Alan van der Kamp, Fondsmanager bei Robeco

Alan van der Kamp, Fondsmanager bei Robeco

Robeco-Fondsmanager

„Frankreich bewegt sich in Richtung Peripherie“

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Alan van der Kamp versucht gar nicht erst, seine Überraschung zu verbergen oder abgeklärt rüberzukommen. „2014 war ein fantastisches Jahr, was im Vorfeld überhaupt nicht zu erwarten war“, sagt der Niederländer, der für die Fondsgesellschaft Robeco als Client-Portfoliomanager arbeitet.

In der Tat sah es nicht so aus, dass Anleihekurse noch einmal steigen und Risikoaufschläge sich noch einmal weiter verringern könnten. Schließlich war der Markt schon Ende 2013 weit gelaufen. Und dann ging es doch weiter. Nicht zuletzt durch die offenherzige Europäische Zentralbank, die es für eine gute Idee hält, selbst Anleihen zu kaufen. Na ja.

Doch wie geht es nun weiter? Van der Kamp sieht drei zentrale Punkte, die im neuen Jahr 2015 in seinen Portfolios eine Rolle spielen sollen.

Zuvor müssen wir aber ein paar Begriffe erklären: Die Zinskurve ist ein Graph, auf dem alle Renditen von Anleihen eines Schuldners mit sämtlichen Laufzeiten abgetragen sind. Spreads sind die Renditeaufschläge für eingegangene Schuldnerrisiken – gemessen im Vergleich zu risikofreien Anlagen, in Europa meist Bundesanleihen. Spreads misst man in Basispunkten, wobei 1 Basispunkt 0,01 Prozentpunkten entspricht. Als nachrangig bezeichnet man Anleihen, die im Insolvenzfall nach allen anderen Anleihen aber noch vor dem Aktionär ausgezahlt werden.

DAS INVESTMENT.com: Was halten Sie von den Peripherieländern der Eurozone?

Alan van der Kamp
: Ohne aktives Management geht es nicht mehr. Die Zinskurven sind gesunken und flacher geworden. Sich einfach nur Anleihen aus Euro-Krisenländern ins Portfolio zu legen, funktioniert nicht mehr. Man muss sich die Zinskurve genau anschauen und die lukrativsten Fälligkeiten suchen.

Wo liegen die?

Bei drei bis fünf Jahren. Dort ist die Kurve steiler.

Wenn die Eurokrise wieder ausbricht und Anleger Angst bekommen, gibt es bei diesen Anleihen in jeder Laufzeit ein Desaster?

Damit rechnen wir aber nicht. Irland hat sich hervorragend erholt, und auch Spanien und Portugal kommen mit ihren Reformen voran und sehen erste Erfolge in der Wirtschaft.

Das sind nur drei Länder.


Mit der Lage in Italien sind wir in der Tat nicht sehr glücklich. Da kommt die Regierung mit Reformen nicht voran. Und auch Frankreich sieht nicht gut aus.

Sie bezeichnen Frankreich nicht ernsthaft als Peripherie?

Es bewegt sich bedenklich in diese Richtung. Die unterschiedlichen Richtungen in die sich die Länder bewegen, sind ein weiteres Argument für aktives Management.

Wie sieht es bei nachrangigen Bankanleihen (Financial Bonds) aus?

Mit den neuen Eigenkapitalregeln, die Basel III vorsieht, wird die Bankenbranche auf ein solideres Fundament gestellt. Viele Institute haben ihr Geschäftsmodell sichtlich verbessert und ihre Eigenkapitalausstattung deutlich aufgestockt.

Welche Rolle spielt in dieser Erkenntnis der Stresstest der Zentralbank?

Er hat unser Bild bestätigt. Wir haben uns schon vorher mit Bankanleihen wohlgefühlt. Man hat es ja gesehen, dass die Branche vorankommt.

Bankanleihen sind schon seit ein paar Monaten in Mode. Sie müssten schon recht teuer sein?

Die Spreads sind zumindest noch höher als vor der Krise. Aktuell liegen sie für Nachranganleihen bei etwa 250 Basispunkten gegenüber Bundesanleihen. Das ist etwa der dreifache Wert im Vergleich zu vorrangigen Anleihen.

Und was ist mit Unternehmensanleihen aus den Schwellenländern?

Die Kurse dieser Papiere schwanken zugegebenermaßen sehr stark und hatten im vergangenen Jahr einige Schwächen. Aber die Profitabilität der Unternehmen verbessert sich zusehends.

Warum kaufen Sie nicht einfach Staatsanleihen?

Unternehmen reagieren flexibler auf veränderte Marktsituationen als Staaten. Deutlich wird das, wenn man sich ansieht, wie sie mit den gesunkenen Rohstoffpreisen umgehen. Ein weiterer Vorteil ist, dass Unternehmensanleihen fast durchweg in US-Dollar notieren. Das senkt die Volatilität verglichen mit Staatsanleihen, die schon häufig in der jeweiligen Landeswährung auf den Markt kommen.

Um welche Schuldnerqualität geht es dabei?

Drei Viertel der Unternehmen haben inzwischen Investment-Grade-Status, gelten also als gute oder sehr gute Schuldner. Trotzdem liegen die Renditen ihrer Anleihen bei 6 Prozent oder sogar höher.

Woher kommt der enorme Unterschied zu Anleihen mit Investment-Grade-Rating aus den Industrienationen?

Unternehmen in Schwellenländern operieren unter den dortigen Umständen an den Kapitalmärkten. Staatsanleihen aus Schwellenländern werden ihrerseits mit deutlichen Risikoaufschlägen gegenüber beispielsweise deutschen Staatsanleihen gehandelt. Würden diese Unternehmen auf dem Niveau von Investment-Grade-Unternehmen aus entwickelten Ländern handeln, würde das bei den gegenwärtigen Marktbedingungen bedeuten, dass sich die Unternehmen deutlich günstiger verschulden könnten als die Regierungen.

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