Rentenportfolios: die Strategien der Fondsmanager

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Im Frühjahr 2012 erfüllte sich für Wolfgang Schäuble der Traum eines jeden Finanzministers. Die Bundesrepublik Deutschland platzierte eine Anleihe zu null Prozent Zinsen. Zu diesen Konditionen überließen die Anleger dem Staat 4,5 Milliarden Euro für zwei Jahre. Die Finanzagentur des Bundes hätte einen noch deutlich höheren Betrag aufnehmen können. Vielleicht hätte sie dies auch tun sollen – schließlich profitiert die öffentliche Hand stark von dem Nullzins-Papier. Die Teuerungsrate beträgt derzeit etwa zwei Prozent. Wird der Schuldtitel im Jahr 2014 zurückgezahlt, hat die Bundesrepublik einen kleinen Teil ihrer Verbindlichkeiten bereits weginflationiert. Die Investoren werden hingegen mit dem Verlust ihrer Kaufkraft dafür bestraft, dass sie dem Staat Geld borgen.

Die Situation lässt sich nur mit der tiefgreifenden Verunsicherung an den Kapitalmärkten erklären. Die Investoren sind bereit, Geld zum Nulltarif zu verleihen, weil sie es bei einem erstklassig beleumdeten Schuldner wie Deutschland sicher wähnen. Doch auch die heimische Volkswirtschaft ist nicht gegen Rückschläge immun. Und Angst ist grundsätzlich ein schlechter Ratgeber, gerade auch bei der Kapitalanlage.

Systemwechsel vollzogen

Auf Euro lautende Staatsanleihen galten vor Jahren als absolut sicher. Trotzdem boten sie eine angemessene Verzinsung. Beides ist heute Geschichte. Inzwischen wird allgemein anerkannt, dass kein Schuldner weltweit mehr eine „risikolose Rendite“ gewährleistet.

Damit die Inflationsfalle nicht zuschnappt, generieren erfolgreiche Rentenfondsmanager Zusatzerträge, indem sie ihr Portfolio breiter aufstellen und regelmäßig umschichten. Naturgemäß bringen aktive Strategien auch Risiken mit sich. Diese lassen sich jedoch beherrschen, wenn einige Grundsätze beachtet werden. Eine aktive Strategie zeichnet sich unter anderem durch folgende Elemente aus:

  • Diversifikation: Eine breite Streuung über unterschiedliche Emittenten und Schuldnergruppen gewährleistet, dass Schwierigkeiten in einem einzelnen Segment nicht gleich das gesamte Depot ins Schwanken bringen. So ist es zum Beispiel denkbar, Anleihen unterschiedlicher Staaten wie z.B. Deutschland, Frankreich oder Schweden mit Zinstiteln bonitätsstarker Konzerne wie Siemens oder General Electric zu mischen. Wurden die Anleihen in Euro begeben, besteht nicht einmal ein Währungsrisiko.

  • Bonitätsmanagement: Je geringer die Bonität, desto höher der Zins, lautet ein Grundsatz. Doch Bonitäten schwanken. In Zeiten von Finanzkrisen, staatlichen Rettungsprogrammen und Zentralbank-Interventionen erfolgen diese Anpassungen urplötzlich - starke Kursbewegungen sind die Folge.

    Portfoliomanager können in dieser Situation drohende Einbußen durch Verkäufe vermeiden oder durch den Einsatz von Derivaten auch neutralisieren. Umgekehrt lassen sich die Marktbewegungen auch gewinnbringend nutzen. Bessert sich beispielsweise die Qualität eines Schuldners oder steigt die Akzeptanz eines gesamten Rentensegments, erzielt der Investor bei einem rechtzeitigen Einstieg Kursgewinne.

  • Laufzeitenmanagement: Mit der Wahl der richtigen Laufzeiten verfügt der Investor über eine weitere wichtige Stellschraube. Bei anhaltend hohen oder sinkenden Marktrenditen wird er Zinspapiere mit langen Restlaufzeiten bevorzugen. Liegt das allgemeine Zinsniveau hingegen am Boden oder steigen die Kapitalmarktrenditen, werden kurze Laufzeiten übergewichtet. Rentenpapieren mit langen Restlaufzeiten drohen bei diesem Marktszenario nämlich Kurseinbußen.

    Rentenfondsmanager beobachten die durchschnittliche Restlaufzeit ihres Portfolios, auch Duration genannt, sehr genau. Ändert sich die Marktlage, können sie die Duration mithilfe von Derivaten schnell ihrer aktuellen Markteinschätzung anpassen, ohne gleich den gesamten Bestand an Wertpapieren umschichten zu müssen.

  • Liquididätsmanagement: Eine besondere Herausforderung stellt die Beobachtung der Liquidität einzelner Rentemarktsegmente dar. Verzinsliche Wertpapiere werden eigentlich gekauft und gehalten. Viele Anleihen sind daher grundsätzlich weniger liquide als z.B. deutsche Standardaktien. Kommt es zu Marktverwerfungen, finden Käufer und Verkäufer teilweise nicht mehr zueinander. An- und Verkaufsgebote klaffen in solchen Fällen weit auseinander. Der faire Preis für ein Wertpapier ist dann kaum noch zu ermitteln.
Aufgabe eines Renteninvestors ist es, solche Liquiditätsrisiken im Auge zu behalten. Potenziell illiquide Segmente sollten gemieden werden.
Erfahrene Rentenfondsmanager wie Christophe Frisch von AmpegaGerling Investment nutzen das gesamte Instrumentarium der verfügbaren Strategien, um für ihre Investoren mehr herauszuholen. Frisch greift zum einen auf ertragsstarke Zinstitel zurück, die dem einzelnen Privatanleger vom Namen her kaum etwas sagen dürften.

Zum anderen nutzt der Portfoliomanager mittelfristige Markttrends aus, um die Gesamtrendite seines Portfolios zu steigern. Auf diese Weise schaffte er es, trotz des vorherrschenden Niedrigzins-Umfeldes alleine seit Jahresbeginn 2012 einen Wertzuwachs von mehr als sechs Prozent zu erzielen.

>> Zum Interview mit Christophe Frisch

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