Rentenmarkt Diese 3 Gründe sprechen jetzt für den Euro

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Euro innerlich gefestigt

Martin W. Hüfner, Assenagon

Im Augenblick sind es vor allem drei Gründe, die sie bewegen. Zum einen hat sich die Gemeinschaftswährung in den letzten Jahren innerlich gefestigt. Es gab zwar nicht die großen Reformen, wie sie etwa der französische Staatspräsident im Sinn hatte. Es wurde aber eine Reihe von kleinen, stetigen Fortschritten erzielt, etwa bei der Bildung der Banken- und Kapitalmarktunion.

Irland, Portugal und Spanien haben die Anpassungsprogramme der Gemeinschaft erfolgreich abgeschlossen. Griechenland kann sich wieder an den Märkten refinanzieren. In Italien gibt es zwar neue Probleme. Die Regierung in Rom scheint aber so wie es aussieht gewillt, diese nicht eskalieren zu lassen. Es ist klar, dass sich all das positiv auf die Bereitschaft der Zentralbanken auswirkt, Geld in Euro anzulegen.

Gestiegenes Selbstbewusstsein

Der zweite Grund ist das gestiegene Selbstbewusstsein der Europäer. Der Europäische Rat hat sich Ende letzten Jahres ausdrücklich dazu bekannt, die internationale Rolle des Euros stärken zu wollen. Die EZB hat sich in ihrem letzten Bericht über die internationale Rolle des Euros deutlich von der neutralen Haltung distanziert, die die EZB ursprünglich gegenüber einer Nutzung des Euros auf internationaler Ebene eingenommen hatte. Internationale Gelder sind in der Währungsunion willkommen. Das gefällt natürlich den Anlegern.

»Internationale Gelder sind in der Währungsunion willkommen.«

Dies vor allem auch deshalb, weil sie sehen, dass der Zufluss von Auslandsgeldern auch im Interesse der Europäer selbst liegt. Die EZB betont, dass die Wirkung ihrer Geldpolitik steigt, wenn der Euro eine größere globale Rolle spielt. Sie zieht hier Vergleiche mit der amerikanischen Federal Reserve, deren Geldpolitik vor allem für die Schwellen- und Entwicklungsländer so wichtig ist.

Sie erklärt ferner, dass sie bei einer größeren Rolle des Euros weniger von internationalen Entwicklungen abhängig ist. Ihre geldpolitische Autonomie steigt. Auch von Wechselkurseffekten ist sie weniger betroffen, wenn ein größerer Teil des Handels in Euro fakturiert wird.

USA verlieren Attraktivität

Der dritte Grund ist, dass die USA in letzter Zeit an Attraktivität verloren haben. Sie haben zwar einen größeren Kapitalmarkt und bieten derzeit einen höheren Zins. Von der weltweiten konjunkturellen Abschwächung sind sie kaum betroffen. Andererseits schreckt die erratische Politik von Präsident Trump. Wem man in Sachen Handelspolitik nicht trauen kann, bei dem legt man natürlich auch nicht so gern sein Geld an.

Wichtig für den Anleger

Richten Sie sich darauf ein, dass der Euro internationaler werden wird. Das bringt mehr Kapitalzuflüsse und kommt damit den Kapitalmärkten zugute, vor allem den Rentenmärkten. Wer sein Geld im Ausland anlegen will, muss allerdings die Wechselkursrisiken bedenken. Der US-Dollar ist zwar nach wie vor fest, und es gibt viele Dollar-Bullen am Markt. Ich würde mich aber wundern, wenn das auf Dauer so bleibt, nicht zuletzt, weil der amerikanische Präsident den Dollar lieber etwas schwächer sieht.

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