Das ABC der Rentenberechnung: Beitragsjahre, Einkommen und Rentenpunkte

Um das herauszufinden, schauen wir uns erst einmal die drei Schlüsselfaktoren an, die wir für die Berechnung benötigen.

  • Beitragsjahre: Das sind die Jahre, in denen ihr in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt habt. Dazu zählen nicht nur die Jahre, in denen ihr gearbeitet und brav eure Beiträge geleistet habt, sondern auch Zeiten für Ausbildung, Studium oder Elternschaft. Jedes Beitragsjahr zählt und erhöht am Ende eure Rente. Je länger ihr einzahlt, desto höher fällt eure gesetzliche Rente aus. Ein früherer Rentenbeginn verringert die Rente durch einen Abschlag, ein späterer Beginn erhöht sie durch einen Zuschlag.
  • Durchschnittliches Einkommen: Hierbei zählt nur, was ihr im Laufe eures Arbeitslebens verdient habt. Die Idee dahinter ist simpel: Wer mehr verdient und dementsprechend mehr in die Rentenkasse einzahlt, bekommt später eine höhere Rente. Euer durchschnittliches Einkommen bestimmt, wie viele Rentenpunkte ihr pro Jahr sammelt.
  • Rentenpunkte: Die Rentenpunkte könnte man auch als Herzstück der Rentenberechnung bezeichnen. Für jedes Jahr, in dem ihr genau den Durchschnittsverdienst aller Versicherten verdient, bekommt ihr einen Rentenpunkt gutgeschrieben. Verdient ihr mehr, gibt es entsprechend mehr Punkte; liegt euer Gehalt unter dem Durchschnitt, entsprechend weniger. Die Summe dieser Punkte wird am Ende mit dem aktuellen Rentenwert (das ist der Wert eines Rentenpunktes) multipliziert, um eure monatliche Rente zu berechnen.

Einfach gesagt: Eure Rente basiert darauf, wie lange und wie viel ihr in die Rentenkasse eingezahlt habt.

Aber was bedeutet das nun genau?

Grundformel für die Rentenberechnung

Die Höhe der gesetzlichen Rente hängt in Deutschland also von mehreren Faktoren ab, die in eine Formel einfließen. Um zu veranschaulichen, wie die Berechnung funktioniert und welchen Einfluss bestimmte Faktoren haben, zeigen wir euch hier ein vereinfachtes Beispiel.

Die monatliche Rente berechnet sich nach der Formel:

Monatliche Rente = Rentenpunkte × Zugangsfaktor × aktueller Rentenwert × Rentenartfaktor

Für die meisten Rentner ist der Zugangsfaktor 1,0 (bei regulärem Renteneintritt), und der Rentenartfaktor beträgt ebenfalls 1,0 für die reguläre Altersrente. Der aktuelle Rentenwert ist ein variabler Wert, der jährlich angepasst wird und zum Beispiel im Jahr 2023 bei etwa 37,60 Euro (Westdeutschland) und 37,60 Euro (Ostdeutschland) lag.

Damit ihr euch das Ganze besser vorstellen könnt, findet ihr im Folgenden ein Beispiel, in dem wir davon ausgehen, dass ihr 40 Jahre lang gearbeitet und dabei immer genau das Durchschnittseinkommen verdient habt.

Rentenpunkte: Für jedes Jahr erhaltet ihr einen Entgeltpunkt, also insgesamt 40 Entgeltpunkte nach 40 Arbeitsjahren.

Monatliche Rente = 40 (Rentenpunkte)×1,0 (Zugangsfaktor)×37,60 Euro (aktueller Rentenwert West)×1,0 (Rentenartfaktor) = 1.504,00 Euro

Denkt daran: Diese Berechnung ist eine vereinfachte Darstellung, um das Prinzip der Rentenberechnung zu erklären. In der Realität könnten weitere Faktoren wie Beiträge zur betrieblichen oder privaten Altersvorsorge, Zeiten der Arbeitslosigkeit, Kindererziehungszeiten oder der Ausgleich von Rentenabschlägen eine Rolle spielen. Außerdem wird der aktuelle Rentenwert jährlich angepasst und auch darüber hinaus können sich gesetzliche Regelungen ändern, was Einfluss auf die Rentenberechnung haben könnte.

Wie berechnet sich die Nettorente?

Um die Nettorente zu berechnen, also den Betrag, den ihr nach Abzug von Steuern und Sozialabgaben tatsächlich monatlich zur Verfügung haben werdet, müsst ihr einige zusätzliche Schritte durchführen.

Die genaue Berechnung kann komplex sein, da sie von individuellen Faktoren wie Steuerklasse, Freibeträgen und Beiträgen zur gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung abhängt. Hier zeigen wir daher nur einen vereinfachten Überblick über den Prozess:

Bruttorente ermitteln

Zuerst benötigt ihr den Bruttobetrag eurer Rente, den ihr wie im oben gezeigten Beispiel berechnet oder wie er in eurer Renteninformation angegeben ist.

Beitrag zur Krankenversicherung der Rentner (KVdR) abziehen

Rentner sind in der gesetzlichen Krankenversicherung pflichtversichert und müssen einen bestimmten Prozentsatz ihrer Rente als Beitrag zur Krankenversicherung zahlen. Der genaue Beitragssatz kann variieren, aber gehen wir für das Beispiel von einem Beitragssatz von 7,3 Prozent (zusätzlich trägt auch die Rentenversicherung 7,3 Prozent, was insgesamt 14,6 Prozent ergibt) an. Außerdem kann ein Zusatzbeitrag anfallen, der je nach Krankenkasse variiert.

Beitrag zur Pflegeversicherung abziehen

Ähnlich wie bei der Krankenversicherung müssen Rentner auch Beiträge zur Pflegeversicherung leisten. Der Beitragssatz liegt beispielsweise bei 3,4 Prozent. Für kinderlose Mitglieder über 23 Jahre sind es mit 4,0 Prozent etwas mehr.

Steuern berechnen

Der steuerpflichtige Teil eurer Rente hängt vom Jahr eures Renteneintritts ab. Für Rentner, die 2040 oder später in Rente gehen, sind 100 Prozent der Rente steuerpflichtig. Der steuerpflichtige Betrag muss in eurer Einkommensteuererklärung angegeben werden, und der individuelle Steuersatz hängt von eurem gesamten zu versteuernden Einkommen ab.

Zur Veranschaulichung hier wieder ein Beispiel:

Angenommen, eure Bruttorente beträgt 1.500 Euro pro Monat.

Krankenversicherung: 1.500 Euro × 7,3% = 109,50 Euro

Pflegeversicherung: 1.500 Euro × 3,4% = 51 Euro (kinderlose Rentner zahlen mehr)

Nettorente vor Steuern: 1.500 Euro - 109,50 Euro - 51 Euro = 1.339,50 Euro

Um die Steuern zu berechnen, müsstet ihr euer zu versteuerndes Einkommen kennen, inklusive der Rente und möglicher weiterer Einkünfte. Nehmen wir an, euer zu versteuerndes Einkommen liegt in einem Bereich, in dem ihr effektiv 20 Prozent Einkommensteuer zahlt, dann müsstet ihr diesen Satz auf den steuerpflichtigen Teil der Rente anwenden. Die genaue Steuerlast hängt von euren persönlichen Freibeträgen und eurer gesamten Einkommenssituation ab.

Wichtige Hinweise zur Nettorente

Die tatsächliche Nettorente kann stark variieren, abhängig von individuellen Faktoren wie dem Zusatzbeitrag der Krankenkasse, weiteren Einkünften und persönlichen Steuerfreibeträgen. Seit 2020 müssen neue Rentner einen höheren Anteil ihrer Rente versteuern. Der steuerfreie Anteil der Rente wird im Jahr des Renteneintritts festgelegt und bleibt dann für die gesamte Rentenzeit gleich.

Hier findet ihr heraus, wie viel Rente ihr bekommt – ohne selbst zu rechnen

In Deutschland gibt es mehrere Wege, um herauszufinden, wie viel Rente ihr voraussichtlich bekommen werdet. Die gängigsten und wichtigsten stellen wir euch hier einmal vor.

  • Renteninformation der Deutschen Rentenversicherung: Jedes Jahr versendet die Deutsche Rentenversicherung an Versicherte, die älter als 27 Jahre sind und mindestens fünf Jahre in die Rentenversicherung eingezahlt haben, eine Renteninformation. Diese enthält eine Übersicht über die bisher erworbenen Rentenansprüche und gibt einen Ausblick darauf, wie hoch die Rente unter aktuellen Bedingungen im Alter ausfallen könnte. Diese Renteninformation bietet euch eine gute Basis, um zu verstehen, wie viel Rente ihr ungefähr erwarten könnt.
  • Online-Rentenrechner: Die Deutsche Rentenversicherung bietet auf ihrer Website auch einen Online-Rentenrechner an. Mit diesem Tool könnt ihr unter Eingabe eurer bisherigen Beitragszeiten und eures aktuellen Einkommens eine Schätzung eurer zukünftigen Rente vornehmen. Beachtet dabei, dass diese Berechnungen nur Schätzungen auf Basis der aktuellen Gesetzeslage und eurer Angaben sind.
  • Rentenauskunft beantragen: Für eine detailliertere Prognose könnt ihr eine offizielle Rentenauskunft bei der Deutschen Rentenversicherung beantragen. Im Gegensatz zur jährlichen Renteninformation, die automatisch versendet wird, bietet die Rentenauskunft eine umfassendere Darstellung eurer Rentenansprüche, inklusive Zeiten der Kindererziehung oder Pflege, die ebenfalls rentensteigernd wirken können. Die Rentenauskunft ist vor allem dann sinnvoll, wenn ihr eine genauere Planung eurer finanziellen Zukunft vornehmen wollt. Bei der Rentenversicherung könnt ihr darüber hinaus auch eine Kontenklärung beantragen, um herauszufinden, ob eure Informationen vollständig sind oder die Kasse noch Nachweise von euch benötigt.
  • Persönliche Beratung: Wenn ihr individuelle Fragen habt oder eine persönliche Beratung wünscht, könnt ihr einen Termin bei einer Beratungsstelle der Deutschen Rentenversicherung vereinbaren. Dort bekommt ihr maßgeschneiderte Informationen zu eurer Rentensituation und könnt offene Fragen klären.
  • Private Altersvorsorge berücksichtigen: Vergesst nicht, auch eure private und betriebliche Altersvorsorge in die Berechnung einzubeziehen. Die gesetzliche Rente bildet in der Regel nur die Basis eurer Altersvorsorge. Um eure tatsächliche Rentenhöhe zu ermitteln, müsst ihr auch die erwarteten Auszahlungen aus privaten Rentenversicherungen, Wertpapieren, Riester- oder Rürup-Verträgen sowie betrieblichen Pensionskassen oder -fonds hinzurechnen.

Durch die Kombination dieser Informationen und Werkzeuge könnt ihr eine realistische Schätzung eurer zukünftigen Rente erhalten und besser planen, wie ihr euer gewünschtes Renteneinkommen erreichen könnt. Es ist wichtig, regelmäßig zu überprüfen, ob ihr auf dem richtigen Weg seid, um eure finanziellen Ziele für den Ruhestand zu erreichen.

>> Wie ihr privat vorsorgen und eure Rente aufstocken könnt, erfahrt ihr auf der nächsten Seite!