Reich mit Rentenfonds: Eine Welt der hohen Zinsen
Der Markt lebt wieder. Mehr als 5 Milliarden Euro Zuflüsse in Corporate-Bond-Fonds registrierte das Analysehaus Lipper in diesem Jahr allein in Europa. Eine Nachfrage, die die Unternehmen weidlich ausnutzen. Mehr als eine Billion Dollar haben sie bis Ende August weltweit eingesammelt. Das war schon zu diesem Zeitpunkt mehr als in jedem kompletten Kalenderjahr zuvor. Für die massenweise Ausgabe von Anleihen gibt es einen guten Grund: Die Unternehmen kommen wegen strikterer Kreditrichtlinien und grundsätzlicher Zurückhaltung der Banken einfach nicht mehr so leicht an Bankkredite.
Weil dem Rekord-Angebot aber eine Rekord-Nachfrage gegenübersteht, sind Schnäppchen bereits selten. „Wir haben nicht mehr die Einmal-im-Leben-Möglichkeit wie zu Beginn des Jahres“, sagt Stefan Isaacs, der den European High Yield Fund der britischen Fondsgesellschaft M&G managt. Von einer Spekulationsblase will Isaacs jedoch nicht reden: „Die Asset-Klasse ist im historischen Vergleich noch immer preiswert.“Da ist was dran. Die Risikoaufschläge (Spreads) gegenüber Staatsanleihen, gängiges Maß für die Bewertung von Unternehmensanleihen, sind noch weit von ihren Tiefs aus den Zeiten vor der Finanzkrise entfernt. Sowohl Anleihen guter Schuldner (Investment Grade) als auch die weniger guter Schuldner (High Yield) notieren lediglich knapp über dem Niveau, das sie vor der Pleite der Investmentbank Lehman Brothers hatten (siehe Chart).
Auch Stephan Kuhnke von Bantleon ist daher überzeugt: „Die Spreads werden sich noch weiter einengen.“ Der Rentenstratege verweist unter anderem auf die starken wirtschaftlichen Frühindikatoren. Eine Konjunkturerholung sollte die Zahlungsfähigkeit der Unternehmen verbessern und somit auch den Spreads helfen.
Trotzdem hält M&G-Mann Isaacs den breiten Markttrend für weitgehend ausgereizt. „Wichtigste Performance-Quelle für 2010 wird die Anleiheauswahl werden“, kündigt er an. Derzeit finde er die besten Gelegenheiten in den Rating-Klassen BB und B, den beiden obersten Stufen des spekulativen Segments. In seinem Fonds machen diese beiden Segmente derzeit zwei Drittel des Vermögens aus. Auch Nick Gartside schaut auf BB- und B-Anleihen, aber nicht nur. „Wir glauben, dass die besten Chancen derzeit generell bei den zyklischen Emittenten und High-Yield-Anleihen liegen“, so der Leiter des Rententeams bei der Fondsgesellschaft Schroders. Diesen beiden Segmenten hätten Kreditklemme und Rezession am meisten zugesetzt, weshalb es hier auch die höchsten Risikoprämien gebe. Auch das ist freilich wieder relativ, denn mit laufenden Verzinsungen von 3,6 Prozent und 4,4 Prozent wirken zyklische Konsum- und Service-Anleihen schon fast dürftig verzinst.Das spricht für eine gewisse Vorsicht. Dennoch: Solange es keine neue Panik gibt, sollte sich mit Unternehmensanleihen und High Yields bei überschaubarem Risiko einiges verdienen lassen. Langjährig erfolgreiche Fonds sind dabei das beste Vehikel (siehe Tabelle).
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