Foto: Missionszentrale der Franziskaner e.V.

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Rentenfonds à la Franziskaner

Rund 800 Jahre ist es her, als Franz von Assisi begann, sich um ausgegrenzte und arme Menschen zu kümmern. Diesem Vorbild folgen die Brüder des von ihm gegründeten Franziskaner-Ordens bis heute. Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung – kurz GFBS – sind ihre Ziele. Aber auch der menschenwürdige Umgang mit Geld steht seit Jahrhunderten auf der Agenda. Schon im 15. Jahrhundert verschmähten die Franziskaner Wucherzinsen und gründeten in Italien ein Pfandleihhaus, das nur den kostendeckenden Zins verlangte.

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Jetzt nehmen sie sich auch der Geldanlage an. Im April vergangenen Jahres legte Ampega Gerling auf Initiative der Missionszentrale der Franziskaner den terrAssisi Renten I AMI auf. Das Fondsmanagement kommt von Ampega Gerling, die Franziskaner geben Anlageregeln vor, die sich an Leitlinien im Geiste ihres Ordensgründers orientieren.

Dritter Partner ist Oekom Research. Die Nachhaltigkeitsexperten bewerten Unternehmen und Staaten anhand eines umfangreichen Katalogs von ökologischen, sozialen und ethischen Kriterien. Die Notenskala reicht von A+ für außergewöhnliche Leistungen bis D- für mangelndes Engagement im Nachhaltigkeitsbereich. Fondsmanager Bernd Feldhaus darf nur Anleihen von Unternehmen erwerben, die Oekom mindestens mit C bewertet, die Staaten müssen ein B+ oder besser aufweisen. Deutschland zum Beispiel ist mit B+ bewertet.

Ausschlusskriterien der Franziskaner

Der nächste Filter sind die Ausschlusskriterien der Franziskaner. Unternehmen und Staaten, die den ethischen Ansprüchen der Brüder nicht genügen sind für Feldhaus tabu. Im Vergleich zu anderen nachhaltigen Fonds fällt hier vor allem das Schöpfungs-Thema auf. Anleihen von Staaten, in denen Euthanasie erlaubt ist, kommen ebenso wenig ins Portfolio wie Titel von Unternehmen, die mit verbrauchender Embryonenforschung zu tun haben.

Die Ausschlusskriterien für Staaten sind relativ präzise definiert. Beispiele: Als Verstoß gilt Kinderarbeit, die nicht ausdrücklich von der ILO (International Labour Organisation) erlaubt ist oder ein Rüstungsbudget, das 3 Prozent oder mehr des Haushalts beträgt. Weitere Länder-Negativkriterien sind Arbeits- und Menschenrechtsverletzungen, Atomwaffenbesitz, starke Nutzung von Atomenergie, ein totalitäres Regime, Todesstrafe, Geldwäsche, Korruption, mangelnder Klimaschutz. Zudem nimmt Feldhaus Abstand von Unternehmen, die in den Bereichen Rüstung, Biozide, Glückspiel, Pornografie oder Tierversuche tätig sind, ebenso von Firmen mit ethisch kontroversen Wirtschaftspraktiken und Unternehmen, die Kinderarbeit nutzen, Arbeits- oder Menschenrechte verletzen.

Der Rentenfonds ist sehr sicherheitsorientiert, das Risiko wird durch kurze Zinsbindungen gering gehalten. Feldhaus kauft Anleihen mit einer durchschnittlichen Restlaufzeit von 24 Monaten. Sie sind alle in Euro notiert, und ihre Emittenten haben mindestens ein Bonitäts-Rating von A- von Standard & Poor’s. Staatsanleihen und Pfandbriefe stehen im Vordergrund. Unternehmens- und Bankenanleihen dürfen je maximal 20 Prozent des Volumens ausmachen. Bis zu 49 Prozent des Volumens darf in Bankguthaben angelegt sein, jedoch nur bei Banken, die den Kriterien von Oekom-Research und den Franziskanern entsprechen.

Hilfe von „oben“ bekommt Feldhaus allerdings nicht, daher müssen sich seine Anleger – wie alle anderen auch – im aktuellen Zinsumfeld mit wenig Rendite begnügen. Seit Auflage liegt der Fonds knapp 4 Prozent im Plus, seit Jahresanfang (bis zum 25. August) 1,7 Prozent – nicht üppig, aber Morningstar zufolge mehr als vergleichbare Fonds im Schnitt erzielten und das mit äußerst geringen Schwankungen von weniger als 1%.

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