Rekordzuflüsse bei iShares „ETFs passen perfekt in digitale Geschäftsmodelle“

 Peter Scharl, Vertriebsleiter von iShares in Deutschland, Österreich und Osteuropa

Peter Scharl, Vertriebsleiter von iShares in Deutschland, Österreich und Osteuropa

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2015 war ein neues Rekordjahr für ETFs. Was war besonders gefragt?

Peter Scharl: 2015 war ein Rekordjahr in vielerlei Hinsicht. Weltweit flossen den Exchange Traded Products rund 350 Milliarden Dollar zu. Das entspricht einem organischen Wachstum von 13 Prozent. Der Anleihenbereich ist sogar um 22 Prozent gewachsen. 93,5 Milliarden Dollar wurden in Anleihe-Produkte investiert.

Lief es in Europa ähnlich gut?

Scharl: In Europa hatten ETPs 82 Milliarden Dollar Zuflüsse, auch das ist ein neuer Rekord. Hier waren Anleihen-ETFs sogar ein noch stärkerer Motor. Mehr als ein Drittel der neuen Gelder, etwa 30 Milliarden Dollar, sind in diese Fonds geflossen.

Im aktiven Fondsbereich hatten es Rentenfonds laut BVI-Statistik 2015 eher schwer. Warum sind im passiven Segment Anleihen so stark gefragt?

Scharl: Anleihen-ETFs setzen sich immer mehr durch. Ein Haupttreiber dafür ist der steigende Liquiditätsbedarf. Da die Banken ihre Bilanzen zurückfahren mussten, preisen sie nicht mehr so aktiv wie früher die einzelnen Anleihen, und der Markt ist weniger liquide. Ein weiterer Grund ist, dass immer mehr Investoren überhaupt ETFs nutzen. Und dieser Trend hält an, wie eine Studie von Greenwich Associates im Auftrag von BlackRock unter institutionellen Investoren aus Europa zeigt. Demnach wollen 17 Prozent der Investoren, die bislang noch keine ETFs nutzen, über die nächsten zwölf Monate ETFs kaufen. Investoren, die die Produkte bereits nutzen, haben im Schnitt ihren Anteil am Portfolio von 7,2 auf 9,3 Prozent erhöht.

Wofür werden die ETFs eingesetzt, vor allem kurzfristig fürs taktische Agieren?

Scharl: Nicht nur. Die Studie zeigt ebenfalls, dass ETFs immer stärker als strategisches Instrument dienen und langfristig gehalten werden. Ein weiterer Motor für den ETF-Absatz ist, dass sie in unterschiedlicher Art und Weise genutzt werden. So haben zum Beispiel früher Long-only-Investoren in einigen Asset-Klassen Futures verwendet, zum Beispiel auf den S&P 500, um den amerikanischen Aktienmarkt abzubilden. Heute sind ETFs die effizientere Lösung hierfür. Zudem entwickelt sich das Angebot immer weiter. Ein recht hoher Anteil, etwa ein Drittel der weltweiten ETF-Zuflüsse im Aktienbereich, sind 2015 beispielsweise in währungsabgesicherte oder Smart-Beta-Produkte geflossen.

Kommt das aktuelle Marktumfeld mit den niedrigen Zinsen dem Thema ETF entgegen?

Scharl: Absolut. Die Geldpolitik und das daraus resultierende anhaltende Niedrigzinsumfeld sind positiv für ETFs, da der Kunde auf jeden Basispunkt achten muss. Die Jagd nach Rendite ist eine große Herausforderung für alle Kunden. Mit ETFs können sie Gebühren sparen. Darüber hinaus sind die extrem volatilen Märkte gut fürs ETF-Geschäft. Sie werden gern als taktisches Instrument in diesen Märkten genutzt, um schnell in Märkte rein und wieder raus zu gehen.

Wie sieht es am Retail-Markt aus? Haben private Anleger und ETFs zueinander gefunden?

Scharl: Der Bereich Wealth & Retail ist für uns in Europa ein Wachstumsfeld mit gewaltigem Aufholpotenzial. Ich sehe hier vor allem drei Treiber. Erstens: Diskretionäre Vermögensverwaltungen nutzen zunehmend ETFs als kostengünstige Bausteine in der Asset Allocation. Zweitens verändern sich Geschäftsmodelle sehr stark, auch im Vorfeld von Mifid II. Wir sehen immer mehr Gebührenmodelle mit einer Art Flat-Fee für die Beratung. Mittlerweile haben dies alle Großbanken im Angebot. Bei der Commerzbank heißt es zum Beispiel Premium Depot, bei der HVB Depot Global. Dort kommen verstärkt ETFs zum Einsatz, da man nicht auf die Rezessionszahlungen eines aktiven Fonds innerhalb dieses Modells angewiesen ist.