dank der anhaltend lockeren Geldpolitik hat die Wirtschaft im Reich der Mitte bereits im dritten Quartal des vergangenen Jahres die Talsohle durchschritten. Es mehren sich jetzt die Anzeichen, dass sie langsam, aber beständig wieder an Fahrt aufnimmt und sich 2013 leicht erholen wird.

Neben dem steigenden Einkaufsmanagerindex sprechen hierfür auch das Anziehen der Industrieproduktion und die kräftige Belebung am Häusermarkt. Im vierten Quartal 2012 ist das Bruttoinlandsprodukt um 7,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum gewachsen. Der Shanghai Stock Exchange Composite Index stieg in Folge der Nachricht auf ein Siebenmonatshoch.

Voranschreitende Privatisierung

Ich rechne jetzt mit einer alle Wirtschaftszweige umfassenden Erholung. Die Regierung in Peking wird die regulatorischen Zügel nach und nach gezielt weiter lockern und das Staatsmonopol damit aufweichen. Reformen zur Deregulierung der Finanz-, Telekommunikations- und Energiebranche werden dem Privatsektor über die kommenden Quartale neue Impulse geben.

Zudem dürfte Peking die Urbanisierung und eine gerechtere Verteilung der Einkommen stärker vorantreiben. Insgesamt ist mit einer konsumfreundlicheren Politik zu rechnen, die die Binnennachfrage ankurbeln und insbesondere den konsumverwandten Branchen auch künftig Rückenwind geben wird.

Wegen der besseren Wirtschaftslage und höheren Liquidität am Markt wird es in diesem Jahr überdies wohl zu beschleunigtem Preisauftrieb und einer Reflation (Anm. d. Red.: eine auf Vermeidung von Deflation ausgerichtete Wirtschaftspolitik) der Preise von Vermögenswerten kommen.

Günstig trotz Kurs-Rally

Auch am chinesischen Aktienmarkt dürften die Kurse auf breiter Front weiter steigen, denn der Ausblick für die Weltwirtschaft hellt sich weiter auf und Anleger gewinnen zunehmend Klarheit mit Blick auf die Unternehmensgewinne.

In den vergangenen drei Monaten haben chinesische Aktien bereits gut aufgeholt. Trotzdem sind die Bewertungen chinesischer Aktien nach koreanischen derzeit noch die zweitbilligsten in der Region Asien-Pazifik ohne Japan. Für 2013 und 2014 erwarte ich Gewinnkorrekturen nach oben, die die Ralle mittelfristig stützen dürften.

Risiken bleiben

Im Auge behalten müssen Investoren nichtsdestotrotz die Inflationsrate in China. Die Reflation wirkt sich positiv auf die Wirtschaft und Aktienmärkte aus. Wenn die Inflationsrate aber über das Ziel hinausschießen sollte, ist das gefährlich.

Ein weiteres nicht unerhebliches Risiko sehe ich in Form eines Währungskriegs, wenn der japanische Yen noch stärker abwertet und andere asiatische Länder dem Beispiel Japans folgen und ihre Währungen ebenfalls abwerten lassen. Chinas Exporte würden darunter leiden und Peking geriete unter Druck, seinen Kurs in Richtung Lockerung des Yuan-Wechselkurses umzukehren.

Alles in allem überwiegen für mich jedoch die positiven Aussichten: Die wirtschaftliche Erholung, wohl überlegte Reformen und eine gesteuerte Reflation bilden eine gute Grundlage für die Entwicklung chinesischer Aktien im Jahr der Schlange.

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