Robeco über wackelnde Börsen Goldilocks versus Armageddon

Fabiana Fedeli, Portfoliomanagerin für Schwellenländeraktien bei Robeco, erklärt: „Die Damoklesschwerter, die über den Schwellenländern schwebten, werden langsam entfernt“

Fabiana Fedeli, Portfoliomanagerin für Schwellenländeraktien bei Robeco, erklärt: „Die Damoklesschwerter, die über den Schwellenländern schwebten, werden langsam entfernt“

Im letzten Quartal 2018 haben wir „Goldilocks“-Aktien verkauft. Stattdessen sieht sie Schwellenländer-Aktien wieder auf der Einkaufsliste stehen. „Die Damoklesschwerter von 2018 werden allmählich entfernt“, so Fedeli.

Als wir Anfang Oktober unsere letzte vierteljährliche Publikation schrieben, hatte der US-Aktienmarkt gerade seine längste Verlustphase seit Präsident Trumps Amtsantritt hinter sich. Die entscheidende Frage war damals, ob US-Aktien in einen Bärenmarkt eintreten und andere Aktienmärkte weiter mit sich nach unten ziehen würden. Unsere Antwort darauf war und ist „nein“. Der Grund dafür ist, dass der oberste Marktbeobachter Präsident Trump ist, der selbst den Schlüssel zur Lösung der Handelskonflikte in der Hand hält, die unserer Meinung nach erheblich zur Schwäche der Aktienmärkte beigetragen haben. Wir glaubten, dass ein weiterer Rückgang der Aktienkurse die Ankündigung weiterer Konjunkturförderprogramme oder vielleicht sogar versöhnlichere Töne gegenüber China nach sich ziehen könnte.

Und – man glaubt es kaum – auf dem G20-Gipfel, der am 30. November in Buenos Aires begann, ging Präsident Trump tatsächlich auf Chinas Staatspräsidenten Xi Jinping zu. Beide Seiten einigten sich darauf, die für den 1. Januar vorgesehene Erhöhung von Einfuhrzöllen zu verschieben und Verhandlungen aufzunehmen. Zugegebenermaßen ging nicht alles von Anfang an glatt. Das gibt es ja auch nur äußerst selten. Die Verhaftung der Finanzchefin von Huawei, einem führenden chinesischen Technologieunternehmen, ließ an den Märkten Zweifel aufkommen, ob jemals eine Einigung möglich sein würde. Überdies würde der Handelskonflikt in einer höchstwahrscheinlich lange dauernden, ideologisch motivierten Auseinandersetzung zwischen China und den USA eher durch eine Art Waffenstillstand gelöst werden. Aber zumindest gehen die Gespräche in diesem Augenblick weiter, und eine Beilegung des Konflikts würde eine große Last von den Aktienmärkten nehmen.

Schwellenländer-Aktien erreichten eine deutlich bessere Performance als US-Aktien

Eine Zeit lang vertraten wir die Auffassung, dass jede positive Nachricht zu dem Handelskonflikt eine Rally auslösen könnte, insbesondere an Märkten, die besonders schwer getroffen worden waren, wie beispielsweise der Markt für Schwellenländer-Aktien. Sogar während der Phase der Marktvolatilität im Dezember, als es noch erheblich an Klarheit über die Handelskonflikte mangelte und alle großen regionalen Aktienmärkte negative Renditen verbuchten, schnitten Schwellenländer-Aktien deutlich besser ab als US-Aktien, gefolgt von Europa und Japan. Für uns war dies keine Überraschung.

Natürlich waren die Handelskonflikte nicht das einzige Problem, mit dem Aktien außerhalb der USA 2018 über weite Strecken konfrontiert wurden. Die Verschärfung der Geldpolitik durch die US-Notenbank Fed in einer Zeit, in der das Weltwirtschaftswachstum potenziell durch Protektionismus beeinträchtigt wurde, geopolitische Sorgen in den Schwellenländern und in Europa sowie die darauf folgende Stärke des US-Dollars trugen zu einer massiven Bedrohungslage bei. Als die Anleger schließlich erkannten, dass dieses Zusammentreffen von Ereignissen, das für Aktien außerhalb der USA nicht gut ist, auch für US-Aktien nicht besonders günstig ist, gingen auch Letztere auf Talfahrt. Anleger begannen, sich vom „Goldilocks“-Szenario zu verabschieden, bei dem die Risikoprämie auf US-Aktien im Vergleich zu allen anderen großen Aktienmärkten einen historischen Tiefstand erreicht hatte. Denn es war einfach zu gut um wahr zu sein, dass die Gewinne von US-Unternehmen von allen negativen Einflüssen, die dem Rest der Welt zu schaffen machten, verschont bleiben würden.