MEG Awards 2007: Mehmet Göker überreicht Siegelring und verlangt ewige Treue von seinem Mitarbeiter. Quelle: sternfilm / Ulf Schaumlöffel

MEG Awards 2007: Mehmet Göker überreicht Siegelring und verlangt ewige Treue von seinem Mitarbeiter. Quelle: sternfilm / Ulf Schaumlöffel

Regisseur Klaus Stern

„Mehmet Göker hat Eigenschaften, die jeder gute Wirtschaftsführer braucht“

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„Hier erzähle ich was zu Mehmet Göker, meiner Arbeitsweise, Briefmarken und Erdbeertörtchen“, so kündigte Klaus Stern, Regisseur des Dokumentarfilms „Versicherungsvertreter“ über den Meg-Gründer Mehmet Göker, seinen Auftritt in der Sendung „Hallo Hessen“ an. Auf der Facebook-Seite von „Der Versicherungsvertreter“ stellte er zudem einen Link zu dem Video rein, mit dem Kommentar, dass man „ohne schlechtes Gewissen ein paar Stellen überspringen“ kann. DAS INVESTMENT.com hat genau das gemacht - und fasst nun die interessantesten Stellen des insgesamt rund 100-minütigen Interviews zusammen.

Vom Praktikanten zum Grimme-Preisträger

Seine berufliche Laufbahn begann Stern als einfacher Briefträger. Seine Liebe zu Medien entdeckte er erst, als er ein Praktikum beim hessischen Rundfunk machte. Nach Jahren in der Medienbranche versuchte sich Stern als Regisseur. Mit der Entdeckung größenwahnsinniger Menschen als Protagonisten kam für ihn der Durchbruch: Für die Dokumentation über den Biodata-Gründer Tan Siekmann wurde Stern 2005 mit dem Herbert Quandt Medien-Preis der Johanna Quandt-Stiftung ausgezeichnet; ein Jahr später bekam er auch den begehrten Adolf-Grimme-Preis in der Kategorie Information & Kultur. Das IT-Unternehmen Biodata, das Siekmann mit gerade einmal 16 Jahren für einen symbolischen Preis kaufte, entwickelte Sicherheitstechnik und wurde eine Zeitlang als Star der Internetunternehmen hochgejubelt, bis es immer mehr Geld verlor und im November 2001 Insolvenz anmelden musste.

Auch der Dokumentarfilm „Versicherungsvertreter – Die erstaunliche Karriere des Mehmet Göker“, der 2011 in die Kinos kam, erhielt 2012 den Helmut-Schmidt-Journalistenpreis.

„Ich bin Spezialist für nordhessischen Größenwahn“, sagt Stern in der „Hallo Hessen“-Sendung. Denn sowohl Tan Siekmann als auch Mehmet Göker waren in Nordhessen aktiv. An einer besonderen Größenwahnsinnigen-Dichte in der Region liege das aber nicht. „Ich bin ein fauler Mensch und begebe mich nicht so oft weg aus Kassel“, erklärt Stern. Daher suche er zunächst in seinem regionalen Umfeld nach interessanten Protagonisten. Über den Meg-Gründer Göker habe er aus der örtlichen Zeitung HNA erfahren. Dann habe er einfach bei Meg angerufen, sei hingefahren und habe sich mit Göker getroffen. So kam die Kooperation zustande.

An Menschen wie Siekmann oder Göker finde er das Jonglieren zwischen Realität und Größenwahn faszinierend, erklärt Stern. Ihre Widersprüchlichkeiten und sozialen Brüche reizten ihn. „Mich interessieren Visionen und Visionäre“, sagt Stern. Man höre sich das Vorhaben solcher Menschen an und denke erst an massive Selbstüberschätzung, ja an Größenwahnsinn. Doch während das gesamte Umfeld ihr Projekt als Blödsinn bezeichnet, halten diese Menschen daran fest. So können Dinge, die auf den ersten Blick unmöglich schienen, wahr werden.

Eine große Distanz zu Menschen, die Gegenstand seiner Dokumentationen sind, findet man bei Stern kaum. „Seine Protagonisten muss man lieben“, sagt Stern und schwärmt von Göker, der Qualitäten habe, „die wir nicht haben“. „Göker hat Eigenschaften, die jeder gute Wirtschaftsführer braucht“, sagt Stern.

Neben „nordhessischen Größenwahnsinnigen“ interessiert sich Stern für Fußball - sowohl beruflich, als auch privat. „Die Fußballbranche bietet viele Themen“, sagt er. Doch diese in einen Film umzusetzen gelang es Stern bislang nicht. Er habe sich zwar bereits mit Jens Lehmann getroffen. Zu der geplanten Doku sei es aber nicht gekommen. Ähnlich ging es Stern mit Oliver Kahn. Auch aus einem Film über die tragische Geschichte des Torwarts Robert Enke wurde nichts. >> zur Sendung

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