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Asien – vom Wachstum profitieren

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Asien – vom Wachstum profitieren

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Wintersonnenaufgang in Shanghai Foto: IMAGO / Science Photo Library
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Chinesische Anleihen

Renditelieferant und sicherer Hafen

Hayden Briscoe, Fixed Income-Experte

Die chinesische Volkswirtschaft wächst im Vergleich zu anderen Ländern immer noch in großen Schritten, diese sind aber in den vergangenen Jahren ein wenig kleiner geworden. Chinas Anleihemarkt hingegen kommt glänzend voran: Von 2010 bis 2015 hat sich sein Volumen verdoppelt. In den folgenden fünf Jahren fand eine weitere Verdopplung statt, der Markt wuchs von 8 auf 16 Billionen US-Dollar. Und dieser Wachstumstrend dürfte sich fortsetzen.

Ein Argument dafür ist die geradezu tektonische Verschiebung in Chinas Finanzsystem weg von Krediten hin zu Anleihen. Die Regierung fördert diese Entwicklung, und zugleich öffnet sie über Reformen mehr und mehr den Markt für ausländische Investoren. Chinesische Onshore-Anleihen haben mittlerweile Eingang in globale Anleiheindizes gefunden. In der Folge fließt zunehmend ausländisches Kapital in chinesische Anleihen. Allerdings ist der Auslandsanteil aufgrund des starken Marktwachstums kaum gestiegen und liegt immer noch bei nur 2 bis 3 Prozent.

Es gibt also reichlich Potenzial, zumal viele globale Investoren weiterhin in chinesische und allgemein in asiatischen Anleihen untergewichtet sind. Rund 60 Prozent der Weltbevölkerung lebt in Asien, und die Region ist für etwa ein Viertel der globalen Wirtschaftsleistung verantwortlich. Allein China dürfte künftig rund 30 Prozent zum globalen Wirtschaftswachstum beitragen. Diese Verschiebung der wirtschaftlichen Schwerkraft vom Westen nach Asien spiegelt sich in den meisten globalen Anleiheportfolios noch nicht ausreichend wider. 

Renditeaufschlag von 300 Basispunkten und mehr

Doch gerade jetzt stimmt nicht nur die langfristige Story. Ein weltweiter Blick auf die Renditen von Anleihen lässt ein Land hervorstechen: China bietet im internationalen Vergleich nicht nur eine attraktive nominale Anleiherendite, sondern insbesondere die reale Anleiherendite, die für Investoren entscheidend ist, ragt heraus. Bei vielen größeren Volkswirtschaften liegt diese für zehnjährige Staatsanleihen im negativen Bereich, chinesische Papiere rentieren hingegen noch mit rund 3 Prozent. Das ist in diesen Zeiten ein attraktiver Renditeaufschlag. Insbesondere wenn man bedenkt, dass chinesische Staatsanleihen durchaus über Qualitäten eines sicheren Hafens verfügen. Als weiteres Plus bieten die Bonds eine niedrige oder gar negative Korrelation zu US-Anleihen.

Auch Unternehmensanleihen aus China zeichnen sich derzeit durch überdurchschnittliche Renditen aus. Die Anleihen sind günstiger bewertet als ihre Pendants in Europa und den USA und bieten Spielraum für sinkende Risikoaufschläge. Die Bewertungslücke dürfte sich bald schließen. Insbesondere wenn Investoren nach und nach erkennen, dass asiatische Anleihen kaum noch die Charakteristika von typischen Emerging-Markets-Papieren aufweisen.

Auch wenn in letzter Zeit die Medien immer mal wieder von dem einen oder anderen zahlungsunfähigen Emittenten in China berichteten, so ist die Ausfallquote insgesamt gering. Sie liegt insgesamt bei unter einem Prozent, bei in US-Dollar denominierten China-Bonds liegt sie bei rund 3 Prozent. Aufgrund der anhaltenden wirtschaftlichen Erholung, die wieder mehr Cashflows in die Unternehmen spült, sollte dies Niveau auch 2021 anhalten.

Drei rote Linien disziplinieren Chinas Immobiliensektor

Der mit Abstand wichtigste und derzeit auch besonders interessante Sektor im chinesischen High-Yield-Bereich ist der Immobiliensektor. Der lange Zeit laxen Verschuldungspolitik der Immobilienunternehmen, die auch die Spekulationen mit Wohnraum angetrieben hat, will die Regierung mit ihrer auf Immobilienentwicklern abzielenden Politik der drei roten Linien einen Riegel vorschieben. Wer eine oder mehrere von drei Verschuldungsregeln reißt, darf seine Bilanzsumme nur noch eingeschränkt ausweiten. Wer vor keiner der drei roten Linien halt macht, darf bilanziell gar nicht mehr wachsen.

Diese Maßnahme könnte Bond-Investoren zugutekommen. Die Verschuldungsquote der Immobilienentwickler sollte sinken und mehr finanzielle Disziplin einkehren. Teure Finanzierungskanäle aus dem Schattensektor sollten mehr und mehr durch günstigere transparente Kanäle ersetzt werden. Außerbilanzielle Schulden müssen den Regulatoren gemeldet werden, was für mehr Transparenz sorgt, von der Investoren profitieren.

Die Vergangenheit zeigt, dass sich Investoren stets nur etwas zögerlich für neue Anlageklassen geöffnet haben. Das erklärt auch die immer noch bestehende Untergewichtung asiatischer Anleihen in vielen globalen Portfolios. Wir denken jedoch: Wer sich heute zurückhält, wird später im Rückblick feststellen, dass er etwas verpasst hat.

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