Rentenfonds leicht gemacht

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Der Markt für Euro-Zinsanlagen ist schwer zu schlagen. Erst recht, wenn Fondsgebühren die Rendite drücken. Ein klarer Fall für Indexfonds.

Claus Meyer-Cording hatte sich verschätzt. Er hatte nicht damit gerechnet, dass die Renditen von Euroanleihen im ers­ten Halbjahr 2007 so kräftig steigen würden. Folglich sanken auch die Kurse der börsengehandelten Zinspapiere stärker als erwartet. Sie fraßen sogar die Zinsen auf, die Anleihen parallel dazu immer abwerfen. Meyer-Cording hatte sich zu offensiv positioniert. Sein Fonds, der DWS Invest Euro-Gov Bonds, verlor in den sechs Monaten bis Ende Juni 2,6 Prozent – einen Prozentpunkt mehr als sein Vergleichsindex.
Dass sogar der Chef des Rententeams von Deutschlands größter Fondsgesellschaft DWS danebengreift, zeigt, wie schwierig es ist, Zinsentwicklungen korrekt vorauszusagen. Und er war nicht der Einzige. „Fondsmanager für Eurorenten haben nur zwei wesentliche Stellschrauben, um den ohnehin schwer berechenbaren Markt zu schlagen: die Laufzeit der Papiere und die Schuldnerqualität“, sagt Kornelius Purps, Rentenstratege bei Unicredit. Je kürzer die Laufzeit einer Anleihe ist, desto niedriger sind die Kursschwankungen. Und es gilt: je schlechter der Schuldner, desto höher der Zinssatz.

Der Markt ist zu ruhig

Doch gerade in der Eurozone ist es schwierig, eine gute Leistung abzuliefern. Die Renditeunterschiede zwischen den einzelnen Euroländern betragen mitunter weniger als 0,1 Prozentpunkte. Die laufenden Verzinsungen liegen unter 5 Prozent im Jahr. Der Gesamtmarkt bewegt sich selten um mehr als ein halbes Prozent pro Monat.
Den auf diesen Markt spezialisierten Rentenfondsmanagern ergeht es damit wie einem Surfer, der bei ruhiger See wellenreiten soll. Zumal am Surfbrett ein Gewicht hängt – die jährlichen Fondskosten. Meyer-Cordings Bürde wiegt 0,95 Prozent. Das ist in etwa der europäische Durchschnitt. bei einigen Fonds kommt noch ein einmaliger Ausgabeaufschlag von bis zu 3 Prozent hinzu. Mit diesem Ballast ist es nahezu unmöglich, das Surfbrett an der Wasseroberfläche zu halten.Etwas besser haben es Fondsmanager, die Risikopapiere und Fremdwährungen beimischen dürfen. Hier herrschen ausreichend hohe Wellen, sodass sie etwas von ihrem Können zeigen können.
Eine Lösung für die Gewichtsprobleme bieten Exchange Traded Funds (ETFs) für Zinsanlagen. Sie bilden zwar nur die normalen Indizes der Rentenmärkte ab und können sie deshalb nicht überholen. Dafür reduzieren sich die Kosten deutlich. Die Rating-Agentur Lipper hat berechnet, dass ein Renten-ETF mit deutscher Zulassung im Schnitt nur 0,16 Prozent im Jahr kostet.
Bei einem Blick auf das Angebot in Deutschland wird deutlich, dass ETFs haupt­sächlich auf Wunsch von institutionellen Anlegern aufgelegt werden. Denn die meisten Produkte enthalten Anleihen mit fest definierten Laufzeitspannen. Doch um derartige Fonds effektiv zu nutzen, sind einige Kenntnisse über den Rentenmarkt nötig. „Privatanleger sollten sich an Fonds mit einem großen Laufzeitenspektrum halten“, empfiehlt deshalb Fondsmanager Markus Kaiser, der bei Veritas SG einen ETF-Dachfonds betreut.
Für deutsche Staatsanleihen erledigt das der Eb.Rexx Index der Deutschen Börse. Er ist das Vorbild für den I-Shares Eb.Rexx Government Germany, der als erster deutscher Renten-ETF im Februar 2003 auf den Markt kam. Damals verantwortete ihn noch die Fondsgesellschaft Indexchange. Sie wurde 2007 mit I-Shares verschmolzen und gehört nun ebenfalls zu Barclays Global Investors.

Bundesanleihen sind Standard

Der Eb.Rexx Government Germany Index enthält die 25 meistgehandelten deutschen Staatsanleihen mit Restlaufzeiten zwischen 1,5 und 10,5 Jahren.  Das unterscheidet ihn vom deutschen Rentenindex Rex, dessen Bestandteile in Wirklichkeit gar nicht existieren. „Der Rex ist ein künstlicher Index, der die Wertentwicklung eines hypothetischen Anleihenportfolios angibt“, erklärt I-Shares-Vorstand Götz Kirchhoff. Auf den Rex könne es daher nie einen ETF geben. Deutsche Anleihen gelten unter Investoren als nahezu risikofrei. Sie haben in Krisenzeiten stabilere Kurse, bringen jedoch auch weniger Zinsen als jede andere Euroanleihe. Wer sein Rentenportfolio auf ganz Euroland ausweitet, erzielt also minimal höhere Renditen bei leicht stärkeren Kursschwankungen.
Hier kommen die I-Boxx-Indizes von der International Index Company (IIC) ins Spiel. Als Basisinvestment eignen sich zwei laufzeitneutrale ETFs: der DB X-Trackers II I-Boxx € Sovereigns Eurozone Total Return von der Deutschen Bank und der I-Shares I-Boxx € Liquid Sovereigns Capped 1.5 - 10.5. Der Unterschied: Der erste Fonds bildet alle auf Euro lautenden Staatsanleihen der Euroländer ab. Der I-Shares-Fonds berücksichtigt nur Papiere mit Restlaufzeiten zwischen 1,5 und 10,5 Jahren und einem Mindestvolumen von 4 Milliarden Euro. Welchen Fonds ein Privatanleger wählt, ist Geschmackssache.
Lyxor, die ETF-Tochter der französischen Société Générale, konzentriert sich bei ih­ren Rentenfonds auf Indizes der Rentenhandelsplattform Euro-MTS. „Sie ist die liquideste Bond-Handelsplattform in Europa“, lautet die Begründung von Deutschland-Chef Thomas Meyer zu Drewer. Nur in Geografie müssen die Indexbastler noch etwas nachsitzen. Obwohl die Plattform nur Anleihen der Euro-Staaten enthält, trägt der gleichnamige Lyxor-Fonds den Zusatz „Global“. Weil aber alle Laufzeiten enthalten sind, ist er eine gute Anlaufstelle für Privatanleger.

Nur wenige spezielle Fonds

Für die etwas höheren Renditeansprüche haben die ETF-Anbieter erst wenige Nischenprodukte parat. Der I-Shares € Corporate Bond besteht aus Unternehmensanleihen der Eurozone mit mindestens guter Schuldnerqualität. Sie versprechen langfristig höhere Renditen als Staatsanleihen, bergen kurzfristig aber ein höheres Kursrisiko. Das Dollar-Gegenstück bringt zwar die höheren Zinsen auf die Waage, weil es aus US-Anleihen besteht. Anleger holen sich aber auch das volle Dollar-Risiko ins Depot.
Eine weitere Spezialität sind Pfandbriefe. Diese Papiere haben Banken als Schuldner, sind aber zudem indirekt mit Grundschulden auf Immobilien besichert. Renditen und Kursrisiken liegen damit unter denen von Unternehmensanleihen, aber über Staatspapieren. Entsprechende ETFs gibt es von I-Shares und Lyxor.
Der Markt für Zins-ETFs schläft zwar nicht, aber im Vergleich zu anderen Segmenten döst er. Einen der wenigen Knüller des vergangenen Jahres lieferte die Deutsche Bank: Sie brachte Ende Juni den ersten deutschen Indexfonds auf den Geldmarktzinssatz Eonia heraus, den Euro Over Night Index Average. Im Gegensatz zu herkömmlichen Geldmarktfonds investiert der ETF nicht in börsengehandelte verzinsliche Geldmarktpapiere, sondern bildet taggenau die Eonia-Verzinsung ab. Und das bei einer Kostenquote von 0,15 Prozent im Jahr. Das Konzept zieht: Nur vier Monate nach Auflage war das Fondsvolumen auf mehr als eine Milliarde Euro angeschwollen.
Doch nun der Haken: Weil es den Eonia-ETF nur an der Börse gibt, werden bei jedem Kauf und Verkauf Umsatzgebühren von 0,25 Prozent oder mehr fällig. Damit ist schon die Eonia-Verzinsung von mehreren Monaten futsch. Privatanleger sollten sich daher vor dem Kauf bei ihrer Bank erkundigen, ob sie den Fonds spesenfrei und ohne Ausgabeaufschlag direkt bei der Fondsgesellschaft kaufen können.
Weitere Projekte der Deutschen Bank seien je eine Dollar- und Pfund-Variante des
Eonia-Fonds, kündigt Thorsten Michalik an, der das ETF-Geschäft leitet. Außerdem werde es auch einen ETF auf europäische Pfand­briefe geben.
Andere Anbieter sind zurückhaltender. „Wir schauen uns unter anderem gerade das Thema Schwellenländer-ETFs an“, sagt I-Shares-Vorstand Kirchhoff. Für Details sei es aber noch zu früh. Lyxor hat in Frankreich den Lyxor ETF Euro Cash aufgelegt. Er gleicht dem Geldmarkt-ETF der Deutschen Bank und dürfte bald nach Deutschland kommen. Von einem normalen internationalen Renten-ETF ist allerdings noch immer keine Spur.
Der steht jedoch auf dem Wunschzettel von Dachfondsmanager Kaiser, ebenso wie ein ETF für Wandelanleihen. Er wird sich noch gedulden müssen.


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