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Wachtendorf-Kolumne
Generationenkapital: Rentenpolitiker aller Lager, einigt euch!
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Wachtendorf-Kolumne Generationenkapital: Rentenpolitiker aller Lager, einigt euch!

DAS-INVESTMENT-Kolumnist Egon Wachtendorf
Hält das Lagerdenken in der Rentenpolitik für überholt: DAS-INVESTMENT-Kolumnist Egon Wachtendorf. | Foto: DAS INVESTMENT

Jeder blamiert sich, so gut er kann. Was zum Beispiel hat nur Bundesfinanzminister Christian Lindner geritten, sein Herzensprojekt Aktienrente im Vorfeld als „vielleicht größte Rentenreform seit Bismarck“ anzukündigen? Herausgekommen ist eine etwas kleinlaut in Generationenkapital umbenannte Gesetzesinitiative, die mit Lindners ursprünglichen Plänen nur noch vage Ähnlichkeiten aufweist. Und so manchem Finanzexperten sauer aufstößt. „Ordnungspolitisch ein Irrweg und von Seiten der Vermögensbildungspolitik ein Verstärker von Ungleichheit“ urteilt etwa Hans-Jörg Naumer, Leiter der Kapitalmarktanalyse bei Allianz Global Investors.

 

 

Harsche Kritik – wie sollte es anders sein – kommt auch von all jenen, die in puncto Rente jegliche Kapitaldeckung per se für Teufelszeug halten. Also von Linken, Gewerkschaftern und aus weiten Teilen der Grünen und der SPD. Doch deren Wortführer bekleckern sich ebenfalls nur selten mit Ruhm. Im negativen Sinne den Vogel ab schießt dabei Falko Blumenthal: Der Projektsekretär der IG Metall München postete nach Bekanntwerden der Ministerpläne einen steil nach unten gerichteten Sechs-Monats-Chart von Tesla und kommentierte: „Viel Spaß uns Allen mit der Aktienrente.“ Das Wohlergehen von Millionen künftigen deutschen Ruheständlern als Spielball im Hype um einen überbewerteten amerikanischen Auto-Hersteller? Da scheint jemand ein paar grundlegende Dinge nicht verstanden zu haben.

Betrachtet man dieses seltsam vertraute Lehrstück aus Versuch, Irrtum und Rechthaberei aus der Ferne, bleiben eigentlich nur zwei Schlüsse. Erstens: Die Politik wird es nicht schaffen, die Finanzierung der Renten auf ein solides Fundament zu stellen. Viel zu zaghaft und teils in die falsche Richtung erfolgen die Schritte, zu groß sind die Widerstände. Wer einen überzeugten Gegner der Kapitaldeckung von deren Chancen überzeugen will, könnte ebenso versuchen, mit Donald Trump über dessen Abwahl zu diskutieren oder Verkehrsminister Volker Wissing zu erklären, dass ein Tempolimit auf deutschen Autobahnen keine Frage ausreichend vorhandener Schilder ist. Zwecklos. Wer zweifelt, werfe einen Blick auf die jüngsten Massendemonstrationen in Frankreich. Auch dort wird Präsident Emmanuel Macron mit seinen ehrgeizigen Reformplänen scheitern.

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Daraus wiederum folgt zweitens: Wer im Alter über ausreichend Geld verfügen möchte, muss selbst aktiv werden. Das Mittel zum Zweck ist seit vielen Jahren hinreichend bekannt – einen weltweit streuenden Aktienfonds-Sparplan einzurichten und auch in Zeiten fallender Börsenkurse durchzuhalten, erfordert weder ein Hochschulstudium noch sonstige besondere Fertigkeiten. Am Ende belohnt der Zinseszinseffekt diejenigen, die rechtzeitig vorgesorgt haben.

Und die anderen? Ist diese Wenn-jeder-an-sich-denkt-ist-an-alle-gedacht-Mentalität nicht ziemlich respektlos all jenen gegenüber, die als Bürgergeld-Empfänger oder Beschäftigte in Niedriglohn-Sektoren am Ende des Monats kein Geld übrighaben, um damit einen Kapitalstock für die eigene Rente aufzubauen? Leider ja, und das befördert den Ball zurück ins Spielfeld der Politik. Rauft euch endlich zusammen, möchte man den verfeindeten Lagern zurufen. Schließt einen vernünftigen Kompromiss, und vor allem konzentriert eure vorhandenen Mittel auf diejenigen, für die es ansonsten wirklich schwierig wird.

 

 

Auf der Suche nach einer von allen akzeptierten Rentenformel nach links und rechts zu schauen, schadet gewiss nicht. Die einen schwören auf das schwedische Modell, den anderen wiederum erscheint Österreich als Vorbild. Warum nicht das Beste aus beiden Welten? Angefangen mit der in Österreich schon seit 1997 geltenden Regel, dass auch Politiker in die Rentenkasse einzahlen?

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