Rob Lovelace über den Capital Group New Perspective Fund „Die Strategie entwickelt sich mit dem Welthandel“

Rob Lovelace, Capital Group: „Unsere Anlagestrategie ist heute so aktuell wie vor 45 Jahren.“ | © Capital Group

Rob Lovelace, Capital Group: „Unsere Anlagestrategie ist heute so aktuell wie vor 45 Jahren.“ Foto: Capital Group

Herr Lovelace, seit 2015 bieten Sie den Capital Group New Perspective Fund auch in Europa und Asien an – vorher nur in den USA. Was waren die Beweggründe für diesen Schritt?

Rob Lovelace: Erst einmal verfolgen wir mit dieser Strategie ein Ziel, das gut zu unserem themenorientierten Investment-Konzept passt – schließlich streben wir einen langfristigen Wertzuwachs durch weltweite Investitionen in Aktien an. Darüber hinaus ist die Investitionsstrategie des New Perspective Fund auch sehr gut für Investoren in Asien und Europa eignet. Hinzu kommt, dass wir unsere Portfolios in Segmente aufteilen, die von verschiedenen Managern unabhängig voneinander gesteuert werden. So sorgen wir für stetige Erträge, beseitigen Ängste vor möglichen Managerwechseln und gewährleisten, dass Anleger uns langfristig treu bleiben.

Lassen Sie uns über die Entwicklung des Welthandels sprechen: Wie wichtig ist dieses Thema im Fondsmanagement?

Lovelace: Seit der Auflegung der New-Perspective-Strategie im März 1973 in den USA investiert das Management in Unternehmen, die von Veränderungen des Welthandels sowie vom wirtschaftlichen und politischen Wandel profitieren – und zwar unabhängig vom internationalen Marktumfeld. Dabei ist entscheidend, wo ein Unternehmen geschäftlich tätig ist. In den vergangenen 45 Jahren war die Lage an den Finanzmärkten oft ähnlich wie heute, auch wenn die Herausforderungen und Chancen anders waren.

Wie beurteilen Sie die Handelskonflikte des Jahres 2018?

Lovelace: Die vielen parallelen Entwicklungen sind irritierend. Handelsvereinbarungen stehen weltweit auf dem Prüfstand. Die Neuverhandlung des Nordamerikanischen Freihandelsabkommens (NAFTA) leitet aber keineswegs das Ende des Freihandels ein. Ich hoffe, dass das United-States-Mexico-Canada-Agreement (USMCA), das die NAFTA ersetzt, letztlich eine bessere und weitreichendere Vereinbarung sein wird.

Ähnlich beurteilen wir bei Capital Group den Brexit: Auch hier sind erneute Verhandlungen wichtig, denn am Ende könnten daraus belastbare Handelsverträge zwischen Großbritannien und der Europäischen Union entstehen. Das ist auch der Grund, warum wir in keiner dieser Entwicklungen einen echten Aufhänger für einen Handelskrieg sehen. Vielmehr werden bestehende Vereinbarungen zwischen Ländern neu verhandelt mit dem Ziel, auch weiterhin miteinander Handel zu treiben.

Sprechen wir über China: Wie beurteilen Sie die Situation im Land?

Lovelace: In China stehen Investoren vor Herausforderungen. Das zeigt sich besonders deutlich in den jüngsten Erklärungen des chinesischen Präsidenten Xi Jinping. So signalisierte er einen Politikwechsel, weg von wirtschaftlicher Zusammenarbeit hin zu einem direkten Wettbewerb. Im „Plan 2025“ sagt Jinping ganz klar, dass China in Branchen, die für andere Länder bedeutend sind, eine dominierende Stellung anstrebt. Der Außenhandel ist dabei nur ein kleiner, aber wichtiger Teil eines umfassenden Pakets. Wenn sich Jinpings Haltung nicht ändert, werden die internationalen Beziehungen problematisch bleiben.

Bei Capital Group fokussieren wir den Außenhandel, weil China viel mehr Waren und Dienstleistungen exportiert als importiert. Sicherlich, die USA können Zölle einführen, und irgendwann wird China darauf nicht mehr in gleicher Weise reagieren können. Letztlich wollen aber sowieso beide Volkswirtschaften weiterhin Handel miteinander treiben. Entscheidend für die Intensivität wird sein, wie China generell mit seinen Handelspartnern umgeht.

In den vergangenen Jahren haben Wachstumsaktien Substanzwerte hinter sich gelassen. Dennoch haben Sie im New Perspective Fund in Wachstumswerten übergewichtet. Wie passt das zusammen?

Lovelace: Unsere New-Perspective-Strategie gab es schon, bevor die heutige Unterscheidung zwischen Growth und Value aufkam. Wir haben noch nie nur auf eines der beiden Konzepte gesetzt. Wichtig ist einfach, die besten Unternehmen zu finden, um überdurchschnittliche Erträge für unsere Investoren zu erzielen.

Natürlich hat sich in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder die Portfoliostruktur des Fonds verändert. Aber das gehört dazu, schließlich wollen wir uns nicht durch Stilvorgaben einschränken lassen. Das ist übrigens auch der Grund, weshalb wir keine Top-down-Prozesse haben. Letztendlich beruht der Ansatz auf einem Bottom-up-Konzept mit dem Resultat, dass sich die Anteile von Wachstums- und Substanzwerten im Zeitablauf verändern. Der Grund für solche Verschiebungen ist nicht, dass ein oder mehrere Manager bewusst entscheiden, Growth oder Value überzugewichten. Unsere Strategie verfolgt anderes Konzept.

Und zwar welches?

Lovelace: Portfoliomanager sollen die Welt aus einem anderen Blickwinkel betrachten. Jeder verfolgt konsequent seinen eigenen Stil. Zurzeit gelten viele der Multinationals und Digitalunternehmen, in die wir investieren, als Wachstumswerte. Unsere Strategie hat sich also dahingehend verändert, dass sie aus Sicht vieler Beobachter einen Wachstumsschwerpunkt hat – eben, weil es uns gelungen ist, Chancen frühzeitig zu erkennen, um dann vom Erwachsenwerden dieser Unternehmen zu profitieren.