Rentenfondsmanager Arif Husain „Das sind die Haupttreiber für globale Anleihen 2019“

China: Anleihen in der Landeswährung Renminbi erscheinen laut Arif Husain vom Asset Manager T. Rowe Price derzeit als aussichtsreiche Anlagechance. | © Manuel Joseph

China: Anleihen in der Landeswährung Renminbi erscheinen laut Arif Husain vom Asset Manager T. Rowe Price derzeit als aussichtsreiche Anlagechance. Foto: Manuel Joseph

Nach einem starken Jahr für die US-Wirtschaft wird 2019 voraussichtlich von einer Abschwächung dominiert sein, die das Wachstum der größten Volkswirtschaft der Welt in Richtung ihres langfristigen Durchschnittspotenzials drückt.

Diese Entwicklung ist bedingt durch die Unsicherheit über Handelszölle und die Rücknahme der geldpolitischen Stimuli. Dementsprechend könnte sich die Wachstumslücke zwischen den USA und den anderen entwickelten Märkten schließen, was erhebliche Auswirkungen auf die Weltmärkte haben wird.

Weitere Lockerung der Fed-Geldpolitik in Sicht

Arif Husain, T. Rowe Price

Eine Folge des schwächeren US-Wachstums dürfte die Verlangsamung der geldpolitischen Straffung der Federal Reserve (Fed) sein. Dies wird bereits von den Märkten erwartet, die nur eine Erhöhung im Jahr 2019 einpreisen, während die jüngsten im Dezember veröffentlichten Diagramme der Fed zwei Anhebungen signalisieren. Die US-Notenbank war im Hinblick auf die Normalisierung der Geldpolitik im Vergleich zu anderen Zentralbanken in den Industrieländern bisher am weitesten vorangeschritten.

Die Aussicht auf weniger Zinsschritte vonseiten der Fed werde sich wahrscheinlich gegenüber anderen Ländern in strafferen US-Renditen äußern, da die Zentralbanken, wie die Europäische Zentralbank, die lockere Politik nur langsam aufheben. Langfristige US-Anleihen und kurzfristige deutsche Anleihen zu verfolgen, war eine Zeit lang ein beliebter, aber erfolgloser Ansatz. Dennoch könnten US-Staatsanleihen in der aktuellen Marktsituation eine überdurchschnittliche Performance erzielen.

Auswirkungen des langsameren US-Wachstums

Vor allem der US-Dollar könnte unter einem Rückgang des US-Wachstums leiden. Denn der US-Dollar habe im Jahr 2018 dank des attraktiven Carry-Profils die ungewöhnliche Rolle gespielt, sowohl als sichere Währung in Zeiten des Marktstroms zu agieren, als auch eine riskante Währung in Zeiten niedriger Volatilität zu sein. Diese Doppelrolle habe zu einer Aufwertung gegenüber fast allen Haupt- und Schwellenländerwährungen geführt. Allerdings scheinen viele gute Nachrichten in den US-Dollar eingepreist zu sein, und das macht ihn verletzbar.

Die Bewertungen für die Währungen der Industrieländer könnten nun förderlicher sein, um langfristige Positionen gegenüber dem US-Dollar einzunehmen - dies reicht jedoch nicht unbedingt aus, um die Anleger zu überzeugen, entsprechend zu handeln. Während der Euro normalerweise ein erstklassiger Kandidat für eine Aufwertung ist, sind die jüngste Abschwächung in Deutschland und die politische Unsicherheit in Italien und Frankreich Warnzeichen für einige internationale Investoren. Nur eine stetige Verbesserung der europäischen Wirtschaftsbedingungen dürfte zu einer deutlichen Aufwertung des Euro führen.

Vorteile für Währungen der Schwellenländer

Die Währungen der Schwellenländer könnten - gestützt von einer nachgiebigeren Geldpolitik der Fed - 2019 die wirklichen Gewinner sein. Insbesondere die Währungen von Ländern mit hohen Finanzierungskosten wie dem südafrikanischen Rand, der türkischen Lira und der indonesischen Rupiah, sollten davon profitieren.

Eine weniger aggressive Fed könnte auch einige osteuropäische Währungen unterstützen, darunter den polnischen Zloty und die tschechische Krone, die über attraktive Bewertungen und positive Wachstumsaussichten verfügen. Dieses Szenario hat jedoch einen großen Vorbehalt. Die USA müssen um ihr langfristiges Potenzial herum wachsen. Jedes Zeichen einer stärkeren Verlangsamung in den USA könnte die Währungen der Schwellenländer in den freien Fall stürzen.

Investition in chinesischer Lokalwährung

Eine potenziell bessere Möglichkeit bestehe im aktuellen Umfeld darin, in lokale Schwellenländeranleihen zu investieren. Eine stärker akkomodierende Fed würde zusammen mit einer Stabilisierung des US-Dollars den Zentralbanken in den Schwellenländern mit ihren aktuellen hohen Zinssätzen etwas Freiraum lassen und möglicherweise einigen Akteuren den Spielraum geben, die Geldpolitik zu lockern.

Insbesondere China fällt in dieser Hinsicht auf: Die chinesische Wirtschaft verlangsamt sich in einer Zeit, in der der Inflationsdruck zurückgegangen ist. Trotzdem zögert die Zentralbank, die Zinssätze zu senken, da der US-Dollar die Währung unter Druck gesetzt hat. Ein stabiler chinesischer Renminbi könnte die Zentralbank zum Handeln zwingen. Eine einfachere geldpolitische Haltung, kombiniert mit der Aufnahme Chinas in globale Rentenindizes, macht die Investition in chinesische Lokalanleihen zu einem attraktiven Angebot.

2019 entwickelt sich zu einem weiteren Jahr, in dem Fundamentaldaten und Bewertungen die Haupttreiber für globale Fixed-Income-Märkte sind. Darüber hinaus wird der Appetit auf Risiko und Schutz voraussichtlich eine Schlüsselrolle in den Märkten spielen. Die weitere Entwicklung wird stark vom Wachstumspfad der USA abhängen.