Deutsche Arbeitnehmer fordern zunehmend mehr Transparenz bei der Vergütung. Das zeigt eine repräsentative Umfrage des Personaldienstleisters Robert Half unter 1.002 Erwerbstätigen. Demnach wünschen sich 68,5 Prozent der Beschäftigten mehr Offenheit bei Gehaltsangaben. 43,7 Prozent befürworten sogar eine vollständige Offenlegung der Vergütungsstrukturen.

27,4 Prozent der Befragten betrachten den Gender Pay Gap als strukturelles Problem, wobei Frauen dies häufiger so einschätzen als Männer (31,2 gegenüber 23,5 Prozent). Die Erhebung zeigt dabei deutliche Unterschiede zwischen den Altersgruppen. Während bei den Babyboomern 25,8 Prozent der Befragten an grundsätzlich gleiche Gehaltschancen für Männer und Frauen glauben, sinkt dieser Anteil bei der Generation Z auf 10,1 Prozent.

Gleichzeitig steigt die Bereitschaft zu Konsequenzen: 24 Prozent der unter 30-Jährigen würden sich bei wahrgenommener Gehaltsungleichheit aktiv um eine neue Stelle bemühen, verglichen mit 10,6 Prozent bei den über 60-Jährigen.

Rechtliche Rahmenbedingungen verschärfen sich

Der gesellschaftliche Wandel wird durch neue gesetzliche Vorgaben verstärkt. Bis zum 7. Juni 2026 muss Deutschland die EU-Entgelttransparenzrichtlinie in nationales Recht überführen. Die Richtlinie verpflichtet Unternehmen zur Angabe von Gehaltsspannen in Stellenausschreibungen und führt je nach Betriebsgröße gestaffelte Berichtspflichten ein.

 

Unternehmen mit bis zu 149 Beschäftigten müssen künftig alle drei Jahre über geschlechtsspezifische Lohngefälle berichten, Betriebe ab 250 Mitarbeitern jährlich. Bei festgestellten Entgeltlücken von über 5 Prozent in vergleichbaren Tätigkeiten sind Maßnahmen zur Beseitigung der Unterschiede vorgeschrieben.

„Gehaltsfragen sind längst kein Tabu mehr – sie sind fester Bestandteil moderner Feedbackkultur“, erklärt Stephan Megow, Managing Director Region Nord-West bei Robert Half. „Unternehmen, die sich darauf einstellen und Führungskräfte gezielt auf diese Gespräche vorbereiten, investieren direkt in Mitarbeiterbindung und Motivation.“

Technologie als Hilfsmittel akzeptiert

Bei der Rolle künstlicher Intelligenz in der Gehaltsgestaltung zeigen sich die Befragten differenziert. 33,9 Prozent sehen KI als wertvolles Hilfsmittel, betonen aber die Notwendigkeit menschlicher Validierung bei finalen Entscheidungen. Lediglich 16,1 Prozent erwarten, dass KI zu faireren und transparenteren Vergütungsmodellen führt.

Die Skepsis gegenüber rein algorithmischen Entscheidungen ist besonders bei der Generation Z ausgeprägt: 21,2 Prozent befürchten, dass KI bestehende Ungleichheiten verstärken könnte.

 

Die Studienergebnisse zeigen veränderte Erwartungen an Vergütungssysteme. 18,8 Prozent der Befragten geben an, nicht zu wissen, wie sie eine Gehaltserhöhung ansprechen sollten – ein Anteil, der bei Frauen (21,2 Prozent) und der Generation Z (28,4 Prozent) besonders hoch liegt.

„In modernen Organisationen wird Gehalt nicht mehr als stille Zahl akzeptiert, sondern aktiv eingefordert, reflektiert und eingeordnet“, kommentiert Sven Hennige, Senior Managing Director Zentraleuropa & Frankreich bei Robert Half. „Das verlangt von Unternehmen Klarheit, Haltung und eine neue Form von Führungsstärke.“

Die Ergebnisse signalisieren Unternehmen die Notwendigkeit, Vergütungsstrukturen zu überprüfen und transparenter zu gestalten. Dies gilt nicht nur vor dem Hintergrund neuer rechtlicher Anforderungen, sondern auch als Instrument der Mitarbeiterbindung in einem angespannten Arbeitsmarkt.