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„Renaissance der Rentenmärkte“ 4 Gründe für eine neue Sicht auf Anleihen

Ich war in meinem Portfolio immer ein Anhänger von Bonds. In den letzten dreißig Jahren habe ich mit festverzinslichen Wertpapieren Renditen erzielen können, die vergleichbar waren mit Aktien, bei denen es aber wesentlich geringere Kursschwankungen gab. Das war eine schöne Zeit.

Aber nichts dauert ewig am Kapitalmarkt. So ist auch der Stern der Bonds gesunken. Die Renditen von Staatsanleihen sind stark zurückgegangen. Bei Laufzeiten von zehn Jahren waren sie in Deutschland zuletzt zeitweise negativ.

Der Anleger macht unter Berücksichtigung der Inflation reale Verluste. Kursgewinne kommen nur noch hin und wieder vor. Im Gegenteil. Es gibt Befürchtungen, dass der Zinszyklus nach der über 30 Jahre dauernden Abwärtsbewegung wieder nach oben weisen und es auf Dauer Kursverluste am Rentenmarkt geben könnte.

Ungleiche Konkurrenten

Entwicklung der Indizes DAX und iBoxx; Ende 1998 = 100Quelle: Bundesbank; Grafik: Assenagon Asset Management

Also Hände weg von Bonds? Nein. Denn der Markt ist jetzt wieder in eine neue Phase eingetreten. Bonds werden interessanter. Anleger sollten sich die Lage erneut anschauen und nicht an überholten Anlagemustern festhalten. Hier vier Gründe für eine Neueinschätzung der Lage:

Erstens: Die Angst vor einer größeren Geldentwertung geht zurück. Als die Inflationsrate 2015 von fast 0 Prozent nach oben drehte, waren viele der Meinung, dass die Zeit der Stabilität vorbei sei. Die Preissteigerung würde mindestens auf 2 Prozent gehen, vielleicht sogar auch darüber. Dies auch deshalb, weil die Europäische Zentralbank alle Hebel in Bewegung setzte, um die Reflationierung zu unterstützen.

Aber was passierte? Nichts, jedenfalls nichts Schlimmes. Die Geldentwertung ging – trotz zeitweilig steigender Ölpreise – nur maßvoll nach oben. Sie liegt jetzt im Euroraum bei 1,4 Prozent, deutlich unter dem, was man gemeinhin als Stabilität bezeichnet.

»Der Markt ist in eine neue Phase eingetreten.«

Das ist kein Zufall. Es gibt viele gute Gründe, die dafür sprechen: Der erhöhte Wettbewerbsdruck auf den Weltmärkten durch Niedriglohnländer, die Produktivitätssteigerungen durch die digitale Revolution, die rasante Verbreitung des Onlinehandels, die geringere Aggressivität der Gewerkschaften, die Präferenz der Arbeitnehmer für sichere Arbeitsplätze und mehr Freizeit statt deutlich höherer Löhne und und und.

An sich hätte man das alles schon früher sehen und zu pessimistische Inflations- und Zinsszenarien verwerfen müssen. Aber manchmal dauert es länger, bis sich strukturelle Veränderungen in den Köpfen durchsetzen. Jetzt passiert es.

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