Rentenchef bei Evli „Ratingagenturen oft nicht in der Lage, die Risiken zu identifizieren“

Juhamatti Pukka, Leiter Anleihen bei Evli.

Juhamatti Pukka, Leiter Anleihen bei Evli.

DAS INVESTMENT: Ihr Fonds Evli Short Corporate Bond wurde von Lipper wurde als “Bester Fonds über 3 Jahre” und als “Bester Fonds über 5 Jahre” in der Kategorie “Unternehmensanleihen Euro - Kurzläufer” ausgezeichnet. Was machen Sie anders als andere Anbieter in derselben Fondskategorie?

Juhamatti Pukka: Unser Auswahlprozess für Unternehmensanleihen basiert auf der Analyse der wahren Kreditwürdigkeit eines Emittenten. Das bedeutet, dass wir uns nicht auf ein offizielles Rating verlassen, sondern auf die wirkliche zugrunde liegende Kreditqualität des Unternehmens. Da wir uns als Cross-Over-Anleger verstehen, sind wir nicht wie in einem Silo entweder nur auf Unternehmensanleihen mit hoher (Investment Grade) oder nur auf niedrige Qualität (High Yield) fixiert. Dies führt zu Investmentopportunitäten wie zum Beispiel Unternehmensanleihen, die ein aufgesplittetes oder gar kein Rating besitzen. In vielen Fällen weist dies einen deutlichen Renditeaufschlag bei vergleichsweise robusten Kreditwürdigkeit aus.

Wir legen mehr Wert auf Prognosefähigkeit und Stabilität als auf maximalen Ertrag. Dadurch konnten wir die meisten Mitbewerber insbesondere in schwierigen Marktumfeldern hinter uns lassen. Daneben halten wir uns an strenge selbstauferlegte Regeln, welche die Gewichtungen bezüglich Branchen und Laufzeiten begrenzen.

Zusammenfassend kann man sagen, dass wir nicht auf eine einzige Anleihenklasse beschränkt sind. Wir sind somit in der Lage die interessantesten Gelegenheiten aus dem gesamten Anlageuniversum auszumachen, wobei wir gleichzeitig, wie gesagt, einen eher vorsichtigen Ansatz verfolgen.

Warum verlassen Sie sich nicht auf die Angaben offizieller Ratingagenturen, wenn es um die Analyse der wahren Kreditwürdigkeit eines Emittenten geht?

Ein offizielles Bonitätsrating ist eine gehobene Meinung hinsichtlich einer Kreditqualität, aber auch nicht mehr. Ratingagenturen waren oftmals nicht in der Lage, die zugrunde liegenden Risiken korrekt zu identifizieren. In manchen Fällen waren Ratingagenturen auch zu aggressiv in der Unternehmenseinschätzung. Beispielsweise haben wir während der Eurokrise in spanische und italienische Versorger als auch Telekomunternehmen aufgrund der extremen Bewertungen investiert, welche aufgrund des Drucks durch die Bonitätsratings entstanden sind.  

In welchem Verhältnis kombinieren Sie in Ihrem Fonds verschiedene Anleiheklasse miteinander?

Wir kombinieren Unternehmensanleihen mit hoher und niedriger Kreditqualität, wie auch Anleihen ohne beziehungsweise mit einem Cross-over-Rating in dem Fonds. Der Markt bietet einen substanziellen Mehrwert, da viele Anleger oder Fonds nicht in der Lage sind, im Cross-Over Segment erfolgreich zu agieren. In ähnlicher Weise sind viele Investoren - sogar Investoren in hochverzinsliche Anleihen - nicht in der Lage, in Anleihen ohne Rating zu investieren, obwohl es in diesem Marktsegment sehr viele Qualitätsunternehmen gibt. Unsere Allokation basiert auf der Kombination aus fundamentaler und Bewertungsanalyse und kann sich im Zeitablauf aufgrund des relativen Mehrwertes verändern.