Die auf Themeninvestments spezialisierte Fondsgesellschaft Rize ETF hat zum Jahresende 2023 die Schließung von vier ihrer börsengehandelten Indexfonds (ETFs) bekanntgegeben. Diese strategische Entscheidung folgt auf die Übernahme durch Ark Invest im September 2023, geleitet von der renommierten Technologieinvestorin Cathie Wood.

Die betroffenen Fonds sind:

  • Rize Education Tech and Digital Learning ETF
  • Rize Emerging Market Internet and Ecommerce ETF
  • Rize Medical Cannabis and Life Sciences ETF
  • Rize Pet Care ETF

Laut Unternehmensangaben zielt die Auflösung dieser Fonds darauf ab, das Angebot zu verfeinern und sich stärker auf Bereiche mit hohem Wachstumspotenzial zu konzentrieren.

Damit reagiert das Unternehmen auf die veränderte Wirtschaftslage. ETF-Anbieter müssen sich zunehmend auf langfristig wirtschaftlich tragfähige Fonds fokussieren. Die Ankündigung folgt einem Branchentrend zur Konsolidierung und Spezialisierung im ETF-Sektor. So fusionierte auch Han-ETF, ein weiterer Themenfonds-Anbieter, sein Cannabis-Aktienportfolio mit einem Gesundheitsfonds.

Themen-ETFs erlitten größere Abflüsse

Ursprünglich auf breite Marktindizes ausgerichtet, haben sich ETFs im Laufe der Zeit diversifiziert, sowohl in Bezug auf Asset-Klassen als auch auf spezifische Themen, die sektor- und länderübergreifend sind.

Trotz ihres Potenzials für hohe Renditen birgt die Auswahl des richtigen Themen-ETFs eine Reihe von Herausforderungen. Anders als bei klassischen ETFs, die bekannte Indizes abbilden, existieren für thematische ETFs keine etablierten Benchmarks. Jeder thematische ETF interpretiert das zugrunde liegende Thema individuell, was zu einer hohen Diversität in der Indexkonstruktion und damit verbundenen Risiken führt. Diese Variabilität in der Indexzusammensetzung resultiert in unterschiedlichen Risikoprofilen und Volatilitäten der Fonds.

Die jüngste Marktentwicklung, insbesondere während der turbulenten Börsenjahre 2020 bis 2022, die stark durch die Corona-Pandemie beeinflusst waren, hat die Risiken und die Volatilität von Themen-ETFs weiter verdeutlicht. Während einige Sektoren wie E-Commerce und E-Gaming zu Beginn der Pandemie florierten, litten andere wie Tourismus und Immobilien stark. Mit dem Abklingen der Pandemie und dem Ende der Lockdowns kehrte sich dieses Szenario um.

Hypes um Themen wie autonomes Fahren, Blockchain-Technologie, das Metaverse und zuletzt Künstliche Intelligenz haben ebenfalls die Aufmerksamkeit von Anlegern auf sich gezogen, wobei der Erfolg dieser Trends stark von der Medienaufmerksamkeit abhängt.

Hinzu kommt: Die Vielfalt an Themen-ETFs sorgte für eine gewisse Stagnation am Markt. Laut Athanasios Psarofagis von „Bloomberg Intelligence“ erleben viele Anleger eine „thematic fatigue“, also eine gewisse Themen-Müdigkeit. Viele der Anleger, die in der Vergangenheit von thematischen Fonds enttäuscht wurden, seien nun vorsichtiger geworden und zögern, weitere finanzielle Mittel nachzuschießen. 

 

Lohnen sich Themenfonds? 

Der Datenanbieter Scope hat vor einigen Monaten untersucht, ob sich Investments in Themenfonds überhaupt lohnen. Die ernüchternde wie deutliche Antwort: Nur zwei Themenbereiche konnten den MSCI World Index in den zwölf Monaten des Betrachtungszeitraums schlagen. Zieht man den Betrachtungszeitraum auf drei Jahre, bleibt sogar nur ein Sektor übrig. Die meisten anderen Themen-Investments hinken dem breiten Markt hinterher. Teils liegt die Performance 14,6 Prozentpunkte hinter dem MSCI World. Hier finden Sie die gesamte Auswertung.

Trotz der gemischten Performance können Themenfonds als sogenannte „Satelliten-Investments“ sinnvoll sein. Anleger können ihrem Portfolio dadurch eine persönliche Note verleihen und gleichzeitig die Diversifikation erhöhen. Sie bieten die Chance auf hohe Renditen in speziellen Marktsegmenten, bergen jedoch auch das Risiko unterdurchschnittlicher Performance. Anleger sollten daher nicht nur den Hype, sondern auch die Substanz hinter den Themenfonds sorgfältig prüfen.