Chris Hart, Fondsmanager des Robeco BP Global Premium Equities

Chris Hart, Fondsmanager des Robeco BP Global Premium Equities

Robeco-Marktkommentar

„Wir haben in Europa eine Bewertungslücke ausgemacht“

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Wenn sich an den globalen Aktienmärkten Bewertungslücken auftun, kaufen wir in diesen Fällen auch dort, wo wir bis dato eher zurückhaltender waren – wie zuletzt in Europa. Die Gewinnerwartungen in Europa für 2015 ist zwar weiter etwas zu hoch, für unseren Aktienfonds Robeco BP Global Premium Equities interessieren uns jedoch speziell ausgewählte europäische Small- und Mid-Cap-Titel. Das Makro-Umfeld ist ein Nebenschauplatz, was zählt sind die Unternehmen selbst.

Wir konzentrieren uns auf die Auswahl attraktiver Unternehmen. Dabei spielt es keine Rolle, wo diese sich befinden. Nur die Berücksichtigung von Bewertung, Fundamentaldaten und Geschäftsentwicklung führt zu einem ausgewogeneren Anlageprofil. Ein US-bezogenes Thema ist die Ölbranche. Unternehmen aus der Branche haben den niedrigen Ölpreis verkraften müssen. Wir haben das Portfolio in den letzten 6 Monaten so positioniert, dass die Nachfrage-Problematik in der Ölindustrie abgefangen werden dürfte.

So haben wir beispielsweise unser Exposure bei integrierten Ölkonzernen abgebaut. Einstiegsgelegenheiten haben wir dafür bei ausgewählten Small- und Mid-Cap-Unternehmen gefunden, die auf Ölexploration und -produktion setzen. Die von uns ausgesuchten Unternehmen mit geringer Marktkapitalisierung reflektieren einen Ölpreis zwischen 40 und 45 US-Dollar, wobei ihre Kosten jedoch auf einem Ölpreis von um die 30 US-Dollar basieren. So können diese Unternehmen also trotz niedrigem Ölpreis immer noch attraktive Renditen erwirtschaften und haben, was noch wichtiger ist, bei ihren Bewertungen bereits einen noch niedrigeren Ölpreis eingepreist. Wenn also der Ölpreis wieder steigt, werden diese Unternehmen sehr gute Ergebnisse erzielen, da sich die Aktien über Gebühr verbilligt haben.

Aktuell einmalige Chancen in Europa nutzen

Die jüngsten Portfoliobewegungen zeigen, dass wir außerhalb der USA zunehmend in Europa fündig werden: Ende 2014 betrug der Anteil der US-Aktien in unserem Portfolio 58 Prozent. Bis Ende Januar 2015 reduzierten wir den Anteil auf 52 Prozent und erhöhten Europa von 18 auf 23 Prozent sowie Großbritannien von 9 auf 11 Prozent. Und das obwohl wir davon ausgehen, dass das Quantitative Easing der Europäischen Zentralbank ins Leere laufen und die Realwirtschaft nicht voranbringen wird, ebenso wie wir unter anderem mit Enttäuschungen bei den für das vierte Quartal 2014 gemeldeten Gewinnen rechnen.

Wir sind nach wie vor besorgt, dass sich die Situation bei den Unternehmensgewinnen weiter verschlechtern könnte. Aus einer Bottom-up-Perspektive betrachtet, gibt es in Europa aber durchaus ein paar interessante Titel. Wenn es im Portfolio seines Fonds in den nächsten Quartalen Änderungen geben sollte, dann könnte das der Aufbau von Positionen in europäischen Small- und Mid-Cap-Titeln sein.

Bereits in der Vergangenheit waren wir in Europa engagiert, etwa 2012 und 2013, als unser Portfolio durch Bewertungsdiskrepanzen in Europa stark übergewichtet war. Die USA wurden damals um das etwa 16-fache der Unternehmensgewinne gehandelt, Europa dagegen nur mit dem 11-fachen. Damals waren wir deutlich dem Small- und Mid-Cap-Sektor in Europa über diverse Industrien und Branchen zugewandt. In Erwartung einer schwächeren Marktphase und veränderten Bewertungsniveaus Anfang 2014 haben wir uns dann drastisch aus Europa zurückgezogen.

Seit kurzem sind wir im Vergleich zur Benchmark aber wieder in Europa übergewichtet. Wir haben eine neue Bewertungslücke ausgemacht, wenn auch keine so extreme wie 2011. Für uns ist sie aber ausreichend, um einmalige Chancen für sehr gute Unternehmen mit günstigen Bewertungen auf dem europäischen Festland zu nutzen.

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