Robeco-Expertin Mehr Anlagechancen außerhalb der USA

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Chinas Binnenwirtschaft braucht Stimulierung

Zweitens brauchen wir die weitere Unterstützung durch die größten Notenbanken der Welt in Form einer eher lockeren Geldpolitik. Dies ist angesichts der zurzeit schwachen Rahmenbedingungen für die Weltwirtschaft besonders wichtig. Denken wir an die Schwellenländer, in denen Aktien in der Vergangenheit unabhängig der Geldpolitik der US-Notenbank Fed von guten Wachstumsaussichten profitiert haben (zum Beispiel auch während des Zinserhöhungszyklus der Fed von 2004-2006). Bei ungünstigen Wachstumsbedingungen, wie sie derzeit herrschen, ist die Unterstützung durch die Fed aber von entscheidender Bedeutung.

Drittens ist es erforderlich, dass Chinas Regierung die Binnenwirtschaft weiter stimuliert und den Balanceakt zwischen Konjunkturförderung einerseits und Schuldenmanagement andererseits schafft. Uns allen ist bewusst, dass sich Chinas Wirtschaftswachstum strukturell weiter abschwächt. Wenn die Regierung des Landes aber für eine sanfte Landung sorgen kann, werden die Anleger dank der strukturellen Veränderungen, die in Chinas Wirtschaft stattfinden, immer noch überzeugende Anlagechancen finden können.

Sollten die Unsicherheiten über Europas Zukunft, nämlich der Brexit, der Handelskonflikt zwischen der EU und den USA sowie Italiens wirtschaftliche Probleme, aus dem Weg geräumt werden, wäre dies natürlich großartig. Wir wollen aber nicht unbescheiden sein und sind der Auffassung, dass die Märkte mit etwas mehr Unsicherheit in Europa fertig werden sollten. Dies gilt, solange die anderen wichtigen Voraussetzungen (Beilegung des Handelskonflikts zwischen den USA und China, zurückhaltende Geldpolitik der Notenbanken und Konjunkturförderung in China) erfüllt werden.

Mehrere Katalysatoren wirken zugunsten der Schwellenländer

Wir sehen, dass alle erforderlichen Katalysatoren für die Schwellenländer vorhanden sind. Und es gibt erste Anzeichen der Besserung: Die Einkaufsmanagerindizes tendieren in einigen wenigen Ländern, nämlich China, Brasilien und Indonesien, bereits nach oben und bei den Gewinnrevisionen ist anscheinend die Talsohle erreicht. Natürlich dürfen wir nicht vergessen, die Schwellenländer stellen keine homogene Anlageklasse stellen und einige von ihnen entwickeln sich besser als andere. Im gegenwärtigen Umfeld ragen China und Brasilien heraus.

Nach unserer Überzeugung steht Japan als nächstes auf der Einkaufsliste, weil auch dort bestimmte makroökonomische Daten besser werden. Aber die Gewinnrevisionen sind nach wie vor schwach. Wir entdecken attraktive Anlagechancen in Europa und auch bei den Gewinnrevisionen gibt es Anzeichen dafür, dass die Talsohle erreicht ist. Allerdings sehen wir auch das Risiko, dass uns Phasen mit hoher Volatilität bevorstehen. Denn die Märkte wollen Klarheit über den Brexit, die Handelsgespräche zwischen der EU und den USA und über die weitere wirtschaftliche Entwicklung in Italien.

Neutrale Haltung zu Industrieländern, positive Haltung zu Schwellenländern

Ausgehend von den obigen Überlegungen bleibt unser Investment-Team bei seiner neutralen Haltung zu den Aktienmärkten der Industrieländer, ist aber zu einer positiven Haltung zu denen der Schwellenländer übergegangen. In unserem auf fünf Faktoren basierenden Rahmenkonzept hat das Team für Schwellenländer den Stimmungsindikator höher bewertet. Grund dafür ist die veränderte geldpolitische Situation in den USA und das konstruktivere Verhältnis zwischen China und den USA, das wiederum zu einer kräftigen Erholung der Mittelflüsse geführt hat.

Auslösend für die globale Aktienmarkt-Rally im ersten Quartal 2019 war die Erkenntnis, dass die Weltwirtschaft nicht auf einen Abgrund zusteuert. Damit die Stimmung unter den Anlegern positiv bleibt, muss es jetzt an den Märkten Anzeichen für eine Verbesserung der Fundamentaldaten geben. Wenn sich das Tempo der Verbesserungen nicht auf die USA beschränkt und andere Märkte zumindest die bisherige Dynamik beibehalten können, wird das Bewertungsniveau in Japan und Europa weitere überzeugende Anlagechancen bieten. Dann wird es diesmal wirklich anders sein.

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