Robeco Risiken für europäische Aktien werden überschätzt

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Das Drama um den Brexit hält an

Ein weiteres Thema, das in jüngster Zeit die Schlagzeilen dominiert hat, ist der schmerzhafte und unsichere Ausstieg Großbritanniens aus der Europäischen Union zum 29. März 2019. Es ist nach wie vor offen, wie und ob das Drama um den Brexit endet.

Jedoch ist die Wahrscheinlichkeit eines Ausstiegs ohne ein Abkommen mit der EU deutlich gesunken. Das britische Parlament hat die Regierung veranlasst, eine Verschiebung des Austrittsdatums zum 29. März anzustreben, wenn das Ausstiegsabkommen mit der EU keine Mehrheit im Unterhaus erhält. Grundsätzlich gibt es derzeit zwei Optionen: eine Verschiebung des Brexit (möglicherweise gefolgt von einem neuen Referendum, wobei Umfragen auf eine Mehrheit für einen Verbleib in der EU hindeuten) oder die Zustimmung des Parlaments zum Ausstiegsabkommen.

Die anhaltende Unsicherheit um den Brexit beeinträchtigt bereits jetzt die britische Wirtschaft. Allerdings dürfte die Konjunktur robust bleiben, sobald deutlich wird, dass in jedem Fall ein harter Brexit vermieden wird.

Populismus in Italien flaut ab

Das zweite Sorgenkind Europas war bislang Italien. Die Einigung zwischen der Europäischen Kommission und der populistischen italienischen Regierung hinsichtlich des Haushaltsdefizits Italiens hat zu einer Stabilisierung der Risikoprämie italienischer Staatsanleihen gegenüber deutschen Bundesanleihen geführt. Es ist zwar wahrscheinlich, dass der Konflikt wieder aufflammt, da die italienische Wirtschaft in eine technische Rezession geglitten ist. Allerdings hat die Lega, die bislang der Juniorpartner in der italienischen Regierung ist, in Umfragen enorm zugelegt, was zulasten der eurokritischen Fünf-Sterne-Bewegung ging. Aufgrund ihrer starken Verbindung zur Geschäftswelt Norditaliens wird die Lega keine Politik betreiben, die eine Schuldenkrise in Italien auslösen würde.

Da die Partei in den Wahlen zum Europäischen Parlament voraussichtlich gut abschneiden wird, könnte sie ab Juni Neuwahlen durchsetzen, um ihre Position in der Regierung zu stärken. Verständlicherweise haben die Finanzmärkte besorgt auf die Bildung der populistischen Regierung reagiert, sie scheinen die Situation mittlerweile aber etwas entspannter zu sehen.

Weitere Anreizmaßnahmen absehbar

Nicht zuletzt sind die beiden global wichtigsten Notenbanken, die US Federal Reserve (Fed) und die Europäische Zentralbank (EZB) zu einem weniger offensiven geldpolitischen Kurs übergegangen. Am 7. März wurde ein neues auf zwei Jahre angelegtes Refinanzierungsprogramm (Targeted Longer-Term Refinancing Operation – TLTRO) angekündigt, das zum Teil die Fortsetzung des aktuellen ermöglicht. Außerdem hat die EZB ihre Prognosen für die weitere Geldpolitik geändert und eine Leitzinsanhebung für dieses Jahr ausgeschlossen.

Für die deutsche Wirtschaft ist zudem mit einem gewissen fiskalpolitischen Anreiz in einer Größenordnung von 0,3 bis 0,4 Prozent des BIP zu rechnen. Die mögliche Nachfolgerin von Bundeskanzlerin Angela Merkel, Annegret Kramp-Karrenbauer, erwägt Steuersenkungen zur Anregung der Konjunktur in Deutschland. Des Weiteren hat sich das Lohnwachstum infolge der Verknappung von Arbeitskräften beschleunigt, was der inländischen Konsumnachfrage zugutekommen sollte.

Alles in allem glauben wir, dass die Anleger im Hinblick auf Europa zu pessimistisch sind. Auch wenn einige Probleme noch gelöst werden müssen, rechnen wir mit einer Erholung der europäischen Volkswirtschaften in der zweiten Hälfte des Jahres 2019.