Robeco-Expertin Mehr Anlagechancen außerhalb der USA

Fabiana Fedeli, globale Leiterin Fundamental Equities, erklärt, welche Märkte außerhalb der USA eine entscheidende Rolle für ein Investment spielen könnten. | © Robeco

Fabiana Fedeli, globale Leiterin Fundamental Equities, erklärt, welche Märkte außerhalb der USA eine entscheidende Rolle für ein Investment spielen könnten. Foto: Robeco

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Ich sehe die besten Anlagechancen außerhalb der USA. Der beim Wachstum der Unternehmensgewinne zwischen den USA und anderen Ländern bestehende Abstand rechtfertige nicht mehr die großen Bewertungsunterschiede. Die Aktienmärkte machten ihre schlechte Performance vom letzten Vorjahresquartal rückgängig. So hat sich der MSCI World in US-Dollar um fast 16 Prozent und in Euro um fast 17 Prozent verbessert. Bemerkenswerterweise haben die Aktienmärkte aller großen Wirtschaftsräume dieses Tempo beibehalten – mit nur leichtem Vorsprung für die USA. Klarer Nachzügler ist Japan, wo auch ein ungünstiger Dollar/Yen-Wechselkurs zu einer unterdurchschnittlichen Performance beigetragen hat.

Wie geht es weiter? War es das schon? In letzter Zeit wurde ich oft von Kunden gefragt, ob sie nach der Rally in den Schwellenländern Gewinne mitnehmen sollten. Nicht gefragt werde ich dagegen, ob man bei US-Aktien Gewinne mitnehmen und das Geld anderswo anlegen sollte. Und auch wenn es anscheinend größeres Interesse an bestimmten Märkten wie zum Beispiel China gibt, ist die Versuchung groß anzunehmen, dass der US-Aktienmarkt so wie in den letzten Jahren weiter eine überdurchschnittliche Performance erreichen wird, während die anderen großen Aktienmärkte irgendwann an Schwung verlieren werden. Wir wagen es, die vier gefährlichsten, jemals ausgesprochenen Wörter zu sagen: „Diesmal ist es anders.“ Lassen Sie mich das anders ausdrücken: „Diesmal könnte es anders sein, wenn sich mehrere Voraussetzungen erfüllen.“

Situation bei den Gewinnrevisionen muss sich wieder verbessern

Was unserer Ansicht nach anders sein wird: Es wird mehr Gelegenheiten geben, außerhalb der USA eine überdurchschnittliche Performance zu erzielen. Das heißt nicht, dass wir einen Absturz des US-Aktienmarkts erwarten (was alle übrigen Märkte mit nach unten ziehen würde), sondern nur, dass nach dem Abklingen der positiven Effekte von Präsident Trumps Steuersenkungen der Abstand beim Wachstum der Unternehmensgewinne unserer Meinung nach nicht mehr die großen Unterschiede bei den Bewertungskennzahlen rechtfertigt.

Die IBES-Konsenserwartungen zum Gewinnwachstum für den MSCI US-, den MSCI Europe- und den MSCI Emerging Markets-Index für 2019 sind 4,1 Prozent, 5,5 Prozent und 6,8 Prozent. Die für 2019 erwarteten Kurs-Gewinn-Verhältnisse betragen 17,2, 13,6 und 12,1. Voraussetzung dafür ist natürlich, dass die Gewinnerwartungen außerhalb der USA nicht zurückgehen und der Abstand beibehalten wird. Das heißt, die Situation bei den Gewinnrevisionen, die sich im letzten Quartal 2018 an allen großen Aktienmärkten verschlechtert hatte, muss sich jetzt wieder verbessern.

Grund für die Rally im ersten Quartal war die Einsicht der Anleger, dass die Panik im vorhergehenden Vierteljahr die Aktienkurse weiter nach unten gedrückt hat, als es ausgehend von den Fundamentaldaten gerechtfertigt gewesen wäre. Die Weltwirtschaft hatte an Schwung verloren, stand aber nicht vor dem Kollaps. Die dunklen Wolken, die die Aussichten noch düsterer erscheinen ließen, nämlich eine auf Zinserhöhungen erpichte US-Notenbank Fed und die Verschärfung des Handelskonflikts zwischen den USA und China, haben sich schließlich verzogen. Inzwischen – nach einem Anstieg um 16 Prozent – haben die Märkte gegenüber den Fundamentaldaten wieder aufgeholt. Was wir jetzt brauchen, ist eine Verbesserung der Fundamentaldaten, die sich schließlich in den Unternehmensgewinnen niederschlägt.

Handelsabkommen der USA mit China und mit Europa

Das erste Teil des Puzzles ist ein Handelsabkommen zwischen den USA und China. Dies ist aus zwei Gründen notwendig. Erstens, weil die Aufnahme von Verhandlungen maßgeblich zu der Stimmungsverbesserung unter den Anlegern beigetragen hat und negative Meldungen die Märkte erneut auf Talfahrt schicken könnten. Und zweitens, weil ein solches Abkommen ein erster Schritt wäre, um der schwächer gewordenen Weltwirtschaft zu neuer Stärke zu verhelfen. Großenteils war die Verlangsamung der Weltwirtschaft in den letzten Monaten auf die unmittelbaren und mittelbaren Auswirkungen des Handelskonflikts zwischen den USA und China zurückzuführen (Unternehmen wurden entweder unmittelbar in Mitleidenschaft gezogen oder sind vorsichtiger geworden, was ihre Investitionsplanung betrifft).

Außerdem muss ein Handelsabkommen nicht perfekt sein – und das wird es sehr wahrscheinlich auch nicht. Es muss nur gut genug sein, damit die im Lauf von 2018 eingeführten Zölle wieder abgeschafft werden. Jedes Abkommen dürfte auf kurze Sicht viele Fragen offen lassen – ob es um die tatsächliche Umsetzung, die Zukunft von Technologie-Transfers oder den Vollzug eines Abkommens zwischen den USA und Europa geht. Dennoch kann die Antwort auf keine dieser Fragen für die Weltwirtschaft so schlecht sein wie die angedrohten 25-prozentigen Zölle auf alle zwischen den USA und China gehandelten Waren.