Rentenmärkte im Frühling: Christophe Frisch über die PIGS

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Die unsolide Haushaltspolitik diverser Euro-Länder – allen voran der PIGS-Staaten Portugal, Italien, Griechenland und Spanien – beherrschte diesen Frühling die Rentenmärkte. Die Risikoaufschläge für die Absicherung griechischer Staatsanleihen gegen mögliche Kreditausfälle weiteten sich dramatisch aus. Zeitweise stiegen sie um mehr als 600 Basispunkte auf über 1.000 Basispunkte (= 10 Prozentpunkte). Das führte dazu, dass zweijährige griechische Anleihen in dieser Zeit vorübergehend Renditen von bis zu 20 Prozent auswiesen.

Der Rest des Marktes blieb davon nicht unberührt. Auch Risikoaufschläge von Unternehmensanleihen, Bankanleihen und diversen Pfandbriefen erhöhten sich – wenn auch weniger stark. Einzig gut positionierte Banken und Industrieunternehmen aus nicht PIGS-Regionen entwickelten sich leicht positiv.

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Neue Emissionen gab es im Frühjahr weniger als üblich. Das gilt sowohl für Unternehmensanleihen und Bankanleihen als auch für Pfandbriefe. Viele Banken nutzten als wichtigste Refinanzierungsquelle die diversen Refinanzierungsmöglichkeiten der Zentralbanken statt den Kapitalmarkt zu nutzen.

Rettungspaket bringt kurzfristige Beruhigung

Kurz bevor eine große Anleihe Griechenlands fällig wurde, haben die Europäische Union (EU) und der Internationale Währungsfonds (IWF) Ende April Stützungsmaßnahmen für Griechenland im Volumen von rund 110 Milliarden Euro beschlossen. Da kurz darauf trotzdem andere Länder wie Spanien, Portugal und Irland intensiv in die Diskussion über mögliche Staatspleiten hineingezogen wurden, machten die Regierungen der Euroländer Anfang Mai deutlich, dass Ausfälle von Euroländern nicht zugelassen werden. Zusammen mit dem Internationalen Währungsfonds haben die EU-Staaten ein Rettungspaket zur Stabilisierung der Eurozone bereitgestellt. Gesamtvolumen: rund 750 Milliarden Euro. Aus dem Topf sollen sich Länder im Notfall refinanzieren können. Kurzfristig sorgten diese Maßnahmen für eine Beruhigung an den Kapitalmärkten.

Doch Anleger scheuen weiterhin das Risiko und warten ab. Das zeigt sich auch an den Renditen für zehnjährige Bundesanleihen. Mit 2,5 Prozent waren die Anfang Juni so niedrig wie nie zuvor.

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