Rendite durch Disruption Die Zukunft von Kartenzahlungssystemen

Messestand eines Bezahldienstleisters: Anleger honorieren innovative Geschäftsmodelle | © Wirecard

Messestand eines Bezahldienstleisters: Anleger honorieren innovative Geschäftsmodelle Foto: Wirecard

Smartphones sind nach wie vor die beiden am häufigsten genannten Impulsgeber für den Wandel von Zahlungssystemen.

Smartphones eröffnen den Verbrauchern die Möglichkeit, sowohl im Ladengeschäft als auch im Internet über digitale Geldbörsen, QR-Codes und Zahlungs-Apps einzukaufen. Manche Technologiefortschritte setzen bereits den Geschäftsmodellen etablierter Bezahldienstleister zu: So lässt E-Commerce eine neue Klasse von Wettbewerbern entstehen, darunter Unternehmen wie PayPal. Diese neuen Akteure könnten auf lange Sicht etablierten Kartendienstleistern das Leben schwer machen.

Doch trotz des sich wandelnden Umfelds und erstarkender Mitbewerber sehen wir nach wie vor Spielraum für solides künftiges Wachstum. In den Industrieländern, in denen es eine hohe Durchdringung mit Karten und eine breite Akzeptanz bei Händlern sowie kartenbasierte Kundentreue-Programme gibt, sind Karten nach wie vor die bevorzugte Zahlungsmethode.

Aus unserer Sicht ist auch der Business-to-Business-Markt ein Bereich mit Wachstumspotenzial für Kartennetzwerke. Auf diesem großen Markt werden viele Zahlungen immer noch mithilfe von Schecks ausgeführt. Hier dürften sich für die Kartenanbieter gute Chancen ergeben, im Laufe der Zeit Marktanteile zu gewinnen.

Lokale Bezahlmethoden machen Kartenunternehmen das Leben schwer

Überdies finden alternative lokale Bezahlmethoden, die die traditionellen Vier-Parteien-Kartensysteme aus Händlern, Händlerbanken und Verarbeiter, Kartennetzwerken und kartenausstellenden Banken vollständig umgehen, in einigen Märkten – vorwiegend in Schwellenländern mit unterentwickelten Bankensystemen – zunehmende Verbreitung.

In China hat beispielsweise der Einzelhandelsriese Alibaba seine Dominanz im E-Commerce mithilfe von AliPay, seinem eigenen Drei-Parteien-Zahlungssystem, auf Online- und Mobilzahlungen ausgeweitet.

Dennoch erkennen wir bei der Kartendurchdringung im Markt nach wie vor Spielraum für weltweites Wachstum auch in Schwellenländern, wo sich die Kartenunternehmen aggressiv bemühen, ihren langfristigen Erfolg sicherzustellen und die Ablösung durch alternative lokale Zahlungsmethoden zu verhindern.

Anbieter von disruptiven Technologien eröffnen Anlagechancen

Für den Bereich Händlerbanken und Verarbeiter besteht nach unserer Einschätzung das größte Disruptionsrisiko: In diesen Markt treten viele Akteure in der Absicht ein, die Verarbeitung von Zahlungen zu vereinfachen.

Dagegen haben die etablierten Kartennetzwerke unserer Einschätzung nach eine größere Reichweite als andere Akteure in der Wertschöpfungskette von Bezahlvorgängen. Trotz des sich wandelnden Umfelds und potenzieller Bedrohungen dürften Kredit- und Debitkartenanbieter deshalb weiterhin in einer guten Position sein und auch in Zukunft ein solides Wachstum verzeichnen.

Aus unserer Sicht gibt es besonders vielversprechende Anlagechancen bei Anbietern von Zahlungsdienstleistern mit disruptiven Technologien und Geschäftsmodellen, das heißt bei Akteuren, die den Bereich Händlerbanken und Verarbeiter mit einem Einzelplattform-Ansatz konsolidieren wollen. Für ebenso erfolgversprechend halten wir Unternehmen mit E-Commerce-Plattformen, die für Zahlungen einen sogenannten Omnikanal-Support integriert haben.