Deutschland ist aus der Atomkraft ausgestiegen, viele andere Ländern bauen dagegen kräftig aus. Morningstar hat sechs Aktien identifiziert, die von dem Trend profitieren könnten.
Viele Länder wollen in den kommenden Jahren neue Atomkraftwerke bauen| Bildquelle: Midjourney
Im April 2023 wurden in Deutschland die letzten Atomkraftwerke abgeschaltet. Andere Länder bauen die Kernenergie jedoch deutlich aus – auch in Europa. Zahlen der Interessensvertretung World Nuclear Association zufolge, die Statista aufbereitet hat, sollen in den kommenden 15 Jahren weltweit mehr als 100 neue Reaktoren in Betrieb genommen werden. Allein China plant demnach den Bau von 44 Kernkraftwerken.
Auch die Internationale Energieagentur (IEA) sieht die Atomkraft vor einem weltweiten Comeback. Das Interesse an der Kernenergie sei so groß wie seit der Ölkrise in den 1970er-Jahren nicht mehr. Mehr als 40 Länder planten einen Ausbau, heißt es in einer Studie, die Anfang des Jahres veröffentlich wurde.
Steigender Stromverbrauch führt zu neuem Atomkraft-Boom
Die Stromnachfrage steige kontinuierlich. Gleichzeitig wollen viele Länder schrittweise aus fossilen Energiequellen aussteigen, erklärt Tancrede Fulop, Aktienanalyst beim Ratinghaus Morningstar: „Wir erleben eine Verschiebung. Mit dem massiven Anstieg der Strompreise seit der Energiekrise und dem Wachstum des Stromverbrauchs, der vor allem in den USA durch Rechenzentren und KI angeheizt wird, ist die Kernenergie wieder sexy.“
Zwar gebe es nach wie vor Kritikpunkte von der Reaktorsicherheit bis hin zur ungelösten Frage der Lagerung abgebrannter Brennelemente. Das halte die Länder jedoch nicht vom Ausbau der Kernkraft ab. Unternehmen, die direkt oder indirekt in der Kernenergie tätig sind, gibt es nur wenige, so Fulop. Einige Industrie- und Versorgertitel dürften von dem neuen Atomkraft-Boom aber profitieren.
Kleine modular Reaktoren als Alternative zu großen Kraftwerken?
Ein Beispiel ist Rolls Royce. Das Unternehmen soll in Großbritannien kleine modulare Reaktoren bauen, die eine einfachere, schnellere und billigere Alternative zu großen Kraftwerken werden könnten. Das britische Unternehmen Centrica wolle hingegeben seinen Anteil an Atomkraft durch Zukäufe erhöhen. Allerdings seien die Einnahmen, die beide Unternehmen mit diesem Bereich erzielen, noch gering.
In Spanien hat der jüngste Stromausfall Ende April die Debatte um erneuerbare Energien und Atomkraft wieder neu entfacht. Dominierende Unternehmen sind die Versorgerriesen Iberdrola und Endesa. Das Land hat sich eigentlich verpflichtet, bis 2035 aus der Atomkraft auszusteigen. Ob es nun jedoch wirklich dazu komme, sei unklar, so die Einschätzung von Analysten.
Ein weiteres Investmentthema rund um die Kernenergie ist der Rohstoff Uran. In dem Maße, in dem die Nachfrage nach Kernenergie steige, wachse die Gefahr, dass es in den westlichen Ländern zu einer Verknappung komme, so die Analyse von Morningstar. Im Juni erreichte der Spotpreis für Uran 78,50 US-Dollar, lag damit jedoch noch unter dem Höchststand von 84,25 US-Dollar im Juni des vergangenen Jahres.
Zwei Aktien aus diesem Bereich sind der kanadische Uranbergbaukonzern Cameco sowie das britische Unternehmen Yellow Cake. Bei letzterer Firma handele es sich um eine Holdinggesellschaft, die einen Teil der Produktion von Cameco aufkauft und in Kanada lagert. Das Unternehmen gehe also eine Wette auf den Uranpreis ein. In den Rohstoff selbst können Anleger zudem über Uran-ETFs oder -ETCs investieren.
Wie Kernenergie aus ESG-Gesichtspunkten bewertet wird
Kann Kernkraft nachhaltig sein? Die EU hatte 2022 entschieden, die Technologie unter bestimmten Voraussetzungen vorübergehend als nachhaltig einzustufen – eine Entscheidung, die in vielen Ländern für Kritik gesorgt hatte. Jüngst hatte sich Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) offen dafür gezeigt, kleine modulare Kernreaktoren aus dem EU-Haushalt zu fördern. Bislang hatte Deutschland das abgelehnt.
Kernenergie wird einerseits zunehmend als kohlenstoffarme Technologie anerkannt, die zur Erreichung von Klimazielen beitragen kann. Andererseits bleiben Bedenken hinsichtlich der Reaktorsicherheit und der Entsorgung radioaktiver Abfälle. Viele Fonds, die auf Nachhaltigkeit setzen, schließen daher Unternehmen, die Kernkraftwerke betreiben und Uran abbauen, aus.
Diese sechs Aktien könnten Morningstar zufolge von der Kernkraft-Renaissance profitieren – sortiert nach Alphabet:
Cameco
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