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Robert Halver Amerikas digitale Waffe ist voll geladen

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Amerika würde sich vor allem noch mehr als Standort für die Digitalisierung, also die industrielle Revolution 4.0 empfehlen. Mit Unternehmen wie etwa Amazon, Alphabet als Mutter von Google, Apple oder Facebook steht Amerika hierbei vielfach in der Pole Position. Mit dieser Waffe wollen die USA die klassischen Industrieländer wie Deutschland und Japan erfolgreich angreifen. So wird Amerikas Anteil an der Wertschöpfung von z.B. Autos immer weiter steigen. Während die USA die Digitalisierungssprache bereits sprechen, wird bei uns leider noch über Sprachkurse gesprochen.

Steuerlich und digitalisierungsbedingt sind steigende Gewinne der US-Aktiengesellschaften zu erwarten, die damit ihre aktuell sportliche Bewertung entspannen. Die Stimmung in der amerikanischen Industrie als vorlaufender Indikator sieht bereits vielversprechend aus.

Die Angst der Fed vor dem Vernichten der hässlichen Fliege

Die US-Notenbank Fed wird nicht zum Aktien-Terminator. Der global harte Wettbewerb, damit fehlender Lohnkostendruck und angesichts der Alternativfördermethode Fracking ausbleibende Ölpreisschocks der Opec sprechen nicht für harte Inflation und damit harte Zinssteigerungen.

Man darf nicht vergessen, dass die USA bis Oberkante Unterlippe verschuldet sind. Gegenüber der Verschuldung von heute ist jene vor Ausbruch der Schuldenkrise ein Kindergeburtstag. Die Fallhöhe ist noch größer. Eine reibungslose Finanzierung geht also nur durch anhaltende Zinssubventionierung durch die Fed. Und für die Neuverschuldung wegen der Steuerreform wird auch gelten: Sponsored by Fed.

Überhaupt, die seit 2008 günstigen Kreditzinsen haben auch die US-Konsumenten in die Schuldensucht bei Hypotheken, Kreditkarten, Autos, Studentendarlehen und Wertpapierkrediten getrieben.

Diese völlig aus der Spur gelaufene Kreditsucht ist wie eine fette hässliche Fliege, die auf einer wertvollen Ming-Vase sitzt. Mit scharfen Zinserhöhungen müsste die Fed diesem Unding stabilitätspolitisch eigentlich entgegenwirken, also die hässliche Fliege zerschlagen. Das hat sie übrigens schon einmal zwischen 2004 und 2006 gemacht. Leider hat sie damit 2008/2009 eine Schuldenkrise ausgelöst, die Konjunktur und Aktienmärkte ruinierte. Was nutzt die Vernichtung des Ungeziefers, wenn die Vase auch zerstört wird?

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