(Quelle: DAS INVESTMENT) Frühlingszeit ist Erntezeit. Was für die Landwirtschaft irgendwie falsch klingt, trifft für den Aktionär voll und ganz zu. Denn im Frühjahr führen die meisten Aktiengesellschaften Deutschlands ihre reguläre Hauptversammlung durch. Dort werden nicht nur Vorstände be- und entlastet und Jahresberichte vorgelegt. Obendrein gibt es am Tag darauf die Dividende – jenen Anteil am Unternehmensgewinn, der direkt an die Aktionäre ausgeschüttet wird. Die erzielen allerdings nicht direkt an diesem Tag dadurch einen Gewinn, denn der Ausschüttungsbetrag wird gleichzeitig rechnerisch vom Aktienkurs abgezogen.

Die Dividende ist vielmehr der Lohn dafür, dass Aktionäre einer Aktie über das Jahr die Treue gehalten haben. „Langfristig stammen rund 40 Prozent der Wertentwicklung seit der Einführung des Dax aus den gezahlten Dividenden“, heißt es in einem Marktbericht der WGZ Bank. Und das bezieht sich immerhin auf gut 20 Jahre.

In diesem Jahr zeigen sich die deutschen Unternehmen so spendabel wie nie zuvor. Rund 28,7 Milliarden Euro werden die 30 Unternehmen aus dem deutschen Leitindex Dax ihren Anlegern voraussichtlich überweisen, berechnete die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“. Das sind 600 Millionen Euro mehr als ein Jahr zuvor und ist fast das Dreifache der Zahlungen aus den Jahren 2002 und 2003.

Zwei Beispiele: Die Deutsche Lufthansa schraubt ihre Ausschüttung von 70 Cent im Vorjahr auf 1,25 Euro pro Aktie hoch. Gemessen am aktuellen Börsenkurs von 15 Euro ergibt das eine Dividendenrendite von 8,3 Prozent. Die Deutsche Bank zahlt für 2007 eine Dividende von 4,50 Euro pro Aktie, das sind 50 Cent oder 12 Prozent mehr als im Vorjahr. Insgesamt bringen es die 30 Dax-Unternehmen auf eine durchschnittliche Dividendenrendite von 3,7 Prozent.

Daran ist nicht zuletzt der starke Kursrutsch schuld, den die meisten Aktien seit Jahresbeginn hinter sich haben. Allein der Dax hat bis Mitte März über 20 Prozent verloren. Denn sinkt der Kurs aber nicht die Dividende, zieht die Dividendenrendite, die sich aus Dividende und Kursniveau zusammensetzt, entsprechend an.

Das muss aber nicht immer gut für den Anleger sein. Sinkende Kurse spiegeln auch die Angst der Investoren vor sinkenden Unternehmensgewinnen wider.

Angesichts der aktuellen Finanzkrise ist das keine unberechtigte Sorge. „Falls der Gewinn zurückgeht, könnte eine Kürzung der Dividende ins Haus stehen“, warnt deshalb auch Volker Siedhoff, der die Vermögensverwaltung der WGZ Bank leitet. Vorgemacht hat es bereits die Immobilienbank Hypo Real Estate, ein Mitglied des Dax. Sie erlitt durch die US-Immobilienkrise unerwartete Verluste und will die Dividende von 1,50 Euro auf 50 Cent pro Aktie kürzen.

„Ob die Aussichten für den Gesamtmarkt so rosig sind wie für 2007, wage ich zu bezweifeln“, zeigt sich auch Sonja Schemmann Fondsmanagerin bei Schroders, vorsichtig. Trotzdem sind Anleger bei dividendenstarken Titeln bestens aufgehoben. Denn es gilt als gesichert, dass diese Unternehmen generell disziplinierter mit ihren Finanzen umgehen und die Aktienkurse geringer schwanken als bei Unternehmen, die nur wenig von ihrem Gewinn mit den Aktionären teilen.