Rettungsanker Riester

Rettungsanker Riester

//
Viele gute Nachrichten konnte Bernhard Schareck auf dem jährlichen Pressekolloquium der Versicherungswirtschaft dieses Mal nicht verkünden. Nur noch 7,6 Millionen neue Lebens- und Rentenversicherungen schlossen die Bundesbürger vergangenes Jahr ab – das sind 5,2 Prozent weniger als 2006. Doch der Präsident des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) hatte zumindest einen Grund zur Freude. „Positive – ich möchte fast sagen – strahlende Ausnahme ist der Neuzugang in der Riester-Rente. Die geradezu stürmischen Steigerungen in den beiden Vorjahren wurden 2007 noch einmal übertroffen.“ Mit insgesamt 2,1 Millionen abgeschlossenen Ries ter-Policen im vergangenen Jahr feiert die Assekuranz einen neuen Rekord. 28 Prozent aller neu abgeschlossenen Policen aus dem Lebensbereich waren für das Riestern. Jeder dritte Berechtigte versorgt „Die Riester-Verträge werden 2008 wieder einen erheblichen Faktor der Versicherungsnachfrage bilden“, prognostiziert der Verbandspräsident. Potenzial gibt es genug: Bisher hat erst etwa jeder dritte Riester-Berechtigte einen Vertrag. Gleichwohl hat das Wachstum der Riester-Rente im ersten Halbjahr etwas nachgelassen. Der Grund dafür ist vermutlich die lange bestehende Unsicherheit über die Neuerungen beim Riestern. Erst am 20. Juni beschloss der Bundestag das neue Eigenheimrentengesetz, das die meisten der Verbesserungen regelt: • Höhere Kinderzulage: Für jedes ab 2008 geborene Kind gibt es 300 Euro statt bisher 185 Euro im Jahr. Die Zulage wird so lange gezahlt, wie es Kindergeld gibt, also maximal 25 Jahre. Insgesamt zahlt der Staat so bis zu 7.500 Euro pro Kind in den Riester-Vertrag der Mutter ein (wahlweise in den Vertrag des Vaters). • Berufseinsteigerbonus: Wer nach dem 1. Januar 1983 geboren wurde, erhält 2008 einen Bonus von 200 Euro. Voraussetzung: Er hat bereits einen Riester-Vertrag, oder er schließt ihn noch bis zum Jahresende ab. Die einmalige Sonderzahlung wird es auch in den kommenden Jahren geben, allerdings nur für neue Riester-Sparer, die zu Beginn des jeweiligen Jahres noch nicht 25 Jahre alt waren.  • Riestern bei Berufsunfähigkeit: Seit diesem Jahr besteht auch bei einer vollständigen Erwerbsminderung oder einer Dienstunfähigkeit ein Anspruch auf die Riester-Förderung.  • Riestern fürs Eigenheim: Eine selbst genutzte Immobilie lässt sich besser in die Riester-Förderung einbeziehen. Seit diesem Jahr können auch Hypothekentilgungen, Bausparprodukte und Wohnungsgenossenschaftsanteile unter bestimmten Bedingungen von der staatlichen Förderung profitieren. Außerdem kann ein angespartes Guthaben aus einem bereits bestehenden Riester-Vertrag besser als bisher in eine Baufinanzierung eingebracht werden. So muss zum Beispiel das entnommene Kapital nicht mehr bis zum Beginn des Ruhestands zurückgeführt werden. Dadurch stellt es nun echtes Eigenkapital dar, das den Schuldendienst verringert und die Häuslebauer entlastet. Weil bei vollständiger Entnahme des Gut habens kein Kapital für eine Leistung im Ruhestand zur Verfügung steht, wird die bei der Riester-Rente übliche Besteuerung über eine Ersatzregelung vorgenommen, das sogenannte Wohnförderkonto. Die vorgesehene Besteuerung ist vergleichsweise günstig: Das Wohnförderkonto erfasst die entnommenen Beträge und verzinst diese bis zum Ruhestand fiktiv mit 2 Prozent im Jahr. Im Ruhestand muss dann der aufgelaufene Betrag entweder jährlich versteuert werden (gleichmäßig verteilt auf die Zeit bis zum Erreichen des 85. Geburtstags) oder einmalig zu Beginn der Rente, dafür dann mit einem Abschlag von 30 Prozent. Riester- Sparer kommen so unschlagbar günstig zu Eigenkapital für ihr Eigenheim. Durch die ständigen Verbesserungen lohnt sich das Riestern deshalb für immer mehr Bürger. Sehr beliebt sind die klassischen Riester-Policen. Etwa jeder zweite Riester-Sparer hat sich bisher für ein solches Produkt entschieden. Anfang 2008 – neuere Zahlen liegen noch nicht vor – zählte die Assekuranz rund 5,5 Millionen klassische Verträge in ihrem Bestand. Das Rating-Haus Franke & Bornberg hat diese Riester-Policen unter die Lupe genommen. Kriterien waren dabei unter anderem die Möglichkeiten, die Policen während der Laufzeit anzupassen, die Flexibilität beim Rentenbeginn sowie die Konditionen bei einer Kündigung. In der Tabelle auf Seite 76 sind die Tarife aufgeführt, die eine Bestbewertung (FFF) im Produkt-Rating „Aktiv“ und „Komfort“ erhalten haben. Die Versicherungsspezialisten aus Hannover haben ihr Bewertungssystem in diesem Jahr außerdem um einen Punkt erweitert. „Im Produkt-Rating ,Aktiv‘ berücksichtigen wir nun auch die aktuelle Überschussbeteiligung, die der Versicherer seinen Kunden zahlt“, berichtet Michael Franke, geschäftsführender Gesellschafter von Franke & Bornberg. Dies gilt für alle Produkte, bei denen die Überschüsse eine wichtige Rolle für das Endergebnis spielen. So soll die aktuelle Ertragsstärke des Versicherers stärker in die Bewertung einfließen. Bei der Verzinsung zeigen die klassischen Riester-Policen deutliche Unterschiede, wie die Rating-Agentur Assekurata in einer Studie vom Juni feststellte. Die derzeit geplante Rendite auf den Sparanteil schwankt zwischen 4,15 und 5,57 Prozent im Jahr (inklusive Schlussgewinn). Top-Zins bei Stuttgarter und Allianz Gleich zwei der fünf Versicherungsgesellschaften, die von Franke & Bornberg eine doppelte Spitzenbewertung erhielten, stehen auch in der Assekurata-Studie ganz vorne: Stuttgarter Leben kommt auf eine geplante Gesamtverzinsung von 5,57 Prozent im Jahr. Es folgt Allianz mit 5,50 Prozent. Etwas schwächer schneidet die Direkte Leben mit 5,05 Prozent ab. Aber auch dieser Wert liegt über dem Marktdurchschnitt. Die anderen zwei top-platzierten Versicherer aus dem Franke & Bornberg-Rating nahmen an der Assekurata-Studie im Bereich der Riester-Rente nicht teil. Überraschend hoch ist die Zahl der Riester-Fondspolicen. Nach GDV- Angaben gab es davon Anfang 2008 rund 2,5 Millionen. Dies ist besonders erstaunlich, weil die Fondspolicen von verschiedener Seite wegen ihrer meist höheren Kosten im Vergleich zu den reinen Riester-Fondsparplänen kritisiert werden. „Wer bei Riester in Fonds investieren will, sollte direkt zu einer Investmentgesellschaft gehen“, rät etwa Thorsten Rudnik, Vorstand des Bundes der Versicherten. Die Stiftung Warentest berücksichtigt Riester-Fondspolicen inzwischen sogar nicht mehr in ihren Untersuchungen. Dennoch boomen gerade diese Produkte. Allein vergangenes Jahr waren von den 2,1 Millionen abgeschlossenen Riester-Policen 900.000 fondsgebunden. Ein Grund für das wachsende Interesse dürften die erheblichen Produktverbesserungen sein. Anfangs boten die Gesellschaften zum Teil nur fondsgebundene Produkte an, die in Wirklichkeit klassische Policen waren, bei denen die Anleger die laufenden Überschüsse in Fonds anlegen durften. Verbesserte Renditechancen Danach dominierten jahrelang klassische Hybridmodelle. Bei ihnen fließt der Großteil in den Deckungsstock, ein relativ kleiner Teil in Fonds. Die Weiterentwicklung der Hybridmodelle ermöglicht heute deutlich höhere Fonds- und Aktienquoten. Zu den neuen Garantievarianten von Fondspolicen siehe Seite 64. Eine Reihe von Versicherern hat diese Verbesserungen auch für ihre Riester- Fondspolicen übernommen. Allein die Nürnberger Versicherung bietet inzwischen vier Varianten von Riester-Fondspolicen an – angefangen bei der klassischen Police, die nur die Überschüsse in Fonds angelegt, bis hin zu den dynamischen Hybridmodellen der neusten Generation, die je nach Marktlage die Gelder auf den sicheren Deckungsstock, einen Wertsicherungsfonds oder teilweise auch auf andere Fonds aufteilen. Die Tabelle zeigt die Policen mit Hybridmodellen mit Wertsicherungsfonds, die von Franke & Bornberg die Bestnote erhalten. DWS liefert Policen-Bausteine Allerdings bieten nicht alle Versicherer das volle Leistungsspektrum ihrer verbesserten Fondspolicen auch als Riester- Produkt an. So schränkt etwa HDI-Gerling – der Vorreiter bei den dynamischen Hybridpolicen – die Fondsauswahl bei seiner Riester-Fondspolice deutlich ein. Statt 38 Fonds stehen nur fünf Anlageprodukte zur Auswahl. An der Verbesserung der Riester-Fondspolicen hat auch eine Investmentgesellschaft maßgeblich mitgewirkt. DWS liefert etlichen Versicherern Bausteine für die modernen Hybridmodelle zu. Zudem hat die Deutsche-Bank-Tochter ihr neustes Riester-Produkt eins zu eins in eine Riester-Fondspolice für die Zürich Leben eingebaut. In stark abgewandelter Form gibt es das Produkt auch bei der Aachen Münchener Leben. „Einige Vertriebspartner verkaufen lieber eine Police, weil ihre Expertise im Versicherungsbereich liegt“, begründet Baki Irmak von DWS dieses Vorgehen. „Zudem bevorzugen manche Kunden für ihre Altersvorsorge immer noch eine Versicherungslösung.“ Der Erfolg gibt der Fondsgesellschaft bisher recht. Von der eigenen Riester-Rente Premium verkaufte DWS im ersten Halbjahr 62.000 Verträge. Über die beiden Versicherer kamen im selben Zeitraum 209.000 Neuabschlüsse zusammen.

Mehr zum Thema
LebensversicherungSo funktioniert die Zinszusatzreserve GDV-Chef Jörg AsmussenVersicherer erwarten 2020 nur Miniwachstum Als Teil der RentePolitik muss Sparpläne mit Aktien fördern