Risikofaktoren In alle Richtungen absichern

Alain Robert erklimmt den Arche de la Défense in Paris. Absicherung ist seit der Finanzkrise auch bei Investoren von großer Bedeutung. (Bild: Getty Images)

Alain Robert erklimmt den Arche de la Défense in Paris. Absicherung ist seit der Finanzkrise auch bei Investoren von großer Bedeutung. (Bild: Getty Images)

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Anleger sind seit der Finanzkrise vorsichtiger geworden. Dieser Tage wollen Sparer nach unserem Eindruck keine hochriskanten Portfolios, um hohe Renditen zu erzielen. Sie interessieren sich vielmehr für Lösungen, die auf einem bestimmten Risikoniveau Stabilität bieten können.

Eine immer beliebter werdende Lösung hierfür sind Multi-Asset-Portfolios. Denn diese haben das Ziel, Aktien-ähnliche Renditen bei geringerer Volatilität zu erzielen. Viele Multi-Asset-Ansätze setzen jedoch vor allem auf traditionelle Methoden der Allokation, wie Umschichtungen zwischen Aktien, Anleihen und liquiden Mitteln. Wir verfolgen dagegen eine Strategie, die ein größeres Instrumentarium zur Ermittlung wertsteigernder Anlagen nutzt – durch Streuung über Risikofaktoren, nicht Vermögensklassen.

„Es gibt kaum Anlagen ohne Haken und Ösen“

Die Erfahrung aus der Finanzkrise lehrt uns, dass die Korrelation zwischen Vermögensklassen eher stärker wird, wenn ein heftiger Marktschock auftritt. Sie entwickeln sich dann größtenteils synchron. Dadurch können Anleger unseres Erachtens die Vorteile der Diversifizierung nicht voll ausschöpfen.

Als Team beurteilen wir das globale Wachstum optimistisch. Wir erkennen positive Signale für riskante Anlagen wie Aktien. Uns ist allerdings klar, dass es – selbst unter den als „sicher“ geltenden – kaum Anlagen ohne Haken und Ösen gibt. Ein Anleger oder Portfoliomanager muss die zur Verfügung stehenden Möglichkeiten daher gründlicher betrachten. So sind die Rahmenbedingungen für festverzinsliche Anlagen derzeit heikel, mit extrem niedrigen Zinsen in vielen Industrieländern weltweit. Entsprechend schwierig ist es für Anleger, mit dieser Vermögensklasse Erträge zu erwirtschaften. Alternativ wenden sich manche Anleger vielleicht den Schwellenmärkten zu, um potenzielle Chancen ausfindig zu machen.

Streuung ist wichtiger als Timing

Vor dem Hintergrund dieser Entwicklungen und angesichts der offensichtlichen Auseinanderentwicklung der globalen Geldpolitik stehen wir unseres Erachtens vor weiteren volatilen Zeiten.

Um die Risikobeiträge in unseren Portfolios zu steuern weisen wir verschiedenen Risikofaktoren Gewichtungen zu, die sich jeweils nach unserer Top-down-Markteinschätzung richten. Dabei berücksichtigen wir, dass kein einzelner Risikofaktor im Portfolio zu stark gewichtet ist. Dieser Ansatz hat zu einer neuen Betrachtung unsere Portfolios geführt: In der Vergangenheit wiesen wir den Risikobeitrag nach Vermögensklassen aus, also nach Aktien, Währungen und Anleihen. Jetzt fassen wir unsere Anlagen unter einer von vier Stilrichtungen zusammen, um mehr Transparenz zu gewährleisten.

Wachstumsstrategien: Strategien, die darauf abzielen, Anlagechancen zu finden, bei denen wir gutes Zuwachspotenzial sehen

Defensive Strategien: Strategien, die darauf abzielen, Anleger bei großen Markteinbrüchen vor erheblichen Verlusten zu schützen

Stabilitätsstrategien: Strategien, die bei nur geringfügig höherem Risiko darauf abzielen, die Geldmarktrenditen konsistent zu übertreffen

Chancenorientierte Strategien: Wachstums- oder defensive Strategien, die aus Marktverzerrungen oder kurzfristigen Wertveränderungen Kapital schlagen

Durch die Bündelung dieser Strategien stellen wir sicher, dass das Portfolio nicht nur zu einer Stilrichtung tendiert. Die traditionelle Asset-Allokation richtet sich womöglich überwiegend auf Wachstumsstrategien aus, die Erträge erwirtschaften sollen. Durch die Kombination von mehreren Strategien wollen wir jedoch gezielt nicht nur das Aufwärtspotenzial von Marktentwicklungen im Griff behalten, sondern auch das Abwärtspotenzial.

Es geht unseres Erachtens nicht so sehr darum, wie genau man den Zeitpunkt des nächsten Markteinbruchs vorhersagen kann, sondern vielmehr darum, ein breit gestreutes Portfolio aus Anlagen aufzubauen, die tatsächlich nicht korrelieren.