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Wachtendorf-Kolumne Riester-Rente: Das habe ich nun davon

DAS-INVESTMENT-Kolumnist Egon Wachtendorf
Riester-Rentner wider Willen: DAS-INVESTMENT-Kolumnist Egon Wachtendorf | Foto: DAS INVESTMENT

Einem Fondsmanagement-Team bedauernd bescheinigen zu müssen, dass es einen Tick zu gut gewirtschaftet hat, mutet auf den ersten Blick absurd an. Doch ich fühle mich gerade so, und wie es dazu kam, ist schnell erzählt. Auch wenn ich dafür etwas weiter ausholen muss.

Als der damalige Bundesarbeitsminister Walter Riester 2001 mit großem Tamtam das später nach ihm benannte Fördersystem für die private Altersvorsorge präsentierte, war ich zunächst skeptisch – zu bürokratisch, zu starr, zu sehr auf Garantien fixiert. Dennoch, die Prämien für eine vorübergehend nicht berufstätige Mutter zweier um die Jahrtausendwende geborener Kinder schienen schon ziemlich verlockend.

 

So schloss also meine Frau 2002 einen Riester-Fondsvertrag ab, während ich weiter meine seit Jahren bestehenden Sparverträge auf herkömmliche Aktienfonds bediente. Leider stieß diese Aufteilung schon bald an ihre gesetzlichen Grenzen, denn irgendwann war meine Frau nur noch mittelbar zulagenberechtigt. Um ihre Förderung nicht zu gefährden, musste ich ab 2005 doch selbst ran mit Riestern. Wofür mir, da inzwischen älter als 40 Jahre, von der Investmentgesellschaft meiner Wahl nur noch ein Mischfonds-Konstrukt angeboten wurde.

Nun ja, auch Mischfonds können gut performen. Vorausgesetzt natürlich, sie werden gut gemanagt und nicht ständig von der Zentralen Zulagenstelle für Altersvermögen ausgebremst. Als von dort Anfang 2010 wegen eines Formfehlers ohne Rücksprache mehrere vor der Finanzkrise angelegte Kinderzulagen zu massiv gefallenen Anteilspreisen storniert wurden mit der vagen Aussicht, diese nach einer Prüfung des Sachverhalts irgendwann zu dann wieder deutlich höheren Preisen erneut zu investieren, platzte mir allerdings endgültig der Kragen. Seither ruhen beide Verträge zugunsten anderer Lösungen – in der Hoffnung, am Ende in Form einer Kleinbetragsrente abgefunden zu werden.

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Eine Hoffnung, die im Falle meiner Frau aufgeht. Sie erhält Ende 2024 ihr komplettes angespartes Riester-Guthaben in Höhe von rund 6.000 Euro ausbezahlt. Bei mir hingegen liegt die durch Einzahlungen und Performance erreichte monatliche garantierte Rente bei 36,81 Euro und damit knapp über der für eine Abfindung maßgeblichen Grenze von 35,35 Euro.

Heißt: Vom derzeit ausgewiesenen Altersvorsorgevermögen in Höhe von 16.038,31 Euro darf ich maximal 30 Prozent abzwacken. Den Rest gibt es in Raten, was ohne Teilauszahlung Versicherungskosten in Höhe von 4.996,31 Euro verursacht. Das berühmt-berüchtigte Langlebigkeitsrisiko. Um diese Kosten durch die auch nach meinem 85. Geburtstag lebenslang garantierte Rente von 36,81 Euro wieder hereinzubekommen, müsste ich mindestens 96 Jahre alt werden.

 

Noch einmal mit spitzem Bleistift nachgerechnet: Zwischen 2005 und 2009 in den Vertrag eingezahlt wurden 10.598,76 Euro, zur Verrentung gelangen abzüglich Versicherungskosten 11.042 Euro. Macht ein Plus von mageren 443,24 Euro. Sollte ich tatsächlich erst mit 96 sterben, zahle ich überdies bis 2060 allein an die Fondsgesellschaft 594 Euro Depotgebühren. Hinzu kommen weitere, bislang nicht exakt bezifferbare Verwaltungskosten für die Leibrente.

Ob die eingangs über den grünen Klee gelobten Fondsmanager es schaffen, mit ihrer künftigen Leistung das drohende Minus abzuwenden? Zweifel bleiben, denn bei dem Lob handelte es sich um puren Sarkasmus. Wenn aus 10.598,76 Euro bis 2024 in 15 Jahren 16.038,31 Euro werden, entspricht das einer Rendite von 2,8 Prozent – wobei ein Teil des Geldes länger als 15 Jahre Zeit hatte zu arbeiten und es somit vermutlich nur 2,5 oder 2,6 Prozent sind. Fazit kurz vor der Zielgeraden: Bis auf den Fauxpas Riester-Rente habe ich bei der privaten Altersvorsorge wohl alles richtig gemacht.

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