Rentenfonds: Steigende Zinsen verlieren ihren Schrecken

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Wahrlich keine leichte Situation für Renteninvestoren. Bisher sorgten lediglich die tiefen Zinsen für Ernüchterung bei den Renditeerwartungen. Zukünftig steht sogar die Kapitalsubstanz auf dem Spiel. Auch wenn die US-Notenbank die Einschränkung ihrer unkonventionellen Geldpolitik noch etwas hinauszögert, die Zinswende scheint längst eingeleitet.

Steigende Renditen bei Anleihen bergen Sprengstoff. Liegen ausschließlich länger laufende Staatsanleihen im Depot, kann bereits ein Zinsanstieg von einem Prozentpunkt zu empfindlichen Verlusten führen und die Erträge mehrerer Kalenderjahre aufzehren. Dieser negative Effekt fällt umso stärker aus, je weiter die Rückzahlungstermine der Zinspapiere in der Zukunft liegen. Gefährdet sind auch Investmentgrade-Unternehmensanleihen, deren Renditen ebenfalls stark rückläufig waren.

Duration als Stellschraube in verändertem Zinsumfeld

Rentenanleger, die in dieser Situation klassischen Strategien folgen, können sich aus der drohenden Zinsfalle nur schwer befreien. „Ihnen stehen naturgemäß nur wenige Renditequellen zur Verfügung“, bemerkt Jason Singer. Um der aktuellen Kapitalmarkt-Situation zu trotzen, zieht der Portfoliomanager des Goldman Sachs Global Strategic Income Bond Portfolio (ISIN: LU0609002307) daher alle Register. Natürlich ist auch Singer mit seinem Fonds an den internationalen Rentenmärkten investiert. Um Veränderungen des Zinsumfeldes zu begegnen, variiert der Anleihemanager jedoch die Duration, was schwerpunktmäßig über den Einsatz von Derivaten erfolgt.

Die Duration gibt in Form einer Kennziffer an, wie stark ein Wertpapier oder ein gesamtes Portfolio auf Zinsänderungen reagiert. Sieht der Fondsmanager entsprechende Gefahren für sein Depot, fährt er die Duration herunter. Diese kann dabei auch auf null sinken oder sogar in negativem Terrain positioniert werden. In diesem Fall würde Singers Rentenfonds nicht unter einem allgemeinen Zinsanstieg leiden, sondern diese Entwicklung als Ertragsquelle für sich nutzen können.

Chancen in allen Marktsegmenten aufspüren

Die Duration stellt jedoch nicht die einzige zusätzliche Ertragsquelle dar, mit der sich Singer von klassischen Renten-Strategien unterscheidet. „Wir verfolgen insgesamt acht verschiedene Renditestrategien und gewichten diese völlig individuell – je nachdem, welche Chancen sich gerade bieten“, erläutert der Stratege von Goldman Sachs (zum Interview).

Dem Portfoliomanager arbeiten insgesamt acht Teams zu, die sich dabei jeweils auf ein Fachgebiet spezialisiert haben, um Chancen in allen Segmenten des Rentenmarktes aufzuspüren. Allein sechs Experten kümmern sich um das Thema Duration. Hinzu kommen weitere Teams für Währungs-, Länder- und Sektoranalysen, die im Rahmen einer Top-Down-Strategie Empfehlungen für die Zusammenstellung des Portfolios abgeben.

Weitere Experten erschließen sich die Rentenmärkte anhand eines Bottom-Up-Ansatzes. Sie sondieren die Chancen einzelner Wertpapiere beziehungsweise Assetklassen. Singer kann hier auf die Unterstützung von Spezialisten für Schwellenländer-Bonds, Hypothekenanleihen und Unternehmensanleihen bauen.

Frei von Anlagerestriktionen

Die breite Aufstellung hat System. Das Fondsmanagement orientiert sich bewusst an keinem Vergleichsindex. Das Team um Singer nimmt sich vielmehr die Freiheit, stets Segmente mit einem aussichtsreichen risikobereinigten Renditepotenzial zu bevorzugen. „Wir können uns in- und ausländische Sektoren des Rentenmarktes ansehen. Das gilt sowohl für Industrie- als auch für Schwellenländer“, erläutert der Anleiheexperte.

Vorgaben für die Gewichtung einzelner Sektoren gibt es nicht, alleine die Marktmeinung des Fondsmanagements bestimmt die Strategie. Diese Flexibilität bedeutet aber nicht, dass der Fonds unangemessene Wetten eingeht, etwa indem er ausschließlich auf Schwellenländer oder den High-Yield-Bereich setzt. Singer legt vielmehr Wert auf eine breite Streuung des Anlagekapitals. Er vermeidet es, die Risiken über das an den Rentenmärkten übliche Niveau hinaus ansteigen zu lassen. „Unser Ziel ist es, dauerhaft positive anleihetypische Renditen unter Eingehung anleihetypischer Risiken zu erzielen“, beschreibt Singer die Investmentgrundsätze.

Ähnlich wie beim Durationsmanagement sichert Singer auch Währungs-, Bonitäts- und Länderrisiken ab, wenn ihm die Markteinschätzung seiner Teams dazu Anlass gibt. Umgekehrt werden entsprechende Kursbewegungen fallweise ausgenutzt, um auch unter widrigen Marktbedingungen positive Erträge zu erzielen. Für europäische Anleger hat Goldman Sachs Asset Management eine Euro-Tranche des Fonds aufgelegt, die Währungs-schwankungen zwischen Euro und US-Dollar absichert.

Mit der flexiblen Strategie ist der Portfoliomanager bisher gut gefahren. „Mit unserem Ansatz haben wir in den vergangenen Jahren Gesamtrenditen von 5,5 bis 6 Prozent bei einer Volatilität von weniger als 4 Prozent erzielen können“, merkt Singer an.

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