Der Abstand zwischen den durchschnittlichen Renten von Männern und Frauen ist in Deutschland weiterhin deutlich spürbar. Laut Statistischem Bundesamt lag der sogenannte Gender Pension Gap 2025 bei 24 Prozent – rechnet man nur die eigenen Bruttorentenbezüge von Frauen ohne Hinterbliebenenrenten, sogar bei 36 Prozent. Konkret bedeutet das: Frauen erhalten im Ruhestand für jeden Euro, den Männer beziehen, nur 64 Cent an eigener Rente.

Die Gründe sind überwiegend struktureller Natur. Frauen arbeiten häufiger in Teilzeit oder haben Unterbrechungen in ihren Erwerbsbiografien, was ihren Verdienst über die Lebenszeit reduziert. Hinzu kommt ein niedrigeres Einkommen: Der Gender Pay Gap lag 2025 bei 16 Prozent. Das Einkommen ist entscheidend dafür, wie viel Menschen fürs Alter zurücklegen können – wer mehr verdient, zahlt mehr in die Rentenkassen ein und hat besseren Zugang zu betrieblicher und privater Vorsorge.

Große Sorgen ums Auskommen im Alter

Wie sehr diese strukturellen Nachteile das Sicherheitsgefühl prägen, zeigt die BlackRock-Umfrage zur Altersvorsorge 2025, für die 2.200 Erwerbstätige in Deutschland befragt wurden. Vier von fünf Frauen (80 Prozent) gehen davon aus, im Ruhestand nicht finanziell sorgenfrei leben zu können. Bei denjenigen kurz vor dem Rentenalter steigt dieser Anteil auf 86 Prozent. Nur 38 Prozent der befragten Frauen fühlen sich auf den Ruhestand vorbereitet.

An der Spitze der finanziellen Sorgen steht dabei die Lebensqualität im Alter: Über ein Drittel (37 Prozent) sorgt sich darum – und damit mehr als um wirtschaftliche oder geopolitische Fragen.

Vorsorge oft nur über eine Säule

60 Prozent der erwerbstätigen Frauen halten das Einzahlen in eine Rente für die einzige Möglichkeit, einen angemessenen Lebensstandard im Alter zu sichern. Gleichzeitig zahlen 46 Prozent ausschließlich in die gesetzliche Rentenversicherung ein – über die Hälfte nimmt die meist freiwillige betriebliche oder private Vorsorge also nicht wahr. Bei Männern liegt dieser Anteil bei 40 Prozent. Hinzu kommt: 56 Prozent der befragten Frauen verfügen über weniger als 5.000 Euro oder gar keine Ersparnisse, gegenüber 33 Prozent der Männer.

Teilzeit als struktureller Nachteil

Ein zentraler Faktor ist die Erwerbsform. Nur 55 Prozent der erwerbstätigen Frauen arbeiten in Vollzeit, bei Männern sind es 87 Prozent. Fast die Hälfte der befragten Frauen (45 Prozent) arbeitet in Teilzeit – von den Männern nur 13 Prozent. Laut Destatis lag die Teilzeitquote 2025 bei Frauen mit 49 Prozent sogar noch höher, bei Männern mit 12 Prozent etwas niedriger.

Betroffene sind sich der Konsequenzen bewusst: Von den teilzeitbeschäftigten Frauen sind nur 27 Prozent zuversichtlich, im Ruhestand ausreichend finanzielle Mittel zur Verfügung zu haben – bei den vollzeitbeschäftigten Frauen sind es 43 Prozent.

Informationsdefizite bremsen die Vorsorge

Viele Altersvorsorgeprodukte und Informationsangebote orientieren sich am Modell des durchgehend vollzeiterwerbstätigen Mannes und werden den Bedürfnissen von Frauen häufig nicht gerecht. Die Umfrage zeigt entsprechend größere Wissenslücken: Nur 57 Prozent der Frauen (gegenüber 69 Prozent der Männer) geben an, die verschiedenen Altersvorsorgeoptionen zu verstehen. Wie viel Vermögen sie für den Ruhestand benötigen, können lediglich 38 Prozent der Frauen beziffern, aber 52 Prozent der Männer.

Der Wunsch nach besserer Aufklärung ist groß: Neun von zehn Frauen wünschen sich mehr Unterstützung zu zentralen Vorsorgethemen – vom verfügbaren Gesamtbetrag bei Renteneintritt (90 Prozent) über Einkommensmöglichkeiten und die Reichweite der Ersparnisse (je 87 Prozent) bis zu den steuerlich günstigsten Optionen (87 Prozent). Arbeitgeber, Rentenversicherer, Vermögensverwalter und Staat, aber auch soziale Medien, FinFluencer, Online-Broker und Robo-Advisor könnten gemeinsam dazu beitragen, diese Lücke zu schließen.

Zurückhaltung am Kapitalmarkt

Nur 28 Prozent der Frauen schätzen sich selbst als finanziell erfahren ein. Das dürfte mit ein Grund sein, warum sie bei der privaten Vorsorge seltener als Männer auf kapitalmarktnahe Produkte setzen – obwohl ETFs und Investmentfonds langfristig höheres Wachstumspotenzial bieten können.

Der Unterschied zieht sich durch alle Gruppen. Selbst unter wohlhabenden Angestellten, die beim Investieren auf vergleichsweise wenige Hürden stoßen, halten 38 Prozent der Männer ETF-Produkte, aber nur 26 Prozent der Frauen. Besonders bemerkenswert: Auch bei der Generation Z, in der das Lohngefälle am geringsten ausfällt, halten Frauen nur halb so häufig ETF-Produkte wie gleichaltrige Männer (19 gegenüber 37 Prozent). Wer sich überproportional oft für renditeärmere Optionen entscheidet, dem entgeht langfristig potenzielles Vermögenswachstum.

Fazit

Die Hürden bei der Altersvorsorge liegen nicht an mangelnder Finanzkompetenz der Frauen, sondern daran, dass ihre Lebens- und Erwerbsbiografien unzureichend berücksichtigt werden. Produkte orientieren sich weiterhin vor allem am Modell durchgehender Vollzeiterwerbstätigkeit, und auch die Informationsaufbereitung wird den unterschiedlichen Ausgangslagen oft nicht gerecht. Verständliche Kommunikation und ansprechende Produktgestaltung sind entscheidend, um fundierte und selbstbewusste Vorsorgeentscheidungen zu ermöglichen.

Um Vertrauen ins Investieren zu schaffen, braucht es gezielte Information, Beratung und gut zugängliche Produkte. Das neue Altersvorsorgedepot, das ab Januar 2027 kommen soll, könnte ein Schritt sein, diese Herausforderungen anzugehen.